Fußball
Die Liebe zu „die Klub“
Das erste Tor des Jahres in der Südpfalz schoss Jockgrims Abwehrchef Patrick Lindner beim 10:2 des Landesligisten gegen den TuS Niederkirchen am Freitag. Am nächsten Morgen überzog eine Schneedecke die Region. Es hagelte Testspielabsagen. „Es ging wirklich nicht. Unter der Pulverschneedecke war es glatt und rutschig, die Verletzungsgefahr einfach zu groß“, sagte Kandels Sportdirektor Michael Pahle zur Absage des Testspiels gegen den Oberligisten FK Pirmasens. Während sich Kandels Spieler über ein freies Wochenende freuen durften, bat FKP-Coach Martin Gries zu einer Trainingseinheit in Kaiserslautern. Nach einer einstündigen Laufeinheit ging es in die Soccerhalle.
Risiko Wellbachtal: Vogt bleibt in Landau
Nicht dabei war Außenverteidiger Jonas Vogt aus Landau. Nach Rücksprache mit Gries vermied er das Risiko, durch das kurvige Wellbachtal nach Lautern zu fahren. Der 22-Jährige hat seinen Vertrag gerade verlängert, avancierte nach seiner Zeit als Kapitän der U23 in der Verbandsliga zu einer festen Größe im Oberliga-Kader. Er kam in 13 Partien zum Einsatz.
Vogt kam 2014 als C-Junior zum FKP. Er absolviert ein Fernstudium der Sozialen Arbeit. Mittelfristig will er mit dem FKP in die Regionalliga zurück. In der kommenden Spielzeit könnte er Maximilian Krämer als Gegenspieler haben, Kandels Mittelstürmer kehrt im Sommer zum Oberligisten TuS Mechtersheim zurück. Krämer spricht von der schwersten Entscheidung seines Lebens. In Kandel fühle er sich wohl. „Zudem haben wir mit Reinhard Schenker einen erstklassigen Trainer bekommen. Doch ich habe immer offen kommuniziert, dass ich in die Oberliga zurückwill.“
Höhepunkte und Enttäuschungen
Enttäuscht über die Spielabsage war der leidenschaftliche FKP-Fan Wolfgang Haase, der seit zwölf Jahren in Freckenfeld wohnt. Der 65-Jährige ging schon als kleiner Junge beim FKP auf Torejagd. Später spielte er für die Stadtkonkurrenten TuS und MTV, doch die Liebe zu „die Klub“ ist geblieben. Mit seiner Partnerin Heidi Kober hat er eine Dauerkarte auf der Tribüne, ist jedes Heimspiel und häufig auch auswärts dabei. Häufig sind sie bei Spielen in Kandel, in Freckenfeld oder beim FSV Steinweiler. Dort agiert Sohn Manuel als Mittelstürmer.
Haase hat alle Höhen und Tiefen erlebt und dem FKP auch schon manche Enttäuschung verziehen. Er war natürlich auch in der historischen Saison 1974/75 dabei. Der Horeb war eine Festung, die Blau-Weißen verloren keines der 19 Heimspiele. Die Elf von Trainer Bernd Hoss wurde am Ende Zweiter. Haase hat noch die Zeitung mit der Schlagzeile „Hoss, lass den Tornado raus!“
Fans nur noch an der Seite und oft im Regen
Vom Auftritt beim ersten Aufstiegsrelegationsspiel, es endete 4:4 gegen Bayer Uerdingen, war Haase begeistert. Sein großes Idol Dieter „Steps“ Weinkauff schnürte einen Doppelpack. Er war auch beim 0:6 im Rückspiel in der ausverkauften Grotenburg-Kampfbahn dabei. „Das hatte einen faden Beigeschmack. Ich glaube heute noch, die Jungs durften nicht aufsteigen, weil kein Geld da war.“ Der FKP war verschuldet und musste deshalb kurz zuvor das Stadion an die Stadt verkaufen.
Haases Highlight war der 9. September 2006, der FKP besiegte im DFB-Pokal den SV Werder Bremen mit Diego und Miroslav Klose mit 5:3 nach Elfmeterschießen. Der sonst zurückhaltende Edelfan wird heute noch emotional: „Es war unglaublich, als der Carvalho das letzte Ding reingehauen hat.“ Doch die großen Pokalspiele wie später gegen Bayer Leverkusen 2011 verärgerten ihn sehr. Die treuen Fans mussten ihre Stammplätze räumen und saßen dann an der Seite und häufig im Regen. Auf ihren angestammten Plätzen auf der Haupttribüne saßen andere.
Warum hat sich der Verein zu einer Fahrstuhlmannschaft zwischen Ober- und Regionalliga entwickelt? „In der Regionalliga haben wir immer den kleinsten Etat, andere Vereine trainieren unter Vollprofibedingungen. Auch aktuell bräuchten wir dringend einen Stürmer, aber wir können keine große Namen verpflichten“, sagt Haase. Er verspricht: „So lange ich fit bin, werde ich zu jedem Heimspiel die 70 Kilometer einfache Wegstrecke auf mich nehmen.“