Fischbach
Stargate schließt Biosphärenhaus, Gemeinde wartet auf Pachtzahlungen
Noch in der vergangenen Woche hat die Stargate-Agentur in Person von Marketingleiter Christian Büffel das Programm des Natur-Erlebnis-Parks in Fischbach bei Dahn bis zum Sommer des Jahres 2024 vorgestellt. Seit Mittwochmittag ist klar, dass das eine Planung für die Papiertonne war. „Der Natur-Erlebnis-Park in Fischbach bei Dahn wird ab dem 15. Oktober nicht weiter durch die Stargate Agentur betrieben. Grund dafür ist, dass auch nach mehr als sechs Monaten der von der Kommunalpolitik in Aussicht gestellte Zuschuss immer noch nicht überhaupt nur geprüft wurde“, teilte Raphael Wagenblatt, der Geschäftsführer der Agentur, am Mittwoch in einer E-Mail der Presse mit.
Die Konsequenz: „Da ein Weiterbetrieb unter diesen Voraussetzungen und ohne den anfangs zugesicherten Zuschuss wirtschaftlich nicht darstellbar ist, hat die Stargate Agentur beschlossen, das Projekt einzustellen. Ohne das Versprechen, dass ein Zuschuss zeitnah geprüft wird, wäre niemals ein entsprechender Vertrag für den Weiterbetrieb unterzeichnet worden“, so Wagenblatt. Außerdem führt er aus: „Darüber hinaus ist die Ortsgemeinde Fischbach bei Dahn der Stargate Agentur noch ein fünfstelliger Betrag aus der Vermietung des Naturerlebniszentrums schuldig, welcher dem Unternehmen sogar vertraglich zugesichert wurde.“
Gemeinde wartet auf Pachtzahlungen
Zwar räumt Fischbachs Ortsbürgermeister Michael R. Schreiber ein, dass die Ortsgemeinde „Herrn Wagenblatt die Pachteinnahmen des Naturerlebniszentrums in Höhe von 1000 Euro pro Monat, was vertraglich festgelegt worden ist (bis heute 9000 Euro)“ schulde. Allerdings schulde wiederum Wagenblatt der Ortsgemeinde „Pachtzahlungen in Höhe von 42.760 Euro und die Betriebskosten zu 100 Prozent, was auch vertraglich festgelegt worden ist“. Hier gehe es um einen sechsstelligen Betrag, so Schreiber. Es sei Wagenblatt angeboten worden, beide Beträge gegeneinander aufzurechnen. Und der Ortsbürgermeister betont: „Bis zum heutigen Tag sind keine Zahlungen des Herrn Wagenblatt eingegangen.“
Dass es bislang noch keine Zuschüsse zum Betrieb des Biosphärenhauses gegeben hat, kann Schreiber auch begründen. Über eventuelle Zuschüsse sollte Stargate als Betreiber mit der Gemeinde, der Verbandsgemeinde, dem Kreis und dem Bezirksverband sprechen. Diese Gespräche hätten aber noch nicht stattgefunden. Die Kreisverwaltung Südwestpfalz reagierte am Mittwoch im Namen der von Wagenblatt genannten Institutionen und Kommunen auf die Kritik: „Die angeführten Gründe für die Schließung, wonach zugesicherte Zuschüsse nicht geprüft und demnach auch nicht ausgezahlt worden seien, weisen alle Beteiligten sehr klar von sich. Mit der Übernahme des Biosphärenhauses durch die Stargate Agentur wurde eine mögliche Förderung für die Ausstellung im Biosphärenhaus in Aussicht gestellt. Allerdings war hierfür die Vorlage eines Konzeptes Voraussetzung, welches der neue Betreiber erstellen sollte. Bis zuletzt wurde das vereinbarte Konzept für die Ausstellung nicht vorgelegt. Von daher fehlte für die Prüfung eines möglichen Zuschusses, der sich ohnehin nicht auf den Betrieb des Hauses, sondern nur auf die Ausstellung bezogen hätte, jedwede Grundlage.“
Wappenschmiede bleibt geöffnet
Ab dem 15. Oktober sind das Biosphärenhaus, der Baumwipfelpfad sowie die Wohnmobilstellplätze geschlossen. Das Naturerlebniszentrum Wappenschmiede ist von der Schließung nicht betroffen. Es wird bis Ende des Jahres von der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz betrieben und bietet 45 Übernachtungsmöglichkeiten. Es wird derzeit häufig von Schulklassen und Jugendgruppen gebucht. Beabsichtigt war, dass die Stargate-Agentur das Erlebniszentrum zum 1. Januar übernimmt.
Wie Wagenblatt mitteilte, sind von der Schließung fast 20 Mitarbeiter betroffen, deren Arbeitsplätze nicht erhalten werden könnten. Das Unternehmen bemühe sich gemeinsam mit den Betroffenen, die für sie bestmöglichen Lösungen zu finden, so Wagenblatt abschließend.
DaRa und Stargate
Wagenblatt hatte mit seinem Geschäftspartner Daniel Schneider und der gemeinsamen DaRa-Gruppe das Biosphärenhaus zum Jahresbeginn übernommen und für ein Jahr gepachtet. Im März unterschrieb dann aber nur Wagenblatt den Mietvertrag als Geschäftsführer der neuen Agentur Stargate. Kurz zuvor war er als Geschäftsführer der Dara-Gruppe ausgeschieden. Seit April war Wagenblatt Eigentümer des Quasimodo, der Betrieb des Pirmasenser Musikclubs hat Stargate ebenfalls eingestellt.
Über das Vermögen der DaRa-Event-GmbH ist am 10. Juli ein Insolvenzverfahren eröffnet worden. Gegen die DaRa-Verantwortlichen Daniel Schneider und Raphael Wagenblatt ermittelt mittlerweile die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung.
Am 19. September hatten Mitarbeiter der Stargate-Agentur über ihre Facebook-Seite darüber informiert, dass Wagenblatt „in einen schweren Verkehrsunfall mit zwei Todesopfern verstrickt ist“ (Zitat von der mittlerweile gelöschten Facebookseite der Agentur).