Radsport RHEINPFALZ Plus Artikel Kalmit, Kettenblatt und Kranzkuchen: Radelnder Reporter auf 100-Kilometer-Tour

100 Kilometer im Sattel: Rheinpfalz-Reporter Dennis Bachmann.
100 Kilometer im Sattel: Rheinpfalz-Reporter Dennis Bachmann.

Über 100 Kilometer hat RHEINPFALZ-Mitarbeiter Dennis Bachmann bei der Radtourenfahrt des RV Viktoria Lingenfeld gestrampelt. Eine Sache blieb ihm im Gedächtnis.

7 Uhr am Sonntagmorgen am Vereinsheim Oberwald in Lingenfeld: Einer kommt mit dem Rennrad aus dem badischen Rot gefahren und macht sich gleich auf die Strecke. Zwischen 49, 60, 78 oder 104 Kilometer können sich die Radsportler, die meisten sind Freizeitfahrer, entscheiden. Für acht Euro gibt es ein Armband. Traditionell richtet der RV Viktoria Lingenfeld seine Radtourenfahrt (RTF) aus. Kein Rennen, keine Zeitnahme, alles nur zum Spaß.

Bei Radtourenfahrten gibt es keine abgesperrten Strecken, auf die Straßenverkehrsordnung muss jeder selbst achten. Richtungswechsel auf den Straßen sind mit einem Pfeilschild versehen. Jedoch bietet der Veranstalter die Strecke auch als GPX-Track zum Download an und man wird dann vom Radcomputer über die Strecke navigiert.

Start um 7 Uhr morgens

Mein Kumpel Stefan Völker aus Bellheim hatte mich, Dennis Bachmann, RHEINPFALZ-Mitarbeiter, auf die RTF aufmerksam gemacht. Wir nehmen kurz nach 7 Uhr morgens die 104 Kilometer in Angriff und rollen von Freisbach und Gommersheim nach Maikammer, wo es direkt mal die Kalmit in Angriff zu nehmen gilt. Neben ein paar RTF-Fahrern kommen uns noch Einzelfahrer und eine Gruppe entgegen, die noch früher ganz oben waren. Die Kalmit ist das Mekka für pfälzische Radfahrer jeder Leistungsklasse, auch Badener kommen gerne über den Rhein. Vor uns fahren zwei grüne Trikots vom „Team Schwarze Rampe“, denen wir auf der Fahrt noch öfters begegnen sollen.

26 Minuten für die Kalmit-Auffahrt

Zu Beginn der Kalmithöhenstraße am Ortsausgang Maikammer freue ich mich. Jetzt nicht unbedingt über die kommenden fünf Kilometer und 374 Höhenmeter, aber bergauf wird es endlich mal warm. 26 Minuten später sind wir oben. Danach kommt die Abfahrt nach St. Martin, auf der wir mehr bremsen, als in die Pedale zu treten. Aber ich ziehe mir erst noch eine Weste an. Im Wald ist es doch noch etwas kühler. „Gleich gibt’s Essen“, sagt Stefan vorher schon zu mir. Denn kurz nach St. Martin wartet der erste Versorgungspunkt auf uns, „Team Schwarze Rampe“ ist auch schon da. Wasser, Elektrolytgetränk, selbstgebackene Riegel, Äpfel, Bananen und gefüllter Kranzkuchen haben zwei Helfer des Vereins hergebracht. Drei Versorgungspunkte werden auf der langen Strecke angeboten. Ich wundere mich, wie das mit acht Euro Startgeld finanziert werden soll. Die Vereinsvorsitzende Heidi Ostwald relativiert: „Ich finde das schon recht hoch. Man muss nicht alles überteuern, das sehe ich nicht ein.“

Zwischen Kalmit und Lollosruhe warten die vielen Helfer an einem Versorungspunkt.
Zwischen Kalmit und Lollosruhe warten die vielen Helfer an einem Versorungspunkt.

Die Verpflegung kommt mir auch gerade recht, denn: Es folgte gleich der nächste Anstieg. Sieben Kilometer und 370 Höhenmeter sind es bis zum Parkplatz Lolosruhe. Noch so ein bekannter Anlaufpunkt für viele Radler. Oben treffen wir wieder auf Team Schwarze Rampe, die sich – ebenso wie ich – zur Abfahrt Richtung Drei Buchen wieder eine Weste überstreifen. Den Berg zu den Drei Buchen nehmen wir locker. Nach der Abfahrt nach Ramberg stehen endlich mal ein paar flache Kilometer an, in denen wir nach Albersweiler zum nächsten Versorgungspunkt rollen. Die Kettenblätter rattern im Takt mit uns mit.

Wieder in unserer Nähe „Team Schwarze Rampe“. Markus aus Speyer und Florian aus Hirschberg sind Arbeitskollegen in der BASF und fahren mit anderen im Sommer in die Alpen. „Wir brauchen Kilometer und Höhenmeter, dazu eignet sich die RTF hier ja perfekt“, erklären sie, die vor ein paar Tagen von Kollegen auf diese Veranstaltung aufmerksam gemacht wurden. Fremd sind Teile der Strecke ihnen nicht: „Die Kalmit kennt man natürlich, aber ansonsten ist es auch total schön. Dass sich die Ehrenamtlichen hier den ganzen Tag hinstellen, um die Leute zu verpflegen, und ihre Freizeit opfern, Riegel backen, die Strecke ausschildern. Einfach klasse.“

Rückkehr nach 103 Kilometern

Über die Weinstraße von Frankweiler, Siebeldingen und Burrweiler geht es ins Modenbachtal hoch nach Weyher zum nächsten Verpflegungspunkt mit Tee, Obst und noch mal Kranzkuchen. Zusätzlich zur Beschilderung sind die Versorgungspunkte mit einem weißen Schild ein paar Meter vorher gekennzeichnet. Trotzdem fahren manche an der Verpflegung vorbei. Ein Helfer pfeift zwei Fahrer zurück. Und lacht: „Das passiert hier öfters. Aber die meisten merken es dann doch noch rechtzeitig.“ Für uns ist das Gröbste geschafft. Die restlichen 25 Kilometer sind flach und wir haben kaum Gegenwind. Nach 103 Kilometern kommen wir wieder in Lingenfeld an. Zwar etwas langsamer als sonst, aber die Zeit ist sekundär und Kranzkuchen als Verpflegung auf dem Rennrad auch nicht alltäglich.

Verein aus Lingenfeld ist vollkommen zufrieden

In Lingenfeld treffen wir auf andere Fahrer, Vereinsmitglieder und Besucher. Mir fallen grüne Trikots aus Kirrlach auf, die ich bei der RTF in Dudenhofen im April schon getroffen habe. Es ist charakteristisch für Radtourenfahrten: Eine eigene Community, die sich auf vielen Veranstaltungen dieser Art trifft, ohne sich überhaupt zu verabreden.

170 Teilnehmer haben die verschiedenen Strecken auf sich genommen. Rekord. Heidi Ostwald strahlt: „Im Gegensatz zum Vorjahr hatten wir auch richtig Glück mit dem Wetter. Besser geht’s nicht.“ Bis vor wenigen Jahren hat der RV Lingenfeld auch noch ein Radrennen ausgerichtet. „Das können wir helfertechnisch nicht mehr stemmen“, sagt Ostwald. „Heute ist es die einzige Veranstaltung, die wir noch haben. Aber es ist schön und die RTF werden wir auch weiterhin ausrichten.“

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