Sportstypen RHEINPFALZ Plus Artikel Diyab Dabschah und seine Pläne mit Syriens Sportminister

Diyab Dabschah (rechts) mit Nabil Zaky, einem seiner 32 Boxer.
Diyab Dabschah (rechts) mit Nabil Zaky, einem seiner 32 Boxer.

Prediger, Promoter, Unternehmer. Der Mann mit Boxstudios in Landau und Bad Bergzabern hat viele Gesichter. Noch ein Jahr will Diyab Dabschah als Profi aktiv sein.

Der gebürtige Landauer Diyab Simon Dabschah ist in unterschiedlichen Welten zu Hause. Als Profiboxer bereist er ferne Länder, als Boxmanager betreut er viele Klienten, als studierter Theologe predigt er den Islam. Und das ist noch längst nicht alles.

Der 34-Jährige ist seit 2018 Profiboxer. Er hat 26 von 27 Kämpfen gewonnen, einer endete mit einem Unentschieden. Dass er mit 27 Jahren relativ spät Profi wurde, hat Gründe: „Ich war früher Amateurboxer, bin dann aber zum Taek Won Do gegangen und habe dort einen schwarzen Gürtel gemacht. Daraufhin habe ich Angebote für Kickboxkämpfe bekommen, und das habe ich zwei oder drei Jahre lang gemacht. 2017 hat mich ein Promoter aus Mannheim gesehen und der hat mich gefragt, warum ich kein Profiboxen mache. Da verdient man mehr Geld als beim Kickboxen. Ich habe gemerkt, das Boxen liegt mir, deshalb bin ich dann 2018 erst Profiboxer geworden.“

Teil einer größeren Strategie

Ein George Foreman hat noch mit 50 Jahren WM-Titel gewonnen. So lange möchte Dabschah nicht im Ring stehen: „Ich will noch ungefähr ein Jahr Kämpfe bestreiten und dann als Profi aufhören.“

Nicht, dass Dabschah anschließend nichts mehr mit dem Profiboxen zu tun haben will. Im Gegenteil. In seinem Wohnort Bad Bergzabern und in Landau hat er Boxstudios eröffnet. Die sind auch nur ein Teil einer größeren Strategie. Dabschah ist nämlich auch Boxpromoter: „Ich habe 32 Profiboxer unter Vertrag. Die kommen aus Pirmasens, Neustadt oder Karlsruhe. Landau ist zentral, deshalb gibt es hier das Boxstudio, in dem die Profis trainieren können.“

Nabil Zaky ein untypischer Klient

Die Klienten erhalten bei Dabschah Verträge, die es ihnen ermöglichen sollen, in ihrer Karriere entscheidend vorwärts zu kommen. „Generell sehen Profiverträge so aus: Ich besorge einem Boxer sieben Aufbaukämpfe, gegen Gegner, die gut, aber schlagbar sind, damit er eine gute Bilanz hat. Danach kämpft er dann fünf Mal auswärts, damit wir Geld verdienen. Da wird man dann eingeladen, nach Australien, Amerika, und dann muss man den Kampf gewinnen und sich beweisen.“

Einer von Dabschahs Klienten ist der Ägypter Nabil Zaky, der bei der Landauer Boxnacht Ende September den bis dahin ungeschlagenen Christian Scheydt beeindruckend besiegte. Der Ägypter ist bereits 42 Jahre alt und damit ein untypischer Klient. Lange war Zaky Amateurboxer, hat über 300 Kämpfe bestritten und gehörte zum ägyptischen Nationalteam. „Ich habe Nabil in Ägypten kennengelernt. Er war Amateur, noch ungeschlagen, ein starker Mann. So sind wir in Kontakt gekommen. Dann hat er einen Kampf in Polen gehabt und ich habe ihn eingeladen, zu mir ins Studio zu kommen. Seitdem arbeiten wir zusammen“, erzählt Dabschah.

Vier Reisepässe gefüllt

Zaky erzählt, dass ihn das Boxen mehrfach um die ganze Welt geführt hat. Vier Reisepässe hat er mittlerweile mit Stempeln gefüllt, die Grenzübertritte bedeuten. Sein Manager sagt über ihn: „Nabil ist nicht bekannt für seine gute Technik. Er geht mit dem Kopf durch die Wand, hat richtig Schlagkraft und für seine Größe erstaunlich lange Arme. Er wird unterschätzt, weil er älter ist, aber er hat sehr viel Schlagkraft. Er geht wirklich wie ein Panzer nach vorne. Aber in seinem Alter wird er natürlich nichts Großes mehr reißen können.“

Es gibt aber einen Zukunftsplan für Zaky, den Dabschah als Freund bezeichnet: Nach Ende der Boxkarriere soll er bei einer Personenschutzfirma beginnen, die Dabschah auch noch betreibt. Und Zaky ist glücklich, in Deutschland zu sein. Von allen Ländern, die er bisher gesehen hat, gefällt es ihm hier am Besten.

Mitarbeit in Syrien angeboten

Sein Manager dagegen denkt immer schon drei Schritte weiter. Er sagt: „Bei mir baut immer eine Sache auf der anderen auf.“ Inzwischen hat er Kontakte in die Heimat seines Vaters geknüpft, der aus Syrien stammt: „Ich habe Kontakt mit dem Sportminister. Ich will dort das Boxen wieder aufbauen, das unter Assad nicht mehr existierte. Die haben auch keinen Personenschutz und Sicherheitsdienste vor Ort. Da will ich mitarbeiten. Allerdings muss man die Situation dort natürlich genau beobachten. Es gibt noch keine gefestigten Strukturen.“

Zwei Moscheen eröffnet

Neben all diesen Interessen ist Dabschah studierter Theologe, der in Landau und Bad Bergzabern zwei Moscheen eröffnet hat. In Bergzabern predigt er selbst. Geprägt ist er von den Erfahrungen, die er auf seinen vielen Reisen durch die Welt gemacht hat: „Ich habe Theologie studiert, einen Master in Politik gemacht und in Ägypten eine Doktorarbeit über Minderheiten geschrieben. Auf meinen Reisen habe ich viele Menschen und Kulturen kennengelernt. Und ich versuche immer, mit vielen unterschiedlichen Leuten zu kommunizieren. Ich bin meistens zwei Tage für das Boxen da und bleibe danach noch eine Woche und schaue mir das Land an. Was ich gelernt habe: Jede Kultur ist anders, aber dann doch wieder gleich. Wir stammen alle vom gleichen Menschen ab. Der Kern ist derselbe.“

Dass der Islam von vielen in Deutschland kritisch gesehen wird, hat aus Dabschahs Sicht viel mit dem 11. September 2001 zu tun: „Damals hat es angefangen, dass es mehr Vorurteile gab. Es gibt in jeder religiösen Strömung Radikale, Verrückte, Faschisten. Das bedeutet aber nicht, dass die religiöse Gemeinschaft allgemein so ist. Das Problem ist: Die Deutschen kennen den Islam zu wenig. Wenn man etwas nicht kennt, dann hat man Angst davor.“

Diyab Simon Dabschah wird seine Botschaft weiter in die Welt hinaustragen und gleichzeitig daran arbeiten, sein Boximperium zu erweitern. Der Mann hat nämlich immer einen Plan.

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