Landau
Landauer Taubenhilfe plant Taubenschläge in der Stadt
Eine private Initiative kümmert sich in Landau um Tauben, die verletzt sind beziehungsweise in der Natur nicht überlebensfähig wären. Nicht alle Bürger sind auf die Vögel gut zu sprechen. Manche empfinden sie als lästig. Nun basteln die Mitglieder an einer Lösung für Taubenfreunde und Taubenhasser.
Es ist nicht lange her, da hatten zwei Frauen eine geschwächte rieftaube im Südwestpark in Landau entdeckt. Der Fund des Vogels in Not rief Christine Simon auf den Plan. Zusammen mit fünf weiteren Tierfreunden ist sie in einer privaten Taubenhilfe engagiert, die vor zwei Jahren in Landau ins Leben gerufen worden ist. „Damals häuften sich die Nachfragen von Menschen, die verletzte Vögel fanden und nicht wussten, wohin mit ihnen“, erklärt Simon. Versorgten sie mit Mitstreitern anfangs auch andere Kleinvögel wie Spatzen, spezialisierten sie sich relativ schnell auf Tauben.
Simon und ihre Mitstreiter kümmern sich um Tauben, die wegen ihrer Verletzungen auf menschliche Hilfe angewiesen sind. „Wir sorgen uns auch um Jungvögel, die zwar unversehrt sind und fliegen können, ihre Eltern jedoch verloren haben beziehungsweise von ihnen abgestoßen wurden. Alleine wären sie nicht mehr überlebensfähig“, erklärt Simon. Warum sie das tun? Zum einen aus Tierliebe. „Zum anderen gibt es sonst keine Anlaufstelle für verletzte Tauben“, sagt Simon. Die Tierheime könnten sie meist aus Kapazitätsgründen nicht annehmen, erklärt Simon, die sich im Jugendalter bei der Tierrettung engagierte und einige Jahre später ihr Interesse für Tauben entdeckte.
Vierter Vogelkäfig frisch fertiggestellt
Rund 40 Tauben hat die Initiative derzeit in ihrer Obhut. Auf ihrer Homepage stellt sie einzelne Vögel vor, darunter das Pärchen Arabelle und Täubi sowie Captain Hook. Sie versorgt sie täglich mit Futter und Wasser. An Wochenende werden die Vögel gesäubert. Das übernimmt Christine Simon. Untergebracht sind die Tauben in Volieren, die jeweils so groß sind wie ein Gartenhäuschen. Drei Vogelkäfige hat die Initiative auf privaten Grundstücken in Landau errichtet, vor Kurzem wurde eine vierte Unterkunft fertiggestellt. Die Standorte halten sie geheim, aus Angst, dass Taubenhasser sie zerstören könnten.
An der Taube scheiden sich oftmals die Geister. Für die einen ist der Vogel ein willkommener Gast auf dem Balkon, der durch reichliches Füttern angelockt wird. Mitstreiter Frank Krämer hebt dabei hervor, wie intelligent Tauben seien. „Sie können sich im Spiegel erkennen, was als höhere Bewusstseinsleistung gilt.“ Den anderen Menschen sind die Taubenschwärme in der Nachbarschaft hingegen ein Graus. Sie fürchten den Kot der Tiere und haben Angst vor Ungeziefer und Krankheiten, die sie übertragen könnten.
Win-win-Situation für Mensch und Tier
Um ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen, plant die Initiative, mehrere Taubenschläge in der Stadt zu errichten. Ähnlich wie in anderen Städten, beispielsweise in Rastatt und Tübingen, möchte die Initiative auf diese Weise die Taubenpopulation im Blick halten. In den Taubenschlägen sollen die Vögel brüten, Futter und Wasser vorfinden und die Familienplanung angehen. Die „Heimleiter“ achten darauf, dass die Bestände stabil bleiben, indem sie die frisch gelegten Eier durch Attrappen, beispielsweise aus Gips, ersetzen. Diese Methode wird als „Augsburger Modell“ bezeichnet. In der Fuggerstadt wird sie seit über 20 Jahren praktiziert. „Es wäre eine Win-win-Situation“, ist Krämer überzeugt. Die Tauben würden artgerechte Nahrung bekommen und wären nicht mehr darauf aus, auf öffentlichen Plätzen nach Futter zu suchen. Und die Taubenfeinde wären die ungeliebten Vögel los.
Wie groß die Taubenpopulation derzeit in Landau ist, darüber hat die Initiative keinen Überblick. „Vielleicht kann da die Uni Landau mit einbezogen werden, das zu eruieren“, sagt Frank Krämer. Klar ist, dass sich die Tauben relativ schnell vermehren. Das erklärt Harald Hoos, der sich von Beginn an in der Initiative engagiert. „In einer Voliere mit etwa 25 Tauben habe ich innerhalb von fünf Tagen elf Eier entdeckt.“
Um das Projekt realisieren zu können, soll zunächst auf die Stadtverwaltung zugegangen werden. Schließlich müssten die Taubenschläge auf städtischen Grundstücken stehen, beispielsweise am Bahnhof sowie an der Horstbrücke. Diese beiden Standorte schweben der Initiative bereits vor. Des Weiteren wären Simon und ihre Mitstreiter auf Unterstützung aus der Bevölkerung angewiesen. „Da bräuchten wir einige Ehrenamtliche, die helfen, die Vögel zu versorgen“, sagt Simon. Sollte die Initiative Zulauf erhalten, wäre es denkbar, sich in einem Verein zu organisieren.
Info
Die Landauer Taubeninitiative ist beim Sommerfest des Tierheims am Sonntag, 4. August, 11 bis 16 Uhr, mit einem Stand vertreten. Wer die Mitglieder kontaktieren möchte, meldet sich telefonisch unter der Nummer 0152 54069080. Infos gibt es auch online unter www.taubenhilfe-landau.de