Lokalsport Südpfalz
Mein schönstes Spiel: Zwei Tickets für die WM-Eröffnung
Maik Wünstel ist fußballverrückt. Erlenbachs Ortsbürgermeister hat schon viele Spiele in verschieden Stadien der Welt gesehen. Er war bei der Eröffnungspartie der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land zwischen Deutschland und Costa Rica (4:2) einer vor 66.000 Zuschauern in der Münchener Allianz- Arena. Er sagt: „Nach nun fast 15 Jahren kann ich mit 100-prozentiger Überzeugung sagen, das war mit Abstand mein schönstes Spiel.“
Seine Vorfreude auf die WM war riesig gewesen. Er wollte unbedingt live dabei sein. Dafür setzte er alle Hebel in Bewegung: Er bewarb sich bei der Fifa-Verlosung über Internet und nahm an Gewinnspielen teil, um an Karten zu kommen. Einige Monate vor dem Spiel kam der erlösende Brief: Wünstel hatte zwei Karten für Deutschland gegen Costa Rica. Er musste nicht lange überlegen, wen er mitnimmt: seinen Freund Michael Bohlender. Der ist Präsident des Bayern-Fanclubs „Pfälzer Bazis“ und hatte beruflich schon oft in Costa Rica zu tun.
„Unglaublicher Moment“
„Es war ein unglaublicher Moment für uns beide, als ich ihn fragte“, erinnert sich Wünstel. Unter dem Motto „vier Pälzer uff WM-Tour“ fuhren die beiden mit Stefan Flick und Michael Illgen für mehrere Tage in die bayerische Landeshauptstadt. Illgen und Flick hatten keine Karten, freuten sich aber auf die Fanmeile im Olympiapark. Nach dem Bezug der gemieteten Wohnung führte der Weg direkt in ein Brauhaus, um sich zu stärken und die Stimmung bei den Fans einzufangen. Direkt um die Ecke des Biergartens parkte Günter Netzer. Der Spielmacher von Borussia Mönchengladbach und Real Madrid war 1972 Europa- und 1974 Weltmeister gewesen. Er stellte sich für ein kurzes Gespräch und ein Foto zur Verfügung. Bei der Eröffnungsfeier später im Stadion winkte er den Erlenbachern zu. Danach ging es zum Zeitungsladen von Georg „Katsche“ Schwarzenbeck, ebenfalls WM-Held 1974. Der Vorstopper des „Kaisers“ nahm sich sehr viel Zeit und erzählte Anekdoten aus seiner aktiven Zeit.
Angespannt im Stadion
Schließlich machten sich Wünstel und Bohlender auf den Weg ins Stadion. „Wir hatten unterwegs viele spontane Gespräche auf Denglisch und Pfälzisch mit Fans der unterschiedlichsten Nationen“, erzählt Wünstel. Es wurden Schals getauscht. Einen besonderen Platz in Wünstels WM-Schrank hat seit dieser Zeit ein kleiner handgebauter, selbst bemalter Ochsenwagen, den er von einem Fan aus Costa Rica geschenkt bekam.
Die Eröffnungsfeier bestach mit zahlreichen Spezialeffekten. Beim Einlauf der früheren deutschen Weltmeister jubelten die beiden Erlenbacher Netzer und Schwarzenbeck besonders zu. Die Erwartungshaltung der deutschen Fans war angespannt. In den Vorbereitungsspielen zuvor enttäuschte die Klinsmann-Elf bei der 1:4-Niederlage gegen Italien und dem 2:2 gegen Japan.
Frings’ Hammer-Tor
Das Spiel entwickelte sich zu einer unterhaltsamen und gutklassigen Angelegenheit. Die deutsche Elf begann erstaunlich offensiv, offenbarte aber im Defensivverhalten große Schwächen. So konnte der Underdog aus Mittelamerika die deutsche Führung von Philipp Lahm per Schlenzer in den rechten Torwinkel (6.) fast postwendend mit dem Ausgleich durch Paulo Wanchope (12.) beantworten. Derselbe Spieler sorgte in der 73. Minute für den 3:2-Anschlusstreffer, nachdem Miroslav Klose einen Doppelpack geschnürt hatte (17. und 61.). Das Traumtor von Torsten Frings, er hämmerte das Leder aus 25 Metern in den rechten Torwinkel, drei Minuten vor Ende erlöste die deutschen Schlachtenbummler.
Plötzlich taucht Security auf
„Wir haben das Stadion erst zwei Stunden nach Spielende verlassen. Kein Zuschauer wollte gehen, es wurde überall gefeiert und gesungen“, sagt Wünstel. Der vereinbarte Treffpunkt nach der Partie war ein großer Biergarten. Dort konnten die beiden Freunde einen der begehrten Tische reservieren. Plötzlich tauchten Männer in schicken Anzügen auf. Sie gehörten zu einem Security-Service und baten die stehenden Fans, etwas auf die Seite zu gehen. Plötzlich tauchte der Staatspräsident von Costa Rica auf, der mit seinen Landsleuten feiern wollte. Überall wurden Selfies gemacht. Wünstel muss heute noch schmunzeln: „Einen Tag später war in der Zeitung ein Artikel abgedruckt, der den Präsidenten beim Empfang mit Angela Merkel in Berlin und später in München zeigte. Und dann traf er zu später Stunde noch uns Erlenbacher im Biergarten.“
Wünstel ist 44 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Seit 2009 Ratsmitglied, war er von 2014 bis 2018 Erster Beigeordneter. Seit 2018 ist er Ortsbürgermeister. Der Wirtschaftsinformatiker arbeitet bei Daimler Truck in Wörth. Seine Hobbys neben dem Fußball sind Tennis spielen, Ski fahren und Joggen.