Voltigieren
Mit Rückenwind aus Aachen zur WM
„Es ist schwer in Worte zu fassen, was Aachen ausmacht“, sagt Hannah Steverding. Die 25-jährige Herxheimerin blickte am Sonntagnachmittag auf drei ereignisreiche Tage im Vorprogramm des größten Reitturniers der Welt zurück. Die Voltigierer bestreiten beim CHIO den Auftakt. Die Albert-Vahle-Halle, in der sie ihre Übungen auf dem Pferd zeigen, verwandelt sich in einen Hexenkessel. In dem muss man bestehen. „Wenn man in den Zirkel einläuft, bekommt man Gänsehaut, jedes Mal“, erzählt die Sportwissenschaftsstudentin. Das war am Wochenende sechsmal der Fall. Denn Steverding startete nicht nur mit ihrem Team Norka des Voltigiervereins Köln-Dünnwald, sondern auch im Einzel. Es war der Lohn für gute Leistungen, die sie zuletzt gezeigt hatte.
Am späten Sonntagnachmittag setzte sich der Steverding-Tross zufrieden in Richtung Südpfalz in Bewegung. „Zuletzt war immer mindestens eine Runde nicht so harmonisch“, berichtet sie. Das war jetzt anders. Drei Runden auf einem gleichmäßig hohen Niveau gelangen Steverding auf Royal Flash an der Longe von Sophie Kuhn. Am Ende wird es Platz sechs im Gesamtklassement. Und viel wichtiger: Das Gesamtergebnis der drei Teilprüfungen aus Pflicht, Technik und Kür liegt über der magischen Achtergrenze. „Unser Ziel war, zufrieden aus dem Zirkel zu laufen“, sagt sie. Jetzt ist sie „sehr zufrieden“.
Titelverteidigung mit dem Team
Mit dem Team verteidigte sie den Sieg in der Mannschaftskonkurrenz am Samstag, im Nationenpreis misslang die Wiederholung des Vorjahressiegs, weil Annemie Szemes im Einzel Punkte einbüßte. So gab es eine echte Sensation, erstmals gewann mit dem Team Fredenbeck eine Juniorengruppe den prestigeträchtigen Nationenpreis zusammen mit den Einzelstartern Alice Layher und Alina Roß. „Das ist gar nicht so schlimm“, bemerkt Steverding mit Blick auf Platz zwei. Sie ärgerte sich aber ein bisschen darüber, dass sie nach ihrem freien Rad in den Sand greifen musste. Ein folgenloser Patzer.
Die drei Tage hat sie genossen. Aachen sei „nicht so stressig, wie auf einem normalen internationalen Turnier. Das ist perfekt organisiert, die Bedingungen sind optimal“, erzählt sie. Und das hebt die Teilnahmen am CHIO sogar über manches Championat. In zwei Wochen steht die Weltmeisterschaft der Voltigierer in Bern an. Jahrelang war das internationale Turnier dort das Lieblingsturnier der Südpfälzerin. Sie geht dort mit dem Team, das 2023 Europameister wurde, an den Start.
Uniprüfungen und WM-Vorbereitung
Zwei stressige Wochen stehen ihr bevor. An der Universität stehen Prüfungen an, die Kür der Kölner erhält den letzten Feinschliff. „Ich werde wohl viel pendeln“, sagt sie angesichts der WM-Vorbereitung. Sie soll nach Möglichkeit mit dem Titel für das Team von Hannah Steverding enden. „Im Moment sind wir noch recht gelassen“, bemerkt sie mit Blick auf das Championat. Dahin fährt sie mit Rückenwind und frischem Schwung aus Aachen. Dort wird in zwei Jahren die nächste WM der Voltigierer ausgetragen.