Fußball
Bitteres Ende für die Viktoria in Herxheim
Wie hat Mechtersheim gespielt? Das Ergebnis, 3:0, drang durch. Trotz ihres 3:1(1:1)-Heimerfolgs gegen den FC Arminia Ludwigshafen steigt die Viktoria Herxheim nach einem Jahr Zugehörigkeit wieder aus der Fußball-Oberliga ab. Keine Wut, nur gedrückte Stimmung unter den 303 Zuschauern, die in der 62. Minute das 2:1 bejubelten. In einer Phase mit großen Räumen im Mittelfeld, die Mannschaften hatten mit der Hitze zu kämpfen, liefen drei Herxheimer einen Konter. Der Ball kam durch zu Marcel Meinzer, der seinen zweiten Treffer erzielte. Die Mannschaft bekam am Ende doch noch einen aufmunternden Applaus.
Viele haben es in den erfolglosen vergangenen Wochen geahnt, keiner hatte den Mut, es auszusprechen. Dass der Kampf um den Klassenverbleib bei Punktgleichheit mit dem TuS Mechtersheim und SV Auersmacher wegen der schlechtesten Tordifferenz verloren ging, ist bitter.
Zweimal Dusel
So wie am Samstag hätte man sich die Viktoria öfter gewünscht. Sie spielte beherzt auf, die Mannschaft investierte viel, die Abwehr mit Sebastian Trapp, Alexander Schultz, Kapitän Raphael Gehrlein und Tristan Trauth verteidigte viel weg. Beinahe hätte der scheidende Torhüter Björn Herzig in der 32. Minute das 0:1 verschuldet, sein Pass landete im Strafraum bei Armina-Kapitän Nico Pantano, dem auffälligsten Akteur der Gäste, der den Ball übers Tor schoss. Was für ein Dusel! Das 0:1 fiel in der 41. Minute. Noah Nikita nahm im Strafraum einen Lupfer auf und hielt frei vor Herzig voll drauf.
Im Gegenzug der Ausgleich. Lennart Liebel wurde im Strafraum gefoult, Cokapitän Marcel Meinzer trat an und verwandelte in die Mitte (42.). Danach hatte Herxheim wieder Glück: Giuliano Cultrera dribbelte sich an der Grundlinie durch, passte zu Noah Meier kurz vor dem Tor, der das Kunststück fertigbrachte, den Ball übers Tor zu heben.
Neun Minuten in Unterzahl
Nach dem schönsten Spielzug der Partie sorgte Meinzer (62.) für die Wende. Der in der 64. Minute für Liebel eingewechselte Robert Cenusa erhöhte in der 79. Minute auf 3:1. Wieder ein Konter, Cenusa ging auf der halb linken Seite noch ein paar Schritte mit dem Ball und zirkelte ihn überlegt hoch ins lange Eck. Er hätte noch einen Treffer landen müssen. Handelfmeter in der 89. Minute. Den nicht scharf geschossenen Ball parierte Arminia-Torhüter Kevin Urban.
In den letzten neun Minuten war Herxheim in Unterzahl: Rangelei nach einer Ecke im Herxheimer Strafraum, der Schiedsrichter verteilte Gelbe Karten, was auch Meinzer traf. Er hatte wenige Minuten vorher schon Gelb bekommen.
Trainer Schmitt: „Extrem hart“
„Wir wollten alles auf den Platz bringen für einen versöhnlichen Abschluss, das haben wir getan“, sagte Herxheims Trainer Ralf Schmitt. „Es ist extrem hart. Wir haben in den vergangenen Wochen einige Chancen liegengelassen. So knapp. Ein Großteil der Jungs hat das nicht verdient. Wir haben es mit unseren Möglichkeiten ordentlich gemacht.“ Im Mannschaftskreis sagte Schmitt, „ich muss mich auf jeden Fall bei jedem Einzelnen bedanken. Wir haben alles probiert.“ Danach wurde er emotional und laut: „Wir machen weiter. das schweißt uns zusammen. Wir ziehen die richtigen Schlüsse im Verein, dann greifen wir neu an.“ Wieso er auch für den Fall Verbandsliga verlängert hat? „Ich hatte damals auch für die Verbandsliga zugesagt. Ich wusste gar nicht, dass es in die Oberliga geht.“
Präsident Maier: „Mit Gottes Wille“ aufgestiegen
Herxheims Präsident Markus Maier auf die Frage, ob die Viktoria versuchen wird, gleich wieder aufzusteigen: „Versuchen? Wir sind ,mit Gottes Wille' aufgestiegen. Das nimmt man mit.“ Es sei eine Erfahrung gewesen. „Wir haben auch in der Rückrunde Spiele gehabt, die wir positiver hätten bestreiten können. Da waren einfache Spiele. Sechs Punkte mehr, und wir müssten nicht darüber nachdenken.“ Er sehe schon das Potenzial, Oberliga spielen zu können. Maier zum Zuschauerschnitt: „Wir haben einen guten Zuschauerschnitt.“ Regelmäßig 200 bis 300. Rolf Wetzka, Vorstand Marketing: „In der Winterpause lagen wir auf dem vierten, fünften Platz“ bei den Zuschauern.
Marcel Meinzer: „Es schmerzt sehr“
Marcel Meinzer (26), der von 2018 bis 2022 mit einem Fußball-Stipendium in den USA studierte und spielte und am Samstag noch einmal alles gab, war die große Enttäuschung anzusehen: „Eine lange Runde mit Höhen und Tiefen. Es schmerzt sehr, wenn man mit dem Verein, für den man jeden Tag alles gibt, so absteigen muss.“
Kapitän Gehrlein: „Die Tabelle lügt nicht“
Kapitän Raphael Gehrlein (28), der einige Monate verletzt pausierte: „Die Trauer überwiegt. Wir holen 23 Punkte in der Hinrunde, haben da auch Spielglück, in der Rückrunde nicht mehr. Die Tabelle lügt nicht. Diese Erfahrung kriegt nicht jeder. Es hat unheimlich Spaß gemacht“ in der Oberliga. Drei Wochen, dann gehe die Vorbereitung wieder los.
Wer geht?
Im Magazin zum Spieltag veröffentlichte der Verein mit blumigen Worten, wer von den Spielern wechselt: Torhüter Björn Herzig macht das, was er im Winter schon wollte: nach Kandel wechseln. Er sei einfach geblieben, als die Viktoria keinen Ersatz fand. Elias Burkert verändere sich beruflich. David Lauer, der eine Verletzung nach der anderen erlitten habe, wolle bei seinem Heimverein TSG Jockgrim wieder Fuß fassen. Sandro Wetzka, der sich im Verein hochgekämpft habe, in der Runde aber kaum mehr berücksichtigt worden sei, schließe sich dem TSV Fortuna Billighem-Ingenheim an. Daniel Kopf habe sich bereits im Winter für den SV Büchelberg entschieden. Samuel Wolf, unzufrieden, ließ sich vom FV Dudenhofen verpflichten. Arianit Uka habe sich gegen eine weitere Saison in Herxheim entschieden und wechsele auch zum FC Bienwald Kandel.