Käshofen(Kleinsteinhausen
Rekordernte bei fast allen Obstsorten
Die Bäume leiden bei fast allen Obstsorten unter der Last des Fruchtbehanges. Michael Höh vom Obst- und Gartenbauverein Herschberg sieht als wesentlichen Grund, dass es vergangenes Jahr kaum Steinobst gab. Die Bäume waren ausgeruht und hätten viel Fruchtholz angesetzt. Darum habe es im Frühjahr eine starke Blüte gegeben „und zum Glück keine Frostschäden“. Die Trockenheit habe etwas später eingesetzt, sodass es zu dieser außergewöhnlichen Menge an Obst gekommen sei. Der große Nachteil: Die Bäume werfen jetzt aus Wassermangel viele Früchte ab und noch mehr Obst geht schnell in Fäulnis über, so Höh.
Gegen die Fäulnis gebe es kaum ein wirkungsvolles Rezept. Lediglich gegen den Apfelwickler könne man sich im Frühjahr wehren, damit nicht jeder Apfel angestochen wird und später schnell verdirbt. Hilfreich sei die Anbringung von Leimringen, so Höh. Den Bäumen helfe auch, wenn sie bewässert werden können. Außerdem könne man den Fruchtbehang widerstandsfähiger machen und schöneres Obst ernten, wenn man den zu starken Fruchtbehang rechtzeitig ausdünnt, damit der Baum seine Kräfte auf eine angemessene Menge an Früchten konzentrieren kann, rät der Fachmann aus der Vorstandschaft des Kreisverbandes der Obst- und Gartenbauvereine Südwestpfalz.
Verwertungsmöglichkeiten ausschöpfen
Höh selbst verkauft gut gepflegtes Obst von den eigenen Streuobstwiesen. Außerdem kocht seine Ehefrau auch Marmelade, die alle im Haus – auch die Enkel – lieben. Im Moment überlegt er, ob er aus der reichen Apfelernte noch Schnaps brennt. Einige Freunde sehen dies als Ausweichmöglichkeit, um das reichliche Obstangebot vor dem Verderben zu retten. Höh stellt sich mit Himbeeren eine Veredelung des Alkohols zum Likör vor. Es gehe je nach Geschmack auch mit Brombeeren, Schlehen, Johannisbeeren schwarz oder rot und Nüssen. Viele Streuobstwiesenbesitzer ließen vor allem aus ihren Äpfeln Apfelsaft pressen, was eine gute Alternative sei, findet Höh. Er kann die Qualität und Haltbarkeit seines Obstes gut steuern, da er in seinem Kühlhaus für das richtige Klima sorgen kann, damit das Obst den Geschmack und das gute Aussehen behält.
Bei den frühen Äpfeln sei der Erntezeitpunkt durch viele Sonnentage um zwei Wochen nach vorne gerückt. Die Spätäpfel können noch hängen, da sie jetzt erst ihre schöne Färbung erhalten, wenn die Nächte etwas kühler sind, findet Höh. „Es braucht ein wenig Fingerspitzengefühl, um trotz aller Probleme noch mit seinem Ernteergebnis zufrieden zu sein“, meint der leidenschaftliche Obstanbauer.
Hausmittel gegen Erkältung
„Es ist unmöglich, dieses Überangebot auf den Bäumen zu ernten“, bedauert Heinz Clemens vom Obst- und Gartenbauverein Käshofen. Die Kirsch-, Zwetschgen- und Mirabellenbäume hätten so vollgehangen, dass es niemand schaffe, diese Obstmenge für den Eigenverbrauch zu verwerten. Bei den Äpfeln hingen die überlasteten Äste bis zum Boden oder seien gar gebrochen. Eine riesige Ernte gebe es auch bei Walnüssen. Die von der Sonne verwöhnten Mirabellen wollte Clemens im kleinen Umfang noch vor dem Verderben retten. Er wird aus ihnen Schnaps brennen lassen, um sich damit gegen bald aufkommende Erkältungen zu wappnen. Für den Hausgebrauch habe man zum Frühstück Marmelade gekocht.
Trotz alledem sind die Freunde eigener Obstanlagen überrascht, dass das trockene Jahr 2020 ihnen eine solche Rekordernte bei fast allen Obstsorten beschert hat. Norbert Fakundiny aus Kleinsteinhausen hat die Möglichkeiten genutzt, um die gute Kirschen-, Zwetschgen- und Mirabellenernte zu verwerten. Damit hat er auch der Ehefrau Arbeit beschert, damit man über Winter noch von der Obsternte schmecken kann. Er hat alte Apfelsorten, von denen er hofft, dass sie etwas länger halten. Nur habe er wie viele Hausbesitzer das Problem, dass man heute keinen geeigneten Keller mehr hat, in dem die Luftfeuchtigkeit für das Obst ideal ist. Darum sei manchmal eine Aufbewahrung im Gartenhäuschen – bis vielleicht gefährlicher Frost kommt – ein günstigerer Lagerort, weil er die Haltbarkeit verlängert.
Obsternte ohne Ängste
Auch viele Gemeinden besitzen Obstbäume. Sie haben dieses Jahr die Bevölkerung aufgefordert, sich Obst zu holen, damit nicht alles verfault. Reifenbergs Bürgermeister Pirmin Zimmer hat in einer Ratssitzung aufgefordert, dass sich die Dorfbewohner bedienen können. Der saarländische Bundestagsabgeordnete und Grünen-Landesvorsitzende, Markus Tressel, spricht sich für eine Initiative aus, der Lebensmittelverschwendung vor der Haustür zu begegnen. Er findet es gut, wenn Obstbäume mit gelben Bändern gekennzeichnet werden – als Zeichen, dass dort jeder ernten darf.