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Samstag, 20. Oktober 2018 Drucken

Kreis Germersheim

Germersheim: Hebammen dringend gesucht

Von Nicole Tauer

(Foto: rtr)

Mindestens sechs Hebammen sind notwendig, damit der Betrieb der Geburtsstation in der Germersheimer Asklepios-Klinik auch nach dem 1. Januar 2019 weitergeführt werden kann. Nachdem Ende September das bisherige Hebammen-Team überraschend gekündigt hat, sucht das Krankenhaus nach neuem Personal.

Der Paukenschlag kam Ende September: Alle elf Hebammen der Geburtsstation der Germersheimer Asklepios-Klinik haben zum 1. Januar 2019 ihre Kündigung eingereicht (wir berichteten). Sie begründeten den drastischen Schritt damit, sich künftig in einer eigenen Praxis um junge Familien kümmern zu wollen. Geburten können sie zunächst nicht anbieten. Damit jedoch weiter Kinder in der Klinik auf die Welt kommen können, müssen auf der Geburtsstation wieder Hebammen arbeiten. Dank ihrer anthroposophischen Ausrichtung gilt diese Station als Aushängeschild der Klinik, 2017 wurden dort über 800 Kinder geboren.

"Wir müssen in vier Wochen Klarheit haben"

„Ich telefoniere sehr viel und lasse nichts unversucht“, sagte der Geschäftsführer der Asklepios-Südpfalz-Kliniken, Frank Lambert, im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Der Arbeitsmarkt sei jedoch so angespannt, dass auch innerhalb des Asklepios-Konzerns mit bundesweit 150 Gesundheitseinrichtungen nicht einfach Fachkräfte nach Germersheim versetzt werden können.

Lambert spricht Klartext: „Wir müssen in vier Wochen Klarheit haben, was am 1. Januar 2019 ist.“ Um den Betrieb an sieben Tagen in der Woche für 24 Stunden aufrecht zu erhalten, seien fünf bis sechs Hebammen notwendig. Ansonsten müsste die Station zeitweise geschlossen werden. Wenn derzeit Frauen mit Geburtstermin Mitte Januar 2019 in Germersheim anfragen, bekommen sie zur Antwort: „Gerne bei uns, aber wir befinden uns in einer Umbruchsituation.“ Mitte oder Ende November sollen sie Rückmeldung bekommen, ob die Station wieder besetzt ist.

Derzeit wird ausgewertet, aus welchem Umkreis die werdenden Mütter nach Germersheim kommen. Zirka 400 Frauen aus der näheren Region, schätzt Lambert, die anderen etwa 400 reisen sogar aus dem Schwarzwald und dem Odenwald an. Der Geschäftsführer kennt die Geburtsstation und die Hebammen auch aus der Sicht des jungen Vaters. „Wenn der Wunsch so groß ist, ambulant zu arbeiten, dann ist das so“, sagt Lambert. Er würde sich nur wünschen, dass sich das bisherige Team vielleicht auf einen Übergangszeitraum einlässt.

Festanstellung für neue Hebammen möglich

Bisher seien die Hebammen, seines Wissens auf deren Wunsch, freiberuflich tätig gewesen. Er kann sich eine Festanstellung der neuen Hebammen vorstellen. „Ich bin für alle Lösungen offen“, sagt Lambert. „Wir müssen uns jetzt die Vorstellungen und Ideen der Menschen anhören und sehen, wieweit wir das umsetzen können.“

Auf der Station arbeiten noch 14 weitere Kräfte, darunter Kinderkrankenschwestern und pflegerisches Personal. Sie werden stets über den aktuellen Stand informiert, sagt Lambert. Die Geburtshilfe sei auch im Krankenhausplan verankert. Dabei gehe es nicht nur um die Wirtschaftszahlen, versichert der Geschäftsführer: „Ohne die Geburten würde das Haus wirtschaftlich nicht ins Wanken geraten.“ Die Station sei vielmehr mit ihrer anthroposophischen Ausrichtung eine Art Leuchtturm.

Mit den umliegenden Kliniken – Landau, Speyer, Karlsruhe – will man sich über mögliche Kooperationen verständigen. Das Vinzentius-Krankenhauses Landau hat gestern eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der Geschäftsführerin Ilona Fleischer-Klisch die Situation in Germersheim mit den Worten „Wir stehen bereit“ kommentiert. Man erwarte, dass nun Frauen statt nach Germersheim nach Landau gehen.

Land signalisiert Hilfe

Bei einem Gespräch mit Lambert und einem Vertreter des Gesundheitsministeriums hat sich die Landtagsabgeordnete Katrin Rehak-Nitsche (SPD) ein Bild von der Lage gemacht und Unterstützung vom Land signalisiert. „Die Verantwortung für den Erhalt und die Erfüllung des Versorgungsauftrags liegt jedoch klar bei der Klinik“, betont sie.

Auch mit den elf Hebammen hat Rehak-Nitsche gesprochen. Ihr Eindruck: „Die Hebammen haben eine klare Entscheidung getroffen“, diese sei zu respektieren. „Sie möchten irgendwann auch wieder Geburten durchführen.“ Dazu führen die Hebammen derzeit Gespräche. „Ihr Traum ist ein Geburtshaus oder ein Hebammen-geleiteter Kreißsaal“, berichtet die Landtagsabgeordnete.

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