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Pfalzhalle in Blau-Weiß: Südpfalz-Tiger sind Meister
Geschafft! Fünf Minuten sind noch zu spielen, seine Mannschaft führt mit 29:18, da nimmt Trainer Christian Job Blickkontakt mit seiner zwölfjährigen Tochter auf, die sich das Spiel in der Pfalzhalle in Haßloch von der Haupttribüne mit ihrem Opa Wilfried Job ansieht. Er hebt die Faust, bewegt sie schnell hin und her, lacht sie an: „Romy!“
Die SG Ottersheim/Bellheim/Kuhardt/Zeiskam kann nichts mehr aufhalten. Die Fans, die in der Halle die Südtribüne eingenommen haben und schon eine Stunde lang Lärm machen, verstärken beim 30:18 von Christoph Gensheimer den Geräuschpegel. Jobs Spieler und die Betreuer, die an der Seite stehen, beglückwünschen sich, hüpfen, tanzen, reißen beim nächsten Treffer die Arme hoch. Die Südtribüne ist ein blau-weißes Fahnenmeer, die ersten Spieler streifen sich die schwarzen Meistershirts über. Nach dem Schlusspfiff, die SG OBK hat den Tabellendritten HSG Dudenhofen/Schifferstadt mit 32:20 (15:9) besiegt, ist es amtlich: Meister der Handball-Pfalzliga mit 46:0 Punkten am vorletzten Spieltag.
Fast immer ein Abschluss
Eine Viertelstunde vorher: Job, der die ganze Zeit an der Bank steht oder läuft, ist fokussiert. „Max, Abwehr, nicht spekulieren, bleib in der Formation!“ Dabei beherrscht seine Mannschaft das Spiel: Langsam Positionen einnehmen für den nächsten Angriff, dann geht es schnell. Fast immer kommen die Südpfalz-Tiger zum Abschluss, von außen, vom Kreis. Sie machen kaum Fehler, haben nur wenige Fehlwürfe gegen HSG-Torhüter Felix Trapp. Genauso überlegt handelt die Abwehr, in der Kreisspieler Matthias Scheick und Patrik Sefrin im Zentrum fast alles im Griff haben. Die HSG, Simon Richter kommt mehrmals mit Rückraumschüssen durch, kann die Tiger kaum in Bewegung bringen. Wenn doch, muss sie noch SG-Torhüter Timo Bauchhenß bezwingen. Der hält bis zur Halbzeit zehn Würfe und dann weitere sechs bis zur 50. Minute, in der Maximilian Geiger ihn ablöst.
Die Mannschaft habe ihre Nervosität in positive Energie für eine super aggressive Abwehr umgewandelt, sagt Job zur starken Leistung. Er sei als Spieler einmal aufgestiegen von der fünften in die vierte Liga und habe als Trainer eine Meisterschaft mit der SG Nußloch gewonnen, „es wird höchste Zeit, dass wir daran arbeiten“. Was passiert am Abend? „So wie sie Handball spielen, können sie auch feiern. Ich glaube, die Jungs gehen in eine Diskothek in Landau.“
Zwei Mann für jede Position
Sie sind so gut, weil sie komplett durchwechseln können, ohne Power zu verlieren. Links ist diesmal Jan Gerbershagen (6/1 Tore) oder Maximilian Hauck (2), rechts Elias Horn (3) oder Christoph Gensheimer (2), am Kreis Matthias Scheick (1) oder Axel Risser (1). Im Rückraum tauchen (von links) Joshua Albert/Florian Bauchhenß (4), Arne Schäfer (4)/Patrik Sefrin (4/3) und André Hilsendegen (3)/Philipp Latzko (2) auf.
Für den 21-jährigen Spielmacher Arne Schäfer ist es der erste große Erfolg: „In der Jugend waren wir meistens Vize.“ Er leistet ein Freiwilliges Soziales Jahr und weiß noch nicht, welche Lehre er danach beginnen soll. Patrik Sefrin (32) ist schon mal in die Oberliga aufgestiegen. 2011 spielten Sebastian und Philipp Mohra, Fabian Graap, Timo Bauchhenß, Stefan Job und Ilan Eigenmann mit ihm, Trainer in der Saison mit 40:4 Punkten war Steffen Drausnigg. Zwei Jahre später ging es wieder runter, Trainer war zuerst Eric Abel, dann Thorsten Laubscher. Die Kooperation mit dem TV Hochdorf wurde danach beendet.
Jetzt geht’s in die Relegation
Sefrin, der viel Ruhe verkörpert, oft verletzt war, macht weiter. Er führt den Erfolg auf eine „extrem breite Bank, starke Abwehr“ zurück. Matthias Scheick (20) hat, wie er sagt, „leider den ersten Aufstieg verpasst, da war ich noch in der Jugend in Offenbach“. Wegen Rückenschmerzen hatte der Disponent eines Möbelhauses zwei Jahre pausiert. „Wenn man so Spiele spielen darf, machen Schmerzen nichts aus“, sagt er. „Wir können wechseln, ohne Verluste zu haben, das hat es so noch nicht gegeben.“
Romy sah sich zum zweiten Mal ein Spiel der Tiger an, beim 25:20-Sieg in Iggelheim war sie mit ihrer großen Schwester. „Ich sollte öfter mitkommen, das macht Spaß. Sie haben es auf jeden Fall verdient, in die Vierte Liga aufzusteigen“, sagte die Zwölfjährige. Das werden Job und Co nun angehen.