Fussball
Der FCK im Fußballtalk in Frankweiler in der Verlängerung
Einen kurzweiligen Abend erlebten 70 Gäste bei „Anstoß – Der Fußballtalk“ von Niko Uhrich. Die Diskussionsrunde war eine von vielen Veranstaltungen über das Jahr, die der TuS Frankweiler zum 100-jährigen Vereinsbestehen organisiert.
„Zweimal 45 Minuten plus Verlängerung. Den FCK schieben wir nach hinten – das könnte ja länger werden“, sagte Niko Uhrich gleich zu Beginn dem Publikum. Dass dies der richtige Ansatz sein sollte, machte sich in den Gesprächen untereinander bemerkbar. Der Trainerwechsel im 1. FC Kaiserslautern von Dimitrios Grammozis zu Friedhelm Funkel war das bestimmende Thema. Uhrich stellte ein den Gästen angepasstes Themenfeld zusammen.
Retortenvereine
Bereits im ersten Thema Retortenvereine hatte Andreas Ibertsberger viel zu erzählen: Er wechselte 2008 von Freiburg nach Hoffenheim, als die TSG sich mit Mäzen Dietmar Hopp in die Bundesliga aufmachte. „Anders als bei Red Bull ging es bei ihm nie um das Marketing, sondern darum, dass sich alles mal von alleine tragen wird. Von daher werden ihm die Anfeindungen nicht in Gänze gerecht“, so der Österreicher. Trotzdem könne er andere Stimmen verstehen, die diesem Vorgehen kritisch gegenüberstünden. Als Fußballer selbst habe man diese Gedanken nicht: „Letztendlich ist man froh, dass mich jemand will und man einen sicheren Job hat.“ Daniel Günther, Sportreporter im SWR und seit drei Jahrzehnten im Geschäft, bezeichnet sich zwar als Fußballromantiker, lässt aber kein gutes Haar an Traditionsvereinen: „Wenn diese in der Zweiten oder Dritten Liga spielen, liegt es an ihnen selbst und nicht an den Retortenvereinen.“ Er widerspricht sich mehrfach: Einerseits finde er die englische Premier League „geil“, weil dort die besten Spieler aktiv seien. Dass dies aus Gehältern resultiert, die ihn „erschaudern“ lassen, lässt er unerwähnt.
Fanproteste
Es dauerte nicht lange, bis die aktuellen Fanproteste in die Diskussion miteinbezogen wurden. Auch mit dem zweiten großen Thema, die Reformierung der Champions League, gibt es viele Überschneidungen. Niko Uhrich überließ seinen Gästen viel Redezeit, verstand es jedoch vorzüglich, die Diskussion wieder in geordnete Bahnen zu lenken, wenn zu viele Argumente zu unterschiedlichen Themen in einen Topf geworfen wurden. Einig waren sich alle, als der Bellheimer Helmut Behr, ehemaliger Zweitligaspieler des Karlsruher SC, den Fußball und vor allem die Champions League als Gelddruckmaschine bezeichnete: „Wenn der Fußball nicht aufpasst, verliert er das Interesse der jungen Leute. Millionen hier, Fernsehverträge da. Es macht doch keinen Spaß mehr.“ Aufgrund der Zerstückelung nationaler und internationaler Wettbewerbe müsse der Dorfverein „ja nachts um eins spielen“, um eine gewisse Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Karlsruherin Tanja Rastetter, ehemalige Nationalspielerin, stimmte ein: „Man wird ja überflutet. Mein Leben hält noch andere Sachen bereit, als jeden Tag Fußball zu schauen.“
Frauenfußball
Den Frauenfußball sehen Behr und Rastetter in einem „kritischen Zustand“: „Nach dem zweiten Platz bei der EM wurde von Boom gesprochen. Ich bin jetzt 23 Jahre im Frauenfußball. Ganz ehrlich: Ich habe keinen Boom gesehen, alles wurde viel zu sehr gehyped. Es tut mir leid, dass ich es so sagen muss, aber der Frauenfußball in Deutschland hat derzeit lediglich Alibistatus.“ Rastetter bemängelt die fehlende Entwicklung in den vergangenen Jahren: „Da muss ich Helmut zu 100 Prozent zustimmen. Wir waren eine Macht und wurden von Ländern überholt, die wir früher belächelten. Das Schlimme: Wir haben es noch nicht mal gemerkt.“
Der FCK
Von vielen sehnsüchtig erwartet, kam der FCK zur Sprache. Einig waren sich alle, dass der Trainerwechsel zu Friedhelm Funkel richtig war. Helmut Behr sah Dimitrios Grammozis schon verbrannt, bevor der überhaupt angefangen hatte. Und beglückwünschte den FCK zu seinem Nachfolger, der das jetzt Notwendige verkörpere: „Es braucht jetzt die absoluten Basics und keine abkippenden Sechser oder diametrale Achter.“ Er zog Parallelen zum Hamburger SV, wo die ihm bekannten Tim Walter und der Südpfälzer Julian Hübner kurz zuvor entlassen wurden. Man habe bei beiden Vereinen das Gefühl, es redeten Leute rein, die keine Ahnung hätten. Was jetzt, zumindest in Kaiserslautern, ein Ende haben sollte: „Wenn dem Funkel einer in die Aufstellung reinreden will ... Der muss wohl schauen, dass er Land gewinnt!“