Bottenbach Warum die Dorf-Apotheke von jetzt auf gleich geschlossen wurde
30 Jahre lang gab es die Bottenbacher Pirminius-Apotheke, die letzten 19 Jahre betrieb sie die heute 59-jährige Andrea Illig. Am Tag vor Heiligabend war Schluss. Nichts hatte sich von langer Hand angedeutet, dass Illig ihrem Beruf ade sagt und die von ihr betriebene Apotheke von heute auf morgen schließt.
Illig nannte „persönliche Gründe“ für die Schließung. Im 60. Lebensjahr stehend, gehe für sie ihr das Leben prägender Beruf zu Ende. Sie habe sich bemüht, die Nachfolge zu regeln. Doch ihre Bemühungen seien erfolglos geblieben, so wie zuvor schon die Frage der Urlaubsvertretungen. Als im Herbst 2022 eine ältere Apothekerin ihre bisherige Bereitschaft zu Urlaubsvertretungen aufkündigte, bedeutete dies für Andrea Illig, sechs Tage die Woche – ohne die Wochenend- und Feiertagsdienste – das ganze Jahr über vor Ort sein zu müssen. Diesem beruflichen Druck wollte sie sich nicht mehr länger aussetzen, zumal sie am Horizont des deutschen Gesundheitswesens kein Silberstreif erblickte. Wie bei der Ärzteschaft gebe es auch bei den Apothekern große Probleme, Nachfolger zu finden. Diesem Geschäftsdruck wollte sich Illig nicht mehr länger aussetzen, zog die persönlichen Konsequenzen und schloss die Pirminius-Apotheke.
Weit reichender Lieferservice
Seit drei Jahrzehnten war die Pirminius-Apotheke in zentraler Ortslage gegenüber dem Dorfplatz im früheren Bottenbacher Schulhaus untergebracht. Das Gebäude einschließlich beweglichen Mobiliars gehört der Zweibrücker Alfred-Welter-Stiftung. Deren Namensgeber war selbst Apotheker und langjähriger Betreiber von Apotheken in Zweibrücken. Vor gut 19 Jahren hatte Andrea Illig die Apotheke übernommen, mit der sie Kunden in einem größeren Umkreis mit Medikamenten und medizinischen Hilfsmitteln versorgte.
Dazu hatte Illig einen Botendienst mit mehreren Fahrzeugen installiert und belieferte die gesamte Hackmesserseite, Teile der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land mit Groß- und Kleinsteinhausen sowie Riedelberg und sogar Pirmasenser Vororte. Acht geringfügig Beschäftigte lieferten bis zu dreimal täglich Arzneien und Apothekenprodukte aus. Ihnen ist zum Jahresende 2022 gekündigt worden. Die einzige Vollzeitkraft erledigt noch bis zum 31. März Büro- und Schreibtischarbeiten und kümmert sich um den Jahresabschluss.
Bürgermeister vom Aus überrascht
Bottenbachs Ortsbürgermeister Klaus Weber war von der Entwicklung überrascht worden. „Knall auf Fall wurde auch für mich unsere Apotheke geschlossen“, beschreibt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ seinen Eindruck. Erst kurz vor der Schließung habe er Kenntnis davon erhalten und Kontakt zur Apothekerin aufgenommen. Illig habe in den Gespräch berufsmüde gewirkt, sich enttäuscht vom deutschen Gesundheitswesen gezeigt, was letztlich dazu geführt habe, dass sie niemanden zur Weiterführung der Apotheke gefunden habe. „Auf die Schnelle war nichts mehr zu machen“, so Weber.
Nicht nur für ihn bleibe ein fader Beigeschmack, denn einzig und allein der einige Tage vor der Schließung an der Eingangstür ganz unten angebrachte Hinweis auf einem DINA-4-Blatt wies auf die bevorstehende Schließung zum 23. Dezember 2022 mit einem einfachen „Danke!!“ hin.
Stiftung sucht Nachfolgelösung
Inzwischen sind die Regale der Apotheke leer geräumt. Trotzdem stehen laut Weber noch täglich Kunden vor der Bottenbacher Apotheke, zu denen die Kunde von der Schließung noch nicht vorgedrungen ist. Er werde gemeinsam mit dem Ortsgemeinderat alles unternehmen, dass es nicht zu einem ständigen Leerstand des Gebäudes kommt und die Infrastruktur erhalten bleibt. Laut Weber wird sich jetzt die Alfred-Welter-Stiftung sich auf die Nachfolgersuche machen, dabei werde sie jede Unterstützung der Gemeinde erhalten.