Kreis Südwestpfalz „Wo S-Bahn hinfährt, blüht Tourismus“

2011 brachte der Mainzer Landtag die Zweibrücker Bahn-Reaktivierung auf den Weg – als Ausweitung des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar (VRN). Zwei Jahre dauerte dann die Vorplanung durch Rheinland-Pfalz und das Saarland, durch das zwei Drittel der Trasse verlaufen. Beide Länder gaben eine Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) in Auftrag: Diese zeigt, dass sich jeder Euro, der in das Vorhaben investiert wird, mit 1,24 Euro amortisiert. Laut Werner Schreiner soll die Deutsche Bahn jetzt bis zur Sommerpause einen Vertragsentwurf für den Einstieg in die „vertiefende Planung“ vorlegen: „Dann wissen wir, wie die Bahn die Kosten einschätzt.“ Auf einer Sitzung des Zweckverbands Rhein-Neckar am 25. Juni müssten die am Verband beteiligten Kommunen „zustimmen, sich an den Kosten zu beteiligen.“ Was dann folge, sei das Planfeststellungsverfahren. Die S-Bahn-Züge sollen behindertengerecht sein und ebenerdige Einstiege haben. In Zweibrücken müsste ein Bahnsteig angepasst und Gleis 2 elektrifiziert werden. Rheinland-Pfalz ist dazu bereit, die Hälfte des saarländischen Anteils an den Investitionskosten zu übernehmen. Zu klären ist noch die Frage der jährlichen Betriebskosten von 1,5 Millionen Euro. Könnte das Vorhaben am Streit um die Regionalisierungsmittel scheitern? Laut Astrid Klug wird entscheidend sein, dass der Bund genug Regionalisierungsmittel zahlt: Gelder, die er den Ländern für deren Sicherstellung des Schienennahverkehrs überlässt. Die Länder fordern 8,5 Milliarden Euro pro Jahr. Dies droht laut Klug und Schreiner daran zu scheitern, dass Finanzminister Wolfgang Schäuble die bislang zweckgebundenen Nahverkehrs-Zuwendungen in größere Geldtöpfe mit hineinstecken wolle: Dann bekäme jedes Bundesland einen Global-Geldbetrag für die unterschiedlichsten Aufgaben. Die Landes-Verkehrsminister befürchten, dass diese Geldtöpfe dann vor allem für Straßen, Bau, Bildung und andere Bereiche aufgebraucht werden und für die Schiene zu wenig übrigbleibt. Astrid Klug: „Weil wir im Saarland nicht wissen, in welcher Form die Regionalisierungsmittel künftig fließen, können wir heute noch nicht seriös ein neues Bahnprojekt in Auftrag geben, das uns 15 Jahre lang Betriebskosten von 1,5 Millionen Euro beschert.“ Immerhin zeigt sich Gustav Herzog „optimistisch, dass wir genug Regionalisierungsmittel bekommen und auch die Bund-Länder-Beziehungen geregelt kriegen. Und dann kommt die S-Bahn nach Zweibrücken.“ Was sagt die Homburger Politik? Der Saarpfalz-Kreistag und der Homburger Stadtrat fordern in Resolutionen die Wiederbelebung der Bahnlinie. Skeptiker, vor allem in der CDU, verlangen, dass ein Bahnausbau keinesfalls zu Lasten der Buslinie R 7 oder der geplanten Schwarzenbach-Umgehungsstraße B 423 erfolgen dürfe. Vorbehaltlos unterstützt wird das Projekt vom Einöder Ortsrat und von den Homburger Linken. Was sagt Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind? Im Sommer 2014 versprach Schneidewind, sich für die Bahn stark zu machen, sollte die Nutzen-Kosten-Analyse (NKU) positiv ausfallen. Dies ist der Fall: „Ich bin der Letzte, der gegen eine neue Zugverbindung wäre, die ja unseren Hauptbahnhof stärken würde“, sagt der OB. Auch die Frage der Buslinie R 7 sei lösbar. Von Bund und Ländern finanziert, würde die Bahn seine Stadt nichts kosten. Zugleich sieht Theophil Gallo auf den Saarpfalz-Kreis keine Kosten zukommen. Wer profitiert von dem Vorhaben? Zweibrücker und Südwestpfälzer, aber auch die Bewohner von Einöd, Schwarzenacker und Beeden, könnten daheim in Züge nach Kaiserslautern und Mannheim einsteigen. Touristik-Expertin Birgit Grauvogel verweist auf bundesweite Werbung der Bahn für das Unesco-Biosphärenreservat Bliesgau als „Fahrtziel Natur“. Mit der S-Bahn könnten die Biosphäre und der Raum Blieskastel ans überregionale Schienennetz angebunden werden. Gäste kämen aus dem gesamten VRN-Gebiet bis Heidelberg, Mannheim und Würzburg hierher. Nach Werner Schreiners Worten verfügen Fahrgäste bis in den Rhein-Neckar-Raum heute schon über mehr als eine Million Zeitkarten: „Überall dort, wo wir die S-Bahn hinführen, blüht das Tourismus-Geschäft auf.“ Was bedeutet S-Bahn-Verlängerung? „In der Zeitspanne, in der der S-Bahn-Zug heute im Homburger Bahnhof steht, könnte er bequem nach Zweibrücken und zurück weiterfahren“, weiß Astrid Klug: „Aber gäbe es diesen Zug nicht heute schon und müsste man ihn erst ganz neu hierher holen, dann wäre das Projekt unrealistisch.“ Nach Klugs Worten ist die Bahn gerade dabei, ihr Fernverkehrs-Konzept umzukrempeln – geplant seien wieder mehr Fernzüge im Saarland, die dann auch in Homburg halten. „Das wäre ein Argument mehr, um da mit der Südwestpfalz noch mehr Kundschafts-Potenzial dranzuhängen.“ Welche Auswirkungen hätte die Bahn-Neubelebung auf die Buslinie R 7 zwischen Homburg und Zweibrücken? Einöds Ortsrat fordert die Bahn als Schnellverbindung zwischen beiden Städten. Die Buslinie sei so auszulegen, dass sie die Wohngebiete in Einöd, Schwarzenacker und Schwarzenbach engmaschiger einbindet. OB Schneidewind gibt aber zu bedenken, dass entlang der oft engen Wohnstraßen nicht mehr geparkt werden könne, wenn dort Busse durchfahren. Und am Hauptbahnhof sei der Bus-Anschluss zu Homburgs Industrie-Arbeitgebern zu sichern. Es gibt Pläne, die bisherige R 7 künftig über die Homburger Uniklinik zu führen. Müssen die Schienen-Anwohner, etwa in Schwarzenacker, vom Zug Belästigungen durch Lärm befürchten? Laut Werner Schreiner ist die Lärmschutz-Vorsorge seit der Vorplanung bereits fest eingeplant. Zudem seien moderne Triebwagen so leise, „dass man schon arg nervös sein muss, um die vorbeifahren zu hören“. Nicht die Personenzüge seien laut, sondern Güterzüge. „Wo ein Lärmproblem auftritt, wird es gelöst – sonst bekommen wir das alles nicht genehmigt.“ Laut Astrid Klug geht das Geld, das für die Bahn ausgegeben wird, übrigens nicht für den Bau der Homburger Umgehungsstraße verloren: „Das sind völlig unterschiedliche Geldtöpfe.“