Thaleischweiler-Wallhalben RHEINPFALZ Plus Artikel „Rette sich, wer kann, so schnell wie möglich“

 Die Feuerwehren in Thaleischweiler-Fröschen und Rieschweiler-Mühlbach bekommen Motorboote – „für Katastrophen, von denen wir ho
Die Feuerwehren in Thaleischweiler-Fröschen und Rieschweiler-Mühlbach bekommen Motorboote – »für Katastrophen, von denen wir hoffen, dass sie nie eintreten«, sagte Verbandsbürgermeister Thomas Peifer. Das Foto entstand Anfang 2018 in Dellfeld in der Nachbarverbandsgemeinde.

Schlamm im Keller, Wasser wo es nicht hingehört und große Schäden verursacht. Lokal begrenzte Starkregenereignisse, Gewitterzellen, die nicht weiterziehen, sind Folgen des Klimawandels. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ein solches Ereignis jeden treffen kann. Die Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben hat 2020 beschlossen ein Starkregen- und Hochwasserschutzkonzept zu erarbeiten. Seit August laufen die Arbeiten.

Das Problem bei Starkregenereignissen sei, dass sie meist sehr kleinräumig auftreten, die Vorhersagen sehr unsicher sind und dass es oft kaum oder keine Vorwarnzeit gibt. Es könne passieren, dass es in einem Ort nicht regnet, und im Nachbarort zehn Kilometer entfernt schwimmt alles weg, skizzierte Christof Kinsinger vom Informations- und Beratungszentrum Hochwasservorsorge Rheinland-Pfalz (IBH) die Problematik.

Hohe Sturzflutgefahr in den Dörfern im Tal

Zur laufenden Grundlagenarbeit für das Konzept gehört unter anderem das Heranziehen der Karten, die das Land für die Gefährdung durch Starkregenereignisse erstellt hat. Die zeigen grob, wie unterschiedlich das Gefahrenpotenzial auf kleinem Raum ist. Während die Sturzflutgefahr in den Talgemeinden Thaleischweiler-Fröschen, Rieschweiler-Mühlbach oder Wallhalben als hoch eingestuft wird, ist sie in der am Berg gelegenen Gemeinde Herschberg gering, in Reifenberg mäßig.

Das seien allerdings sehr grobe Daten. Entscheidend seien die Gegebenheiten vor Ort, sagte Martin Rutschmann vom Dahner Ingenieurbüro Dilger, das im Auftrag der Verbandsgemeinde und in Zusammenarbeit mit dem IBH und der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD) das Konzept erarbeitet.

Deshalb schauen sich die Fachleute die Gegebenheiten in allen 20 Ortsgemeinden an. In gut der Hälfte der Ortsgemeinden ist das bereits geschehen, bis Monatsende sollen alle Gemeinden und die neuralgischen Punkte in der Ortslage, aber auch in Feld und Flur besichtigt sein.

Auf Grundlage dieser Daten wird zunächst eine Defizitanalyse erstellt und ermittelt, wo Handlungsbedarf besteht, erläuterte Rutschmann am Dienstag beim Auftakt zur Konzepterstellung in Herschberg. In enger Kooperation mit den Bürgern wird das Konzept erstellt. In einem ersten Schritt bittet das Ingenieurbüro die Bürger mitzuteilen, welche Gefahrenpunkte sie kennen. „Die Menschen vor Ort wissen, wo sich bei Gewitter, bei Regen das Wasser sammelt, wie es abläuft“, sagte Christof Kinsinger von IBH.

Die Dorfbewohner sollen zeigen, wo es Probleme gibt

Diese Informationen können bereits jetzt schriftlich beim Ingenieurbüro oder bei der Verbandsgemeindeverwaltung eingereicht werden oder bei der ersten Bürgerbeteiligung geschildert werden, die bis Jahresende geplant ist. Menschen aus Thaleischweiler-Fröschen können zum Beispiel von den Folgen des Sturmtiefs Fabienne erzählen, das im September 2018 für überflutete Straßen und zugeschlammte Keller gesorgt hatte. Im Dezember 2018 war in einer Bürgermeisterdienstbesprechung erstmals das Hochwasserschutzkonzept thematisiert worden, erinnerte Verbandsbürgermeister Thomas Peifer (CDU).

Wie sehr das Problem drängt, zeigte sich zuletzt an der Katastrophe im Ahrtal. Das sei allerdings eine Katastrophe größten Ausmaßes gewesen, und die Erkenntnis aus dieser laute: „Rette sich, wer kann, so schnell wie möglich“, sagte Kinsinger. Die Bürger für Gefahrensituationen zu sensibilisieren gehöre zum Konzept dazu. Gut gemeinte Versuche, im Keller oder in der Garage noch etwas zu retten, werden zur tödlichen Gefahr, weil es zu Stromschlägen komme oder sich wegen des steigenden Wasserdrucks Türen nicht mehr öffnen lassen.

Auf Grundlage all der Daten und Fakten, die für die Orte in der Verbandsgemeinde erfasst werden, wird ein Schutzkonzept entworfen. Dieses soll im Frühjahr/Sommer 2022 in einer weiteren Bürgerversammlung vorgestellt werden.

Rutschmann und Kinsinger zeigten, wie vielfältig die zu treffenden Maßnahmen sein können, inklusive des „Rette sich wer kann“-Szenarios. Regenrückhaltebecken könnten nicht beliebig groß gebaut werden. Sie helfen, Wasser zurückzuhalten, „aber bei größeren Hochwassern werden sie überschwemmt“, erläuterte Kinsinger. Es gehe darum, kritische Infrastruktur so abzusichern, dass sie funktionsfähig bleibt oder im Notfall schnell wieder in Betrieb gehen kann, sagte Rutschmann. Eine scheinbare Kleinigkeit, aber eine wichtige Daueraufgabe sei es, Ab- und Zuflüsse frei zu halten. Nichts hinzustellen, freischneiden, lauten Aufgaben. Und kontrollieren. Viele Feuerwehren seien dabei, ihre Gefahrenabwehrpläne um das Modul Hochwasserschutz zu erweitern, sagte Kinsinger. Das passiere zum Beispiel auch auf Kreisebene ergänzte Thomas Peifer. Dort gehe es um die Ausstattung der Wehren „für Katastrophen, von denen wir hoffen, dass sie nie eintreten“, bekannte er. Motorboote für die Wehren in Thaleischweiler-Fröschen und Rieschweiler-Mühlbach sind vorgesehen.

Selbst Gartenmöbel können zum Problem werden

Es gelte aber, schon beim Baurecht vieles zu berücksichtigen, bei ohnehin anstehenden Sanierungsmaßnahmen auch den Blick darauf zu haben, wie Abflussmöglichkeiten verbessert werden können. Auch das Totholzmanagement ist wichtig. Das Problem hatte zuletzt im Weselberger Gemeinderat Hubertus Kunz, der Bürgermeister der von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Gemeinde Mayschoss erläutert. An der Ahr staute sich liegen gebliebenes Holz an Brücken, versperrte diese. Das Wasser staute sich noch schneller, es gab einen Tsunami-Effekt. Das sei nicht das einzige Problem, verwies Kinsinger auf Gartenmöbel, Werkzeuge und ähnliches, das bei Starkregen für verheerende Stausituationen sorgen kann.

Private Vorsorge ist ein entscheidender Faktor im Konzept, unterstrichen alle Beteiligten. Nicht nur beim Thema Elementarversicherung oder stärkerer Sensibilisierung für Gefahrenlagen und richtiges, möglicherweise Leben rettendes Verhalten. Das Land fördert die Konzepterstellung, übernimmt 90 Prozent der Kosten. Das beinhalte auch, dass sich Privatleute beraten lassen können. Das Ingenieurbüro könne private Grundstücke fachlich begutachten, sagte Annabelle Eisenhuth, von der SGD Süd. Das Ingenieurbüro werde die entsprechenden Beratungstermine bündeln und über die SGD die entsprechenden Zuschüsse regeln lassen.

x