Kreis Südwestpfalz Was nutzt ein Kleid, wenn man nicht tanzen kann?

Mit dem Fackelumzug beginnt auch dieses Jahr wieder die Battweiler Kerwe. Unser Foto entstand vor fünf Jahren, als die Kerwe 65
Mit dem Fackelumzug beginnt auch dieses Jahr wieder die Battweiler Kerwe. Unser Foto entstand vor fünf Jahren, als die Kerwe 65 wurde. Damals scherzten die Straußbuben, nun habe sie das Rentenalter erreicht.

Battweiler feiert dieses Wochenende ein Jubiläum: 70 Jahre Kerwe. Mit einem bunten Kerwestrauß und einer zünftigen Kerwerede wollen die 21 Straußbuben und 23 Straußmädels den traditionellen Kerwebrauch pflegen. Die erste Kerwefeier 1947 hing ganz allein vom Wohlwollen der französischen Militär-Kommandantur in Zweibrücken ab. Es folgten 1948 die schlimme „Maul- und Klauenseuche-Kerwe“ und 1949 die schon fröhlichere „Adenauer-Kerwe“.

An das erste Kerwekleid in Weinrot und Rosarot erinnert sich ein damals 17-jähriges Straußmädel noch gut. Das erste Lehrjahr im Schneiderhandwerk neigte sich dem Ende zu, da durfte sich Liesel Klein, die heute 87-jährige Liesel Zipp aus Battweiler, mit Unterstützung ihrer Chefin aus einem Taftkleid ihr Kerwekleid zuschneiden und nähen. Ein schöner, glänzender Stoff sei es gewesen, der nach der Abänderung fast zu klein war, damit das Kleid danach noch seinen guten Sitz hatte. Doch kurz nach dem Krieg konnte man nicht „schnägisch“ – wählerisch – sein, sondern musste froh sein, überhaupt ein Tanzkleid zu haben, so die Erinnerungen an die Vorbereitungen zum ersten Kerwefest. Die Kleiderfrage war gelöst, aber was nutzt dies, wenn man nicht tanzen kann. Um dieses Problem aus der Welt zu schaffen, trafen sich die Dorfmädels im Fischbacher-Sälchen, einem Nebenraum der Gastwirtschaft Oster und Schneider, um einige Wochen vor der Kerwe mit den Straußbuben nach den Tönen einer Mundharmonika vom Müller aus der Schmiede am Schützenberg zu üben. Eine Tanzmöglichkeit gab es auch noch im Gasthaus Höhler, nicht weit vom ehemaligen Milchhäuschen und Dorfbrunnen. Der Kerwestrauß wurde auch schon mit Musik durchs Dorf getragen. Die Kapelle Seegmüller aus Contwig spielte zum Tanz auf, was der so begabte Musiker August Veit aus Battweiler eingefädelt hätte. Die Kerwemusik musste jedoch um 24 Uhr beendet sein, was wenig Freude bei der Dorfjugend fand. Fröhliches Feiern hätte nicht in das Bild der französischen Siegermacht gepasst, sodass die Kerwe am Veto des Militärs zu scheitern drohte. Der Kommandant der Dorffeuerwehr, Ernst Hack, machte sich auf den Weg nach Zweibrücken, um die maßgebenden französischen Militärbefehlshaber umzustimmen. Der Vermittlungsversuch war erfolgreich. Das Kerwefest war gerettet, und die später geplante Theateraufführung der Feuerwehr durfte auch stattfinden. Liesel Zipp und Albert Bayer erinnern sich noch an diese ungewissen Tage, bis endlich die Zustimmung der Kommandantur kam – wenn auch mit der zeitlichen Befristung. Selbst die Kerwerede musste der französischen Militärverwaltung vorgelegt werden, die genau überprüfte, ob sie keine politischen Äußerungen enthielt, die nicht erwünscht waren oder gar die Nazi-Zeit verherrlichten. Der damalige Gemeindesekretär Jakob musste als amtlicher Dienstbote diese Aufgabe übernehmen. Lange war es in manchen Dörfern noch üblich, dass die Straußbuben ihre Kerwerede dem Bürgermeister vorlegen mussten, damit unanständige und die guten Sitten verletzende Passagen gestrichen werden konnten. Die Kerwe 1948 stand im Schatten einer hoch ansteckenden Tierkrankheit im Dorf, sodass menschliche Zusammenkünfte eigentlich verboten waren. Zu groß war die Ansteckungsgefahr, da man zu dieser Zeit noch keine ausreichende Desinfektion und Schutzmaßnahmen für die zahlreichen kleinen bäuerlichen Betriebe gewährleisten konnte. Das Kerwefest konnte trotz größter Bedenken nicht ausfallen. Die Freude darüber, dass das Land wieder eine eigene Regierung hatte mit Kanzler Konrad Adenauer an der Spitze, übertrug sich im Jahr danach auch auf die Kerwestimmung. Zu den Straußbuben der ersten Stunde gehörte Kurt Laborenz. Aus seinen Erinnerungen ist überliefert, dass man eine Woche vor der Kirchweih mit zwölf Straußbuben mit dem Zug von Niederauerbach in die Vorderpfalz gefahren sei, um den Kerwewein zu kaufen. Jeder Straußbub habe einen Tornister aus der Soldatenzeit auf dem Rücken gehabt, der mit Getreide gefüllt war. Das gute Getreide der Sickinger Höhe diente als Zahlungsmittel. Im Weindorf Rhodt unter Rietburg bei Edenkoben habe man bei einer Weinbäuerin den Kerwetropfen mit großer Begeisterung versucht. Die Weinprobe habe einen sehr lustigen Verlauf genommen, und die Battweiler Buben mussten ihren Rausch in der Gerstenstreu bei den Ochsen ausschlafen. Beinahe hätte man den letzten Zug in die Heimat nicht mehr erreicht. In den Jahren danach sei Edmund Oster von der Gastwirtschaft mit dem Pferdefuhrwerk voll Holz als Zahlungsmittel in die Vorderpfalz gefahren, um den Kerwewein zu besorgen. Drei Tage dauerte diese Kerwewein-Tour. Bis heute ist es bei vielen im Dorf noch Brauch, den Kerwewein bereits am Freitag zu versuchen, obwohl das Bier längst zum beliebteren Kerwetrunk geworden ist. In den ersten Nachkriegsjahren gab es nur beim Schneiderwirt Straußbuben, da die Wirtschaft Kau nach dem Bombenangriff auf das Dorf 1945 schwer zerstört war. Der Wiederaufbau dauerte einige Jahre. Das gesamte Dorf sei beim Umzug mit dem Strauß damals auf den Beinen gewesen. Zum Gasthaus sei man mit dem Strauß nur noch durch eine schmale Gasse gekommen. Alle wollten die Kerwerede hören und anschließend bei den drei ersten Tänzen für die Straußbuben miterleben, wer mit welchem Mädel tanzt. Wer keine Tänzerin hatte, der war eigentlich kein richtiger Straußbub. Deshalb war es Sitte, dass man schon Wochen vor der Kerwe eine Dorfschönheit fragte, ob sie an der Kerwe mit einem tanzt. Für die Straußbuben galt eine überlieferte Tradition, dass man an allen Kerwetagen ein weißes Hemd und eine dunkle Hose tragen musste. Am Sonntag beim Umzug durchs Dorf gehörte noch eine weiße Schürze dazu, erzählt Liesel Zipp. Außerdem eine Kerwekappe mit einem Kerweband. Diese Kappe durfte man nicht hergeben oder gar verlieren, sonst war man eines Straußbuben unwürdig. Das Kirchweihfest wurde jedoch schon vor dem Krieg gefeiert, erzählt die 94-jährige Elfriede Engel. Das Essen und Kaffeetrinken mit Kerwekuchen mit der Verwandtschaft sei wichtig gewesen. Mit der Großmutter habe sie als Schulmädel die Kerwe in Niederhausen, Oberauerbach und Contwig besucht. Zur Kerwe nach Rieschweiler sei man mit der Kutsche gefahren. Für den Kerwestrauß im Jubiläumsjahr haben die Straußbuben 15 000 Glanzbänder aller bunten Farben gekauft, erzählt Straußbub Sebastian Bayer. Den Kerwestrauß stellt nach alter Tradition der Staatsforst, was in einem Dorf mit einem einst eigenen Forstamt ein ungeschriebenes Gesetz ist. Am Fackelumzug in den Abendstunden des Freitag halten die Straußbuben auch fest. Programm —heute, Freitag: 20 Uhr: Fackelumzug ab Feuerwehrhaus 21 Uhr: Dämmerschoppen im Feuerwehrhaus und im Gasthaus Schneider —morgen, Samstag: 17 Uhr: Kerwespiel gegen Wallhalben II 19 Uhr: Kerwespiel gegen Leimen 20.30: Tanz im Sportheim mit Saarbloos —Sonntag: 10 Uhr: Frühschoppen im Festzelt an der Konrad-Loschky-Halle 13 Uhr: Kerweumzug mit den Schwarzen Husaren 14 Uhr: Loschky-Halle, Kaffee und Kuchen 14.30 Uhr: Kerwerede und danach Tanz —Montag: 10 Uhr: Frühschoppen mit dem Musikverein Oberauerbach 14.30 Uhr, Party mit Krachleder —Die Kerwebesucher müssen in diesem Jahr in der Lindenstraße parken, da der Parkplatz an der Konrad-Loschky-Halle wegen der Baustelle in der Blumenstraße nicht angefahren werden kann.

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