Lokalsport Südpfalz „Kämpfen ist meins“
«LANDAU.» Tai-Otoshi, Körperwurf, heißt die Judo-Technik, an die Lilli Heil ihr Lebtag denken wird. Sie brach sich den Oberschenkel. Ein Jahr später gehört die 15-Jährige aus Billigheim-Ingenheim zu einer Reihe von jungen Leuten, die beim Judokan Landau einen Prüfungs-Marathon hinter sich haben. Heil ist eine der Jüngsten, die nun den schwarzen Gürtel tragen dürfen.
Zehn Jahre ist Lilli Heil beim Judo. Gürtelfarben zeigen den individuellen Rang an, acht Schülergrade sind es bis zum 1. Dan, der frühestens mit 15 Jahren erreicht werden kann. Die Schülerin am Max-Slevogt-Gymnasium hat alles erledigt. Neben dem schwarzen Gürtel hat sie in einem Jahr weitere Auszeichnungen erworben: Die schwarz-rot-gestreifte Krawatte, weißes Shirt mit Logo und Anzugshose weisen sie als Kampfrichterin aus, und sie kann jedermann ihre Trainer-C-Lizenz zeigen. Die Kampfrichter-Prüfung legte sie zusammen mit Melissa Wahl (15) beim Hopser-Turnier ihres Vereins am letzten September-Wochenende mit Bravour ab. Am mittleren Herbstferien-Wochenende war die Trainer-C-Prüfung für Heil und ihre Vereinskameraden Wahl, Luca-Marie Pfirrmann und Andrej Kobsarenko, sie stach in einem Pulk von 20 Teilnehmern als eine der Besten hervor. Den Abschluss bildete die Dan-Prüfung am vergangenen Wochenende. Heil, Maira Mandlmeir und Sabrina Kopf (zum 1. Dan), Johannes Kern (2. Dan), Lea Eitel und Tanja Schmadel (3. Dan) bestanden „mit super Ergebnissen“, so ihr stolzer Trainer Thomas Föllinger, 6. Dan. Föllinger begleitet am Wochenende Luca-Marie Pfirrmann und Tanja Schmadel zu den Deutschen Pokalmeisterschaften der Männer und Frauen in Kirchberg an der Murr. Eine Qualifikations-Meisterschaft für die DM im Januar in Stuttgart. Schmadel hat beim Ranglistenturnier in Speyer mit einem dritten Platz schon wertvolle Qualifikationspunkte gesammelt. Lilli Heil muss sich noch gedulden. Im Februar begann sie schon wieder mit leichtem Training. Wenn sie den Nagel im Oberschenkel los ist, wird ihr Trainer sie wieder langsam aufbauen für den Kampf. Im Sommer nächsten Jahres will die U15-Pfalzmeisterin von 2017 wieder auf der Matte stehen. „Mit anderen zu raufen, hat mit schon immer Spaß gemacht“, erzählt die 15-Jährige, die sich vorstellen kann, später „irgendetwas mit Medizin“ zu machen. Durch ihre ältere Schwester Emelie kam sie zum Judo und hatte von Anfang an Spaß beim Training: „Ich konnte mich so richtig auspowern“ Als Föllinger für einen Grundschulaktionstag Jahre später an ihre Schule kam, sie war in der dritten oder vierten Klasse, um dort für Judo zu werben, war sie schon eine kleine Expertin und stolz. Zum Kämpfen gehört es, die Gegnerin am Revers, weiter oben als sonst, zu greifen, sich einzudrehen und das gestreckte Bein vor die Beine der Gegnerin zu stellen. In der Regel fällt diese darüber. In ganz seltenen Fällen kommt es beim Judo zu Unfällen. Lilli habe sich selbst den „Oberschenkel abgedreht“, erzählt ihre Mutter Manuela, die beim Turnier im November 2017 in Frankfurt war und vergangenes Jahr mit Judo angefangen hat, um sich etwas aus der Komfortzone zu wagen. Ihre Tochter überstreckte das rechte Bein, kippte nach hinten um. „Das Gelenk hat es ausgehalten, der Oberschenkel nicht“, sagt die Judoka. Notarzt. Uni-Klinik. Operation in der Nacht. „Ich kann wieder alles machen bis auf Wettkämpfe“, sagt Lilli Heil, die Judo quasi in Vollzeit erlebt und so viel wie möglich erreichen will. Als Judoka (in zwei Jahren könnte sie den 2. Dan anstreben), als Trainerin (Trainer B, Trainer A, Trainer mit Diplom), natürlich als Kämpferin: „Das Kämpfen ist meins.“