Kreis Südwestpfalz Vor ARD-Liveübertragung fällt der Strom aus

Nach Auskunft des Gutachters Roland Damm ist die Bausubstanz im Waldstadion „immer noch gut, aber nicht mehr zeitgemäß“.
Nach Auskunft des Gutachters Roland Damm ist die Bausubstanz im Waldstadion »immer noch gut, aber nicht mehr zeitgemäß«.

«Homburg.»In der kommenden Saison 2019/20 peilt der FC Homburg mit Macht die Meisterschaft der Regionalliga Südwest und damit den Aufstieg in die Dritte Liga an. Mit den jüngsten sportlichen Erfolgen halte jedoch der Zustand des Waldstadions nicht Schritt, beklagt der FCH-Vorsitzende Herbert Eder. Wie gestern berichtet, mahnt der Clubchef Verbesserungen im Stadion an – und das nicht nur mit Blick auf teure Auflagen, die der DFB mit der Erteilung der Drittliga-Lizenz verknüpft. Seine Sorgen formulierte Eder am Dienstagabend in einem Gespräch mit Homburger Kommunalpolitikern. „Wir reden nicht von Luxus-Investitionen“, erklärte FCH-Geschäftsführer Rafael Kowollik bei der Unterredung in den Stadion-Katakomben. So müsse die Elektroversorgung dringend erneuert werden, weil oft der Strom ausfalle: „Vor zwei Jahren fand im Waldstadion das Saarland-Pokalfinale zwischen Saarbrücken und Elversberg statt. Das Spiel wurde beim ,Finaltag der Amateure’ bundesweit in der ARD übertragen – aber leider erst ab der zweiten Halbzeit. Denn kurz vor Anpfiff ist ein Schaltschrank ausgefallen; der Strom war weg.“ Kowollik: „Und für die Fans auf den Stehplätzen gibt es nur Dixi-Klos. Als im Stadion ein gebrauchter Toilettencontainer aufgestellt wurde, ist im Winter dann aufgefallen, dass der Container nicht frostsicher ist.“ Rätsel gebe die Tribünen-Toilette auf: Dort fließe aus unerfindlichen Gründen warmes Wasser aus der Klospülung. Der Vorsitzende Herbert Eder betonte, er wolle die Hausherren von der Stadtverwaltung „keineswegs diskreditieren“. Vielmehr bitte er um Unterstützung für den Verein, der mit 800 Mitgliedern, 15 Jugendteams mit 280 jungen Aktiven sowie Sozialprojekten wie Hausaufgabenhilfe und Schulsport-Unterricht mit FCH-Spielern eine wichtige gesellschaftspolitische Rolle spiele. Eder geht es um ein Gutachten, in dem acht Ingenieure den Sanierungsbedarf des Waldstadions ermitteln. Die Inhalte des Gutachtens seien ihm noch immer weitgehend unbekannt. Dabei müsse er dem DFB Informationen zu den Modernisierungsplänen geben. Im Auftrag der Stadtverwaltung ist der Homburger Architekt Roland Damm maßgeblich am Gutachten beteiligt. Dessen erste Erkenntnisse lägen nun vor, sagte Damm am Dienstag: „Demnach ist die vorhandene Bausubstanz immer noch gut, aber eben nicht mehr zeitgemäß.“ Mängel gebe es etwa in energetischer Hinsicht sowie bei den Umkleide- und Sanitärbereichen. „Die Stadt will die Heizungsanlage erneuern“, sagte Damm: „Aber weil keiner weiß, wie das große Ganze beim Stadion-Ausbau weitergehen soll, hängen wir mit solchen Teilprojekten planerisch in der Luft. Es wäre ja blöd, jetzt in Technik zu investieren, die später beim großen Ausbau nicht mehr zum Gesamtprojekt passen würde.“ All dies, betonte Damm, sei nicht nur für die Ambitionen des FCH wichtig, sondern entscheidend für den Erhalt der Homburger Sportstätte, die ja auch von anderen Vereinen und den Schulen genutzt wird. „Klar ist, dass wir das Stadion etappenweise modernisieren müssen. Dazu müssen wir aber wissen, wie die einzelnen Schritte aussehen sollen, damit sie richtig aufeinander aufbauen können.“ Laut Herbert Eder ist eine umfassende Vorplanung wichtig, damit der Ausbau nicht zum Millionengrab werde, wie man es im Saarbrücker Ludwigspark erlebt hat. SPD- und Linke-Vertreter nehmen den CDU-Bürgermeister in Schutz Den Vorwurf, die Stadtverwaltung beantworte die Fragen des Vereins nicht, wollte das Stadtratsmitglied Astrid Bonaventura (SPD), zugleich städtische Beigeordnete für Sport, so nicht stehen lassen. „Herbert Eder hätte mich jederzeit anrufen können. Das hat er aber nicht getan“, was Eder mit dem Hinweis einräumte, er habe halt versucht, die höchsten Spitzen im Rathaus zu erreichen. Und am Stadion-Gutachten sei man im Rathaus „mit Hochdruck dran“, bestätigte Bonaventura gleichlautende Aussagen, die der Bürgermeister Michael Forster (CDU) 24 Stunden zuvor im Stadtrat gemacht hatte. Die Beigeordnete bat den FCH um Übermittlung des DFB-Punkteplans ans Rathaus, damit man dort wisse, womit man es zu tun hat. Hier hakte der FCH-Boss Eder ein und sagte, man habe der Stadt den Katalog mit den Lizenzauflagen schon im Februar übergeben. Das FCH-Aufsichtsratsmitglied Jörg Kühn, Spitzenkandidat der aktuell nicht im Stadtrat vertretenen FDP, erklärte, er habe den Eindruck, dass der Club dem zurzeit das Rathaus führenden Michael Forster weniger am Herzen liege als früheren Oberbürgermeistern wie Reiner Ulmcke (CDU) oder Rüdiger Schneidewind (SPD). Dass Forster öffentlich erklärt habe, der FCH sei ihm „genauso viel wert wie jeder andere Verein in Homburg“, tadelte Kühn als „Missachtung“. „Da muss ich den Michael Forster jetzt aber mal in Schutz nehmen“, hielt Barbara Spaniol (Linke) dagegen: „Er hat gar nichts auf Eis gelegt. Es ist doch klar, dass er in den vergangenen Wochen alle Hände voll damit zu tun hatte, die Rathausspitze wieder auf Vordermann zu bringen.“ Damit erinnerte Spaniol an die Verwaltungskrise nach der Verurteilung und Suspendierung von OB Schneidewind. Dem gesamten Homburger Stadtrat sei aber klar, so fügte die Linken-Abgeordnete hinzu, dass das Waldstadion nach der Kommunalwahl „schnell wieder auf die Tagesordnung muss“. Der Homburger Grünen-Vorsitzende Marc Piazolo warnte vor Versuchen, den FCH gegen andere Vereine in der Stadt auszuspielen. „Die Bevölkerung muss mitgenommen werden. Es ist schade, dass dieses Gespräch nicht schon viel früher stattgefunden hat. Übrigens würden auch wir sehr gerne das Gutachten sehen.“ Laut CDU-Ratsfraktionschef Stefan Mörsdorf ist die Stadt Homburg „gewillt, ihr Stadion so zu ertüchtigen, dass die Vereine, die es nutzen, auch einen Nutzen davon haben“. Allerdings brauche man eine belastbare Kalkulation, um Kostenexplosionen wie in Saarbrücken zu vermeiden. Knicker: Nach Millionen Euro für Saarbrücken ist Homburg dran „Im Waldstadion wurde lange nichts mehr getan – außer dem, was der FC Homburg selbst gemacht hat“, erinnerte der Aufsichtsratschef Dieter Knicker an den neuen Trainings-Rasenplatz und die VIP-Loge unterm Tribünendach. Nach den vielen Millionen Euro, die das Land derzeit in den Saarbrücker Ludwigspark stecke, sei „Homburg jetzt auch endlich mal an der Reihe“, um an die dicken Fördertöpfe zu kommen. Saarpfalz-Landrat Theophil Gallo (SPD) versprach am Dienstag vor versammelter Runde, den saarländischen Innenminister Klaus Bouillon (CDU) bald darauf anzusprechen.

Krisengespräch in den Stadion-Katakomben: FCH-Vorsitzender Herbert Eder (Mitte, dunkles Jackett) diskutiert mit Kommunalpolitike
Krisengespräch in den Stadion-Katakomben: FCH-Vorsitzender Herbert Eder (Mitte, dunkles Jackett) diskutiert mit Kommunalpolitikern.
x