Waldfischbach-Burgalben
Selbst im Schlafanzug und Badeschlappen lässt es sich steppen
Arme verschränken, Arme öffnen und weiter rauf, runter, rauf. Passend zum Beat pro Minute. Jeder Schritt zählt beim Spenden-Step-Aerobic-Marathon der IGS. 125 bis 130 beats per minute, also 125 bis 130 Schläge pro Minute, weisen die Musikstücke idealerweise auf, die Sportlehrerin Martina Stein und die Mitglieder der IGS-Schülervertretung ausgesucht haben, um das Rauf und Runter am Steppbrett zu einem Erlebnis zu machen. Das Ziel jeden Teilnehmers: mindestens 1000 Schritte in zehn Minuten. So lange sind alle Klassen und Kurse – die gesamte Schule beteiligt sich – beim Steppen für die gute Sache jeweils gefordert.
„Jeder kleine Schritt kann Großes bewirken“, sagt Stein zur Intention des Tages, als eine neue Gruppe an die Bretter geht. Für jeden Schritt, den die Schüler auf den Brettern leisten, gibt es Sponsoren im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis, die die ausdauernden Sportler finanziell unterstützen. Steppen und spenden für einen guten Zweck. „Ein Altersheim“, antwortet ein Schüler, als seine Klasse gefragt wird, ob sie wisse, wofür sie steppen. Fast. „Wir wollen wieder zwei regionale Projekte unterstützen“, sagt Stein. Auf die Spendensumme, deren Höhe wohl erst nach den Ferien feststehen wird, dürfen sich das Hospiz in Pirmasens (Haus Magdalena), und das Mehrgenerationenhaus in Waldfischbach-Burgalben freuen.
Mehr als 30 Stepp-Bretter
Unter dem überdachten Bereich des Schulhofes stehen die mehr als 30 Stepp-Bretter. Das war mal anders gedacht. Im bunt geschmückten Schulhof sollte ab 8 Uhr morgens bis in den Nachmittag hinein ohne Pause – Ausnahme die Wechsel zwischen den zuvor genau festgelegten Gruppen – gesteppt werden. Pünktlich um 7.30 Uhr entlud sich das erste Gewitter, öffnete der Himmel seine Schleusen und sorgte so für die Verlagerung unters Dach. Marathon noch mal absagen? „Auf keinen Fall“, sagt Stein, während der Song „Rhythm oft the Night“ zu hören ist. Den hat 1993 eine italienische Sängerin namens Corona zu einem Welthit gemacht. Zufall? In jedem Fall passend.
Mit kleinen Schritten Großes bewirken
Corona – nicht die Sängerin, sondern die Pandemie – hat viel mit dem Step-Aerobic-Marathon zu tun. An der IGS sind Spendenläufe seit Jahren Tradition. 2020 fiel der Lauf aus. Corona-bedingt. So sei die Idee entstanden, mit kleinen Schritten rauf aufs Brett, runter vom Brett, was Großes zu bewirken, erzählt Stein. Inspiriert vom Dalai Lama, der sagte, falls man glaube, zu klein zu sein, um etwas zu bewirken, solle man mal versuchen zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist.
Der Step-Aerobic-Marathon-Plan reifte, weil er sich mit Blick auf einzuhaltende Abstände in Pandemiezeiten gut umsetzen ließ. Kurz vor Weihnachten sollte er stattfinden. Der Termin stand und musste abgesagt werden, weil die Weihnachtsferien kurzfristig früher begannen. Pandemie-bedingt.
Corona blieb das beherrschende Thema, aber der Marathon blieb auf der To-do-Liste und wurde jetzt umgesetzt. Dank gesunkener Inzidenz konnte sogar ohne Maske gesteppt werden. Mal mit mehr, mal mit weniger Elan gingen die Teilnehmer die Sache an. Mal in Sneakern, mal in Badeschlappen. Die Abschlussklassen feierten ihr Adieu von der Schule mit einem Casual-Schlafanzug-Tag. Steppen ging trotzdem.
Ein viertes und fünftes Mal
„Ich musste schon zweimal aufs Brett“, sagt Finn. „Du durftest zweimal aufs Brett“, antwortet Stein dem Schüler lachend und freut sich, als Finn erklärt: „Beim zweiten Mal hat es sogar Spaß gemacht.“ So viel Spaß, dass er freiwillig ein drittes, viertes und fünftes Mal auf die Bretter steigt.
„Kann man sich ein Lied wünschen?“, fragt Felix. Musik wünschen ist nicht. Die Techniker Lorenz und Noel sind die Herren über die Playlist. „Apache wäre cool“, sagt ein Mitschüler. Geht nicht. Apache rappt oft unter 100 beats per minute, das reicht nicht, um auf die 1000-plus-Schritte zu kommen.
Mehr als die täglich mindestens empfohlenen 10.000 Schritte bringen Antonia, Esther, Svenja, David, Sarah und Wibke am Marathon-Tag auf den Zähler. Sie sind die Vor-Stepper, ihren Schritt-Kombinationen gilt es zu folgen. Rauf, runter, rauf. Keine Atempause. Im Schnitt alle 30 Minuten wechseln sie sich im Zweier- oder Dreier-Team ab. Für Abkühlung sorgt eine kostenlose Regendusche. „Macht Spaß“, sagt Svenja, bevor es nach der Regendusche zurück aufs Brett geht. Für den guten Zweck.