Kreis Südwestpfalz Verkehrsschilder gegen Geisterfahrer

70- bis 80-mal im Jahr warnt der Verkehrsfunk auf saarländischen Autobahnen vor Gefahren durch Geisterfahrer. Mit einem Projekt will die saarländische Landesregierung mehr Verkehrssicherheit auf Autobahnen erzielen und Falschfahrten erst gar nicht entstehen lassen.
„Natürlich sind das keine absoluten Zahlen für unser Bundesland“, spielt Klaus Kosok, Sprecher des saarländischen Landesbetriebs für Straßenbau (LfS), auf die erwähnten Warnhinweise im Radio an: „ Einerseits sind einige Meldungen falsch, andererseits werden gerade nachts nicht alle Falschfahrer entdeckt oder gemeldet.“ Die Gründe für die gefährlichen Geisterfahrten seien vielfältig: „Es kann sich um eine Mutprobe unter Jugendlichen handeln oder um ältere oder ortsunkundige Verkehrsteilnehmer, die die Orientierung verlieren“, erläutert Kosok: „Oft sind Alkohol oder Drogen im Spiel. Auch Suizidabsichten sind nicht auszuschließen.“ Komme es konkret zu einer Geisterfahrt, sei hinterher die Ursache für den Vorfall meist nicht mehr zu klären. „In den Jahren 2012 und 2013 konnten nur je 18 Fahrer ermittelt werden“, sagt Kosok: „In zehn der 36 Fälle stand der Fahrer unter Alkohol. In beiden Jahren führten die Falschfahrten je zu drei Verkehrsunfällen.“ Und die haben angesichts der hohen Geschwindigkeiten auf Autobahnen oft schwere Folgen. In den Jahren 2006, 2007 und 2011 hatte das Saarland bei Falschfahrer-Unfällen sogar Tote zu beklagen. Um Geisterfahrten einzudämmen, rief im April 2013 der damalige Saar-Verkehrsminister Heiko Maas (SPD) eine Landesinitiative für mehr Verkehrssicherheit ins Leben. Nach Maas’ Wechsel als Bundesminister nach Berlin führt nun seine Parteifreundin Anke Rehlinger das Konzept weiter. Die neue Saar-Verkehrsministerin zieht eine Zwischenbilanz: „Wir haben eine Checkliste erstellt und auf den saarländischen Autobahnen alle 80 Anschlussstellen und 17 Rastanlagen überprüft.“ Durch erste Verbesserungen sei bereits mehr Sicherheit erreicht worden, weitere Schritte seien geplant. „In diesem Bereich können wir als Vorreiter gelten“, meint Rehlinger. Bewusst habe man die Anschlussstellen bei Nacht kontrollieren lassen – und zwar durch ortsunkundige Personen. Häufig seien diese auf kleinere Schwachpunkte gestoßen, die sich auf recht einfache Weise beheben ließen – etwa durch simples Drehen eines Verkehrsschildes. An 35 der 80 Anschlussstellen wurde die Fahrbahnmarkierung erneuert. Achtmal wurde sie verändert, um klarer zu machen, bei welcher Fahrspur es sich um die Auffahrt handelt. Und auch die Verkehrsschilder wurden auf den Prüfstand gestellt: „An 18 Anschlussstellen wurden Mängel festgestellt. Dort waren Verkehrszeichen ungünstig ausgerichtet oder bei Nacht schlechter erkennbar“, erläutert Anke Rehlinger. Dieses Problem sei jetzt gelöst worden: „Alle Anschlussstellen ohne bauliche Abgrenzung sollen mit weißen, sehr stark reflektierenden Schildern gekennzeichnet werden, die die Einfahrt verbieten – wie am Ende von Einbahnstraßen. Diese Schilder kann man gegebenenfalls auch gedoppelt aufstellen. An 20 Auffahrten – darunter auch die vorher ungenügend gekennzeichneten – ist das jetzt passiert“, sagt Rehlinger. Im Verkehrsministerium habe man auch über das aus Österreich bekannte Schild mit einer schwarz-gelben Hand diskutiert, das derzeit in Bayern in einem Modellversuch eingesetzt wird. „Letztendlich haben wir uns dagegen entschieden“, ergänzt Klaus Kosok: „In Bayern ist man davon nicht besonders überzeugt. Auch wir fanden, dass die schwarz-gelbe Hand eher wie ein Werbeplakat und weniger wie ein Verkehrsschild wirkt.“ Um die Sicherheit auf den Autobahnen in allen Bundesländern zu erhöhen, wurde unter Beteiligung des saarländischen LfS ein Katalog mit sieben Sofortmaßnahmen erarbeitet. Diese Vorschlagsliste ist in Berlin zwar bereits durch die Länder-Anhörung gegangen. Doch nach Kosoks Worten hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gebeten, von weiteren Maßnahmen abzusehen, bis es eine bundesweite, mit Brüssel abgestimmte Regelung gibt. „Daran werden wir uns jetzt halten“, erläutert Klaus Kosok: „Wir wollen Kosten vermeiden, die entstehen würden, wenn wir bestimmte Maßnahmen wieder rückgängig machen müssten.“ Bis das neue bundesweit geltende Regelwerk von der EU freigegeben wird, dauere es voraussichtlich bis 2015. Doch bis dahin soll das Projekt Verkehrssicherheit nicht zum Stillstand kommen: „80 Prozent der Maßnahmen, die wir bis dahin bereits angestoßen hatten, wurden im Oktober 2013 abgeschlossen. Die letzten 20 Prozent werden jetzt umgesetzt. Dafür ist es ja inzwischen wieder warm genug. Ende Oktober wollen wir fertig sein“, kündigt Kosok an.