Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Landau: EWL-Verwaltungsrat will Abfallgebühr senken

10.000 Tonnen Altholz werden im Jahr zum Wertstoffhof in Mörlheim gebracht.
10.000 Tonnen Altholz werden im Jahr zum Wertstoffhof in Mörlheim gebracht. Foto: Iversen

Das hat sich die Vorstandsspitze des Entsorgungs- und Wirtschaftsbetriebes Landau (EWL) um den Vorsitzenden Maximilian Ingenthron doch etwas anders vorgestellt: Bei der Verwaltungsratssitzung am Mittwoch blies ihnen der Wind ins Gesicht.

Stein des Anstoßes für die große Mehrheit im EWL-Verwaltungsrat ist die Pauschale für Abfallgemisch bis 200 Kilogramm. Sie beträgt zurzeit 49 Euro. Zu teuer, findet der Verwaltungsrat. Bis Ende Mai, als die neue Gebührenordnung in Kraft trat, waren es 27 Euro. Und wenn Bernhard Eck, Vorstandsvorsitzender des EWL, nicht rasch nach Inkrafttreten im Alleingang auf die Bremse getreten hätte, wäre eine Ladung haushaltsüblichen Abfallgemischs noch immer teurer. Unter dieser versteht man eine Anlieferung von Altholz, Bauschutt und sonstigem. Nach der neuen Gebührensatzung wurde zunächst jede Art von Abfall einzeln ausgewogen und nach der jeweils geltenden Materialpauschale berechnet. Das hieß dreimal auf die Waage, drei Festpreise, unterm Strich eben bis zu 130 Euro. Das sorgte für großen Unmut bei den Bürgern, wie der Betriebsleiter des Wertstoffhofes, Dennis Schober, der Runde berichtete: „Was da abgegangen ist, was wir uns für Wörter anhören mussten, mehrfach am Tag.“

Eck reagierte und setzte eine Einheitspauschale von 49 Euro für alle Materialien an. Seither sei es wieder ruhig, so Schober. Doch im Verwaltungsrat war das Gegenteil der Fall. Durch die Bank weg sorgte sich die Runde, dass bei 49 Euro die Bürger lieber ihren Unrat in der Landschaft und an bestimmten Ecken der Stadt und den Dörfern illegal entsorgten. „Das spüren wir schon jetzt“, meinte Jürgen Doll. Bernhard Lelle pflichtete ihm bei: Bei dem Preis würde sich schon manch einer überlegen, seinen Abfall in der Flur abzulagern. Er habe vor ein paar Tagen einen einzigen Betonbegrenzungsstein zum Wertstoffhof gebracht und sollte auch 49 Euro zahlen: „Ich habe Nein gesagt und bin zur Konkurrenz gefahren.“

Eck und Schober versuchten, die Sorge um mehr wilde Deponien zu entkräften: „Was Sie glauben, stimmt nicht.“ Eine Untersuchung des Umweltamtes habe ergeben, dass es nicht mehr Ablagerungen in der Landschaft gebe als vorher. Das wiederum ließen die Kritiker im Rat nicht gelten.

Die Handhabung sollte laxer ausgelegt werden, lautete ein Vorschlag aus der Runde. So sollte ein Eimer Bauschutt oder ein paar Bretter Altholz kostenfrei anzuliefern sein. Auch wurde eingeworfen, Kleinmengen bis 200 Kilo nach Gewicht preislich zu staffeln.

Verwaltungsratsvorsitzender Ingenthron versuchte die Kritiker zu beruhigen: Die 49 Euro seien ja nicht fix. Der EWL befinde sich in einer Findungsphase, die Ideen und Vorschläge würden auf Praktikabilität geprüft. Eck gab zu bedenken, dass, wenn die Gebühr gesenkt werden sollte, das Geld ja woanders herkommen müsse. „Aber Sie sind der Verwaltungsrat, Sie entscheiden. Wir haben kein Problem damit.“ Des Weiteren zeigte Eck die Konsequenz auf: „Wenn Sie die 49 Euro nicht wollen, muss ich morgen den Bauhof anweisen, wieder bis zu 130 Euro zu verlangen.“ Ingenthron schlug vor, es vorerst bei 49 Euro zu belassen, um bei den Bürgern nicht für noch mehr Verwirrung zu sorgen – bis in einigen Wochen ein neues Rechenmodell vorliegt. Der Rat billigte diesen Vorschlag einstimmig.

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