Dahn RHEINPFALZ Plus Artikel Gabi Christmanns Weg zur Spielzeughändlerin auf der Air Base

Gabi Christmann betreibt auf der Air Base in Ramstein ein Spielzeugwarengeschäft.
Gabi Christmann betreibt auf der Air Base in Ramstein ein Spielzeugwarengeschäft.

Trends folgen, Kunden verstehen: Gabi Christmann aus Dahn verkauft in der Mall der Air Base Ramstein Spielzeug, das in deutschen Läden oft erst ein Jahr später ankommt.

Für Gabi Christmann herrscht derzeit noch ein kurzer Moment der Ruhe vor dem Sturm. Die ersten Anzeichen dafür sind jedoch schon zu erkennen: Karton um Karton stapelt sich die Ware in Dahn-Reichenbach. Ein Blick ins Innere verrät: Darin geht es schaurig zu. „Wir bereiten uns gerade auf Halloween vor“, erzählt die 60-Jährige inmitten von Streitäxten, blutverschmierten Teppichen und dem ein oder anderen Skelett.

„Für Amerikaner ist Halloween riesig“, sagt Christmann. Doch auch der Valentinstag, Ostern und Weihnachten seien Höhepunkte im amerikanischen Kalenderjahr. Genau daran orientiert sich die 60-Jährige: Sie betreibt das Spielzeuggeschäft Gabi Toys in der Mall der Air Base Ramstein. „Es ist die größte Mall außerhalb der USA“, erzählt Christmann.

Mit einem Weihnachtsmarkt fing es an

2010 sei sie zum ersten Mal als Händlerin in der Mall gewesen, damals habe sie sich dort für einen Stand bei einem Weihnachtsmarkt beworben. Kontakte zu US-Amerikanern hatte sie schon zuvor, sie habe vor etlichen Jahren beim US-Militär auf der Husterhöhe in Pirmasens im Büro gearbeitet, erzählt sie. Als sie gehört habe, dass in Ramstein eine Mall gebaut werde, habe sie sich das unbedingt anschauen wollen.

Ihr Unternehmen hatte sie zu diesem Zeitpunkt noch in Dahn, wo sie seit 1999 pädagogisch wertvolles Holzspielzeug verkaufte. „Es waren schöne, aber hochpreisige Sachen“, erinnert sich Christmann. Dieses Sortiment sei bei der US-Kundschaft allerdings wenig angekommen. So entschied Christmann, ihre Ware zu verändern und einen neuen Anlauf zu starten. „Kreischig, schrill und bunt“, beschreibt sie mit einem Augenzwinkern, was sich besonders gut verkauft habe.

Wandernde Stände in der Mall

Ab 2011 sei sie immer wieder temporär mit einem Verkaufsstand in der Mall vertreten gewesen. Mal ein bis zwei Wochen, mal länger. „Wir mussten jedes Mal alles auf- und wieder abbauen“, erinnert sich Gabis Ehemann Ralf Christmann (62).

2013/14 habe sie beschlossen, ihre Energie ganz auf die Mall zu konzentrieren und das Geschäft in Dahn aufzugeben, berichtet Gabi Christmann. Dazu habe auch eine Baustelle vor ihrem Geschäft beigetragen, durch die die Kunden in Dahn weniger geworden seien.

In der Mall habe es zu diesem Zeitpunkt kein stationäres Spielwarengeschäft gegeben. 2016 schließlich sei genau so ein Laden weltweit ausgeschrieben worden. „Ich habe mich direkt beworben“, erzählt Christmann. Mit Erfolg. Anstelle des temporären Verkaufsstandes betreibt Gabi Christmann seither ein Geschäft mit rund 150 Quadratmetern Verkaufsfläche. Sie biete eine Auswahl für alle Altersklassen an – vom Baby bis zum Teenager. Die Ware stamme zu 95 Prozent aus Asien.

Nah an den amerikanischen Trends sein

Sie versuche, möglichst nah an den amerikanischen Trends zu sein, erzählt Christmann. Letztlich komme es darauf an, das Gewünschte zum richtigen Zeitpunkt im Laden zu haben. „Man muss immer ein bisschen herausstechen und den Trends folgen“, resümiert sie. Dazu frage sie regelmäßig auch die Kinder, die in ihr Geschäft kommen. Die wüssten am besten, was gerade gefragt sei.

Generell liege ihr Sortiment etwa ein Jahr vor dem in deutschen Geschäften, schätzt die Unternehmerin. In Sachen Trends seien nach wie vor Kinofilme ein guter Indikator. Jedes Jahr besuche sie zudem die Spielzeugmesse in Nürnberg, um dort die Ware in die Hand zu nehmen, die sie später in ihrem Geschäft anbietet. „Ich will sicherstellen, dass es kein Müll ist“, sagt sie.

Nur ein Tag im Jahr geschlossen

Ihr Geschäft habe nur an einem einzigen Tag im Jahr geschlossen: am 25. Dezember. Ansonsten sei es täglich von zehn bis 19 Uhr geöffnet. Gabi Christmann ist zufrieden, wie sich das Geschäft über die Jahre entwickelt hat. „Es läuft gut“, sagt sie. Derzeit beschäftige sie vier Teilzeitkräfte in der Mall, die mit ihren Ehepartnern nach Ramstein gekommen seien. Neben den Angehörigen des US-Militärs und ihren Familien zählten auch Soldaten der Nato-Mitgliedstaaten zu ihren Kunden.

Ihr Job bedeute immer wieder schwere körperliche Arbeit und viel Fahrerei. Da nicht jeder Lieferdienst oder Spediteur die Air Base anfahren dürfe, werde ein Teil der Ware nach Dahn-Reichenbach ins Industriegebiet geliefert. Dort hat ihr Sohn Dominic Christmann eine Halle, die als Lagerfläche genutzt werde. Den Transport der Produkte zur Air Base übernehmen Gabi und Ralf Christmann selbst.

Für Halloween eigene Fläche bespielen

Nun steht Halloween vor der Tür. Damit habe sie erstmals 2013 zu tun gehabt. Bis zu diesem Zeitpunkt sei der Halloween-Verkauf in der Mall von einer Geschäftsfrau aus Pirmasens organisiert worden, die in Ruhestand gehen wollte. „Für uns ist es jetzt das 13. Halloween“, erzählt Christmann. Dazu werde ihr jedes Jahr in der Mall eine zusätzliche Verkaufsfläche zugewiesen, die sie dann rund sieben Wochen lang bestückt – parallel zum Spielwarengeschäft. Eigentlich würde sie ja gern selbst einmal Halloween feiern, erzählt Gabi Christmann – aber dafür bleibe einfach keine Zeit.

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