Corona-Krise RHEINPFALZ Plus Artikel Südwestpfalz: Kreis will Heilsbach als Pflegeeinrichtung nutzen

In der Heilsbach sollen zunächst 50 Plätze für pflegebedürftige Menschen eingerichtet werden.
In der Heilsbach sollen zunächst 50 Plätze für pflegebedürftige Menschen eingerichtet werden.

Die Bildungs- und Freizeitstätte Heilsbach in Schönau wird bis Anfang nächster Woche zum Notquartier für Pflegebedürftige umfunktioniert. Zunächst soll der Kreisverband des Arbeiter-Samariter-Bundes dort 50 Plätze bereithalten. Ziel ist es, Menschen, die von ihren mit dem Coronavirus infizierten Angehörigen nicht mehr betreut werden können, zentral zu versorgen.

Wenn die Zahl der mit dem Coronavirus-Infizierten stärker ansteigt, wird es in der Region zu einem „Pflegenotstand“ kommen, sagte am Mittwoch der für Soziales zuständige Kreisbeigeordnete Peter Spitzer. Pflegebedürftige Menschen aus den beiden Städten und dem Landkreis, die nicht mehr von ihren Angehörigen oder einem ambulanten Pflegedienst betreut werden können, sollen in der Bildungs- und Freizeitstätte Heilsbach in Schönau aufgenommen werden. Ab Montag sollen dort zunächst 50 Plätze zur Verfügung stehen, ein Ausbau auf 140 Plätze sei möglich, sagte Spitzer. Der ASB-Kreisverband wird für die Einrichtung verantwortlich sein, gesucht werden noch ehrenamtliche Helfer für die Betreuung.

Zwei Probleme in der Pflege

Spitzer rechnet damit, dass in nächster Zeit zwei Problemlagen aufeinander treffen könnten: Zum einen ist das der Ausfall der derzeit pflegenden Personen – entweder Angehörige oder Mitarbeiter eines Pflegedienstes – wegen einer Covid-19-Erkrankung. Zum anderen ist es die sich zuspitzende Situation bei der privat organisierten Betreuung durch osteuropäische Pflegekräfte. Pflegekräfte, deren Aufenthaltserlaubnis abgelaufen ist, kehren in ihr Heimatland zurück, ihre Nachfolgerinnen dürfen oder wollen nicht mehr nach Deutschland kommen.

Die 28 ambulanten Dienste, die es in der Region gibt, würden jetzt über das weitere Vorgehen informiert. Ziel sei es, die Kräfte zu bündeln. Um die häusliche Betreuung der Schwerstpflegebedürftigen – Pflegegrade 4 und 5 – zu gewährleisten, sollen die gering bis schwer Beeinträchtigten – Pflegegrade 1 bis 3 – in der Heilsbach betreut werden.

Arztzimmer in Klassensälen

Die Arbeiten zur Vorbereitung des Notlazaretts in der ehemaligen Realschule Wallhalben liegen im Plan. Landrätin Susanne Ganster ging davon aus, dass die 500 Feldbetten noch am Mittwoch angeliefert werden. Derzeit liefen die Reinigungsarbeiten. Vorbereitet werde die Einrichtung einer Corona-Ambulanz, dort sollen zunächst die nicht schwer Erkrankten behandelt werden. „Wir arbeiten derzeit eine Checkliste der Kassenärztlichen Vereinigung ab, wie die Arztzimmer eingerichtet werden sollen“, sagte Ganster. Als Ärztezimmer dienen die früheren Klassensäle. Die Corona-Ambulanz soll möglichst noch diese Woche startbereit sein. Die Feldbetten im Notlazarett werden erst benötigt, wenn die drei Krankenhäuser und das Evangelische in Zweibrücken, das als Notkrankenhaus wiedereröffnen soll, voll belegt sind. „Das Notlazarett ist das letzte Glied in der Kette“, sagte sie. Vorher gebe es keinen Grund, jemanden auf ein Feldbett zu legen. „Wir müssen dafür sorgen, dass die schwer Erkrankten ins Krankenhaus kommen.“

Nachschub an Schutzausstattung

Ganster sagte, dass im Wallhalber Lazarett die nicht so schweren Covid-19-Fälle behandelt werden sollen. „Ich hoffe, dass wir nie so weit kommen, dass wir Beatmungskapazitäten außerhalb von Krankenhäusern benötigen“, so die Landrätin.

In einigen Arztpraxen im Kreis geht, wie am Dienstag berichtet, die persönliche Schutzausstattung zur Neige. Für ein wenig Entspannung konnte die Kreisverwaltung sorgen. „Wir haben die Arztpraxen mit einer kleinen Lieferung über das Gesundheitsamt versorgt“, erklärte Ganster. Sie hoffe, dass die vom Land zugesagten Lieferungen bald eintreffen.

Jetzt 39 Covid-19-Erkrankte

Am Mittwochnachmittag lagen acht neue positive Testergebnisse auf das Coronavirus (Covid-19) von Personen vor, von denen zuvor im Corona-Testzentrum in Höhfröschen ein Abstrich genommen wurde. Insgesamt wurden bis Mittwoch 39 Fälle im Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamts Südwestpfalz positiv auf das Coronavirus getestet. Diese 39 bestätigten Fälle verteilen sich auf die Städte Pirmasens (11/4 neu) und Zweibrücken (4) sowie die Verbandsgemeinden Dahner Felsenland (5/1), Hauenstein (1), Pirmasens-Land (1/1), Rodalben (1) Thaleischweiler-Wallhalben (8/1), Waldfischbach-Burgalben (2/1) und Zweibrücken-Land (6). Die ermittelbaren Kontaktpersonen werden über die Infektion informiert. Damit hat das Coronavirus nun jede Verbandsgemeinde im Kreis erreicht.

Einer der beiden mit Corona-Verdacht ins Zweibrücker Krankenhaus eingelierten Patienten wurde positiv auf das Virus getestet. Das Nardini-Klinikum hat die Testergebnisse aber noch nicht ans Gesundheitsamt weitergereicht, sodass die offizielle Statistik diesen Fall noch nicht ausweist.

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