mein schönstes spiel RHEINPFALZ Plus Artikel Christian Burkhart und die Fußball-WM 2006 in Kaiserslautern

Das Polizeiaufgebot vor dem Fritz-Walter-Stadion bei einem WM-Spiel 2006.
Das Polizeiaufgebot vor dem Fritz-Walter-Stadion bei einem WM-Spiel 2006.

Mit Fußball verbindet Christian Burkhart vor allem das „Sommermärchen“. Er und Kollegen waren bei der WM 2006 in Kaiserslautern im Einsatz. Dabei lief ihm Diego Maradona über den Weg. Was ihn eher desillusionierte. Den Polizeidienst hat Burkhart nach der Wahl zum Verbandsbürgermeister von Annweiler quittiert.

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wird immer mit dem Begriff „Sommermärchen“ verbunden sein. Auch bei Christian Burkhart, Verbandsbürgermeister von Annweiler. Er erlebte WM-Spiele vor Ort in Kaiserslautern. In seiner Funktion als Bereitschaftspolizist. Dabei kam er einen der größten Weltstars, die der Fußball je gesehen hat, sehr nahe.

Burkhart war auf viele Szenarien vorbereitet. Er genoss interkulturelle Weiterbildungen, hatte aber auch die Bilder der Krawalle von 1998 in Frankreich im Hinterkopf. Den Ablauf kannte er von Einsätzen bei Spielen des 1. FC Kaiserslautern. Doch was er im Sommer 2006 als 23-Jähriger erlebte, das war unvergleichlich.

Gute Sicht vom Logenturm

„Es war ein andauerndes, friedliches Fest“, erinnert sich der heute 38-Jährige. Er war mit seinen Kollegen bei den fünf Spielen in Kaiserslautern im Bereich der Nordtribüne, am Nordost-Eingang des Fritz-Walter-Stadions, eingesetzt. Seine Aufgabe war es, Präsenz zu zeigen, im Notfall aber einzuschreiten. Anders als bei Spielen des FCK: Die Fifa bestand darauf, keine Polizei sichtbar im Stadion zu haben. Da der heutige Logenturm damals noch nicht fertiggestellt und für Fans nicht zugänglich war, „verzogen“ sich die Beamten während des Spiels dorthin und hatten so beste Sicht auf das Geschehen.

Als Zivilist mitgefeiert

Burkhart erlebte, wie Australien im ersten WM-Spiel in der Lauterer Arena einen 0:1-Rückstand gegen Japan drehte und 3:1 gewann: „Die Stimmung war da schon der Wahnsinn. Die Fans haben im übertragenen Sinne ein Feuerwerk auf den Rängen abgefackelt.“ Und in der Stadt wurde danach weitergefeiert. Mittendrin war Burkhart mit seinen Kollegen – allerdings als Zivilist: „Nach dem Spiel ging es für uns in die Kaserne nach Enkenbach-Alsenborn zurück, dort zogen wir uns um und fuhren wieder in die Stadt, tanzten mit den Australiern auf den Tischen der Fanmeile. Die haben den Sieg wirklich zelebriert.“

Und überhaupt: Während dieser Weltmeisterschaft sei in der ganzen Stadt die Stimmung ganz besonders gewesen. Nicht nur weil hierbei quasi das Public Viewing erfunden wurde. In Erinnerung geblieben sind Burkhart auch die „bunten“ und mit Trommeln bestückten Fans aus Trinidad und Tobago, deren Elf Paraguay mit 0:2 unterlegen war. Erstaunlich sei ohnehin gewesen, dass so viele Fans aus den weit entfernten Ländern angereist seien: „Am Stadion hatte man genauso viele Italiener wie beispielsweise auch Japaner.“

Gefangenensammelstellen leer

Oft standen die Beamten Model für Fotos mit den Fans. Die Verständigung klappte „mit Schulenglisch“ hervorragend, die Vorbereitungskurse der Polizei stellten sich irgendwie als überflüssig heraus. „Am Ende des Tages waren die Fans alle gleich, kamen auf uns zu, zogen uns in die Feiern quasi mit hinein“, erzählt Burkhart. Weitere angenehme Seiten dieses Einsatzes: „Wir wurden exzellent versorgt, was nicht bei jedem Polizeieinsatz so war. Hier hat man sich echt ins Zeug gelegt.“ Dass die in Enkenbach-Alsenborn eingerichteten Gefangenensammelstellen für randalierende Fans niemals genutzt wurden, unterstreicht die Erinnerung an ein fröhliches Fußballfest im Jahr 2006.

Maradonas Aura

Und dann kam es vor dem letzten Spiel, das in der Barbarossastadt ausgetragen wurde, zu der Begegnung überhaupt. Italien gewann sein Achtelfinale mit 1:0 gegen Australien. Einer der Beobachter im Stadion war Diego Armando Maradona, die Hand Gottes, der vielleicht beste Fußballer, den die Welt je gesehen hat. Und vor dem Anpfiff lief eben jener Star Burkhart über den Weg: „Er war ganz leger unterwegs, hatte auch keinen großen Tross um sich herum, aber dennoch spürte ich eine besondere Aura, auch weil sich alle Blicke sofort auf ihn richteten“, erzählt Burkhart. Er war zugleich etwas desillusioniert: „Körperlich war Maradona da nicht mehr in Bestform. Man sah halt, dass auch er nur ein Mensch wie jeder andere ist, wenn er nicht in Form ist.“ Auch wenn es nicht zu einem Dialog mit dem inzwischen gestorbenen Weltstar gekommen ist, für Burkhart bleibt dieser Moment wohl unvergesslich.

Schöne Zeiten im Garten

Er ist nach seiner Wahl zum Verbandsbürgermeister am 1. Januar 2018 aus dem Polizeidienst ausgeschieden. Burkhart lebt mit seiner Frau und zwei Kindern im Alter von elf und drei Jahren in Waldhambach. Er genießt vor allem die Zeit mit der Familie im großzügigen Garten, unternimmt aber auch gerne Ausflüge und besucht Feste, sofern es die Coronalage zulässt.

Selbst spielte der in Bruchweiler-Bärenbach aufgewachsene Burkhart Fußball nur in der Jugend, in Erfweiler, Bundenthal und Fischbach. Wenn er heute Sport treiben will, dann läuft er durch den Pfälzerwald oder klettert an den Buntsandsteinfelsen seiner Heimat.

Die Serie

In der Reihe stellen wir Bürgermeisterinnen und Bürgermeister vor, die uns von ihrem schönsten Sporterlebnis erzählen. Als Teilnehmer oder als Zuschauer.

 Christian Burkhart und ein Kollege in einem Einsatzfahrzeug.
Christian Burkhart und ein Kollege in einem Einsatzfahrzeug.
Burkhart fast 13 Jahre später als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Annweiler.
Burkhart fast 13 Jahre später als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Annweiler.
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