Rieschweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Platz der Vielfalt: Alles blüht und gedeiht

Die vier vom Heimatverein Rieschweiler legen am Platz der Vielfalt bzw. Dorfacker eine Kräuterschnecke an, 23.7.21: Simone Leibr
Die vier vom Heimatverein Rieschweiler legen am Platz der Vielfalt bzw. Dorfacker eine Kräuterschnecke an, 23.7.21: Simone Leibrock (schwarzes Oberteil, Andreas Glahn, Gabi Poller und Jürgen Poller (schwarzes Shirt).

Blumen blühen, Wildbienen summen, Bäume und Kräuter wachsen, wo ehemals nur Gras wuchs. Einen „Platz der Vielfalt“ oder einen „Dorfacker“ haben Mitglieder des Heimatvereins Rieschweiler in monatelanger Arbeit auf der Verkehrsinsel vor der Jomo im Hechtloch angelegt. Sie haben ihn stilvoll dekoriert. Und die Kinder nicht vergessen.

Angefangen hat alles im Herbst 2020, als Gabi und Jürgen Poller, zusammen mit anderen Heimatvereinsmitgliedern „s’Linda“, eine etwa zweieinhalb Meter hohe Linde, relativ mittig in der großen Verkehrsinsel gepflanzt haben. Dazu kamen schnell vier von der Kreisverwaltung gespendete Obstbäume, nämlich zwei Birnen, eine Mirabelle und ein Apfelbaum.

Um „s’Linda“ herum steht mittlerweile eine Rundbank. Dann artete es aus. „Weil der Bauer, der die Wiese immer gemäht hat, um die Obstbäume herum mit seinen großen Geräten schlecht mulchen konnte, haben wir einfach eine Blühwiese an der langen Seite zur Jomo hin angelegt“, sagt Gabi Poller vom Heimatverein. Das war im Frühjahr 2021. Das Mulchen ist somit entfallen. Bauer Jochen Danner hat schließlich geholfen, auch noch ein Grumbeerfeld anzulegen neben dem Blühstreifen. Platz war ja genug da.

Fest im Herbst geplant

„Im Herbst wollen wir ein Grumbeerbrotfeschd machen“, kündigt Gabi Poller schon an. Mit Pferden wurde gedüngt, alles umgegraben und schließlich den zahlreichen Kritikern Paroli geboten. „Das ist Sandboden, da wächst nichts an“, hätten etliche Rieschweiler Mitbürger gewarnt. Doch scheinbar wussten das weder die Obstbäume, noch die Blühpflanzen oder die Kartoffeln. Alles gedeiht und blüht auf der Verkehrsinsel, welche die Heimatvereinsmitglieder mit viel Einsatz, Schweiß, aber auch Fantasie bepflanzt haben.

Jeden Freitag treffen sie sich an ihrem Dorfacker. Gabi Poller, die meist von ihrem Mann Jürgen unterstützt wird, Simone Leibrock und Andreas Glahn, sind ein eingeschworenes Team. Sie arbeiten und schwätzen miteinander. Und freuen sich auf den nächsten Freitagnachmittag.

Viele bleiben stehen und gucken neugierig

Besondere Freude macht ihnen, dass ihr Platz der Vielfalt so viel Resonanz findet. Viele Leute bleiben stehen, wenn sie vorbeifahren, manche steigen sogar aus ihren Autos aus, um sich alles genau zu betrachten. Zum Beispiel die Müsli-Ecke, in der verschiedene Beeren wachsen und Hafer. Die Müsli-Ecke ist mit einem alten gusseisernen Geländer abgetrennt, auf dem zwei antike Fleischwölfe zu bewundern sind. Nicht zu vergessen die alten, runden Kuchenbleche, die als Schilder dienen.

Das Eisenpferd

Ein lebensgroßes Pferd aus Eisengeflecht mit historischen Ackergerät ziert den großen Platz ebenso wie ein großes Insektenhotel. Seit vergangener Woche gibt es auch eine Kräuterspirale, die die vier Schaffer liebevoll aus Sandsteinen angelegt und bepflanzt haben. Für das Pferd suchen die Dorfackerer noch einen passenden Namen.

Für die Kinder gibt es einen Gummitwist genauso wie ein „Hickelheisje“ und eine Klickerbahn. Die besuchen auch Omas mit ihren Enkelkindern gerne.

Die Leute passen auf ihren Dorfacker auf

Nicht nur vor dem Sandboden haben Kritiker gewarnt, auch hatten einige Rieschweiler Einwohner Bedenken, dass Rabauken ihr Mütchen auf dem Dorfacker kühlen. Doch nichts dergleichen ist bis jetzt passiert. „Wir hatten noch keine einzige Zerstörung oder Diebstahl“, freut sich Gabi Poller.

Die Leute passen auf den Dorfacker auf und sie beteiligen sich. Zwar nicht bei den wöchentlichen Arbeitseinsätzen, aber bei anderen Gelegenheiten. So hat ein Mann aus Höhmühlbach das große Insektenhotel gespendet, andere kamen mit Setzlinge und Gemüsepflanzen an, wieder ein anderer brachte einen Baumstumpf mit schmalem Schlitz, in dem Wildbienen nisten.

„Die Bankräuber“

Diese Unterstützung treibt die Pollers, Simone Leibrock und Andreas Glahn an. Ihr Engagement erstreckt sich weit über den Dorfacker hinaus. So stellte der Heimatverein in der Dorfmitte von Rieschweiler bereits einen Bücherschrank auf, einer am alten Dorfgemeinschaftshaus Höhmühlbach folgte daraufhin.

„Die Bankräuber“, eine Männertruppe im Heimatverein, hat allein im Frühjahr über 60 Sitzbänke in und um Rieschweiler-Mühlbach komplett renoviert. Laut Gabi Poller, Kulturwartin des Heimatvereins, gibt es eine Art Aufteilung im Verein. Die Männer der „Bankräuber“ arbeiten auch im Wald, dafür betreut sie mit ihrem Mann, Simone Leibrock und Andreas Glahn den Dorfacker vor der ehemaligen Maschinenfabrik Jomo.

So schnell gehen den vier von der Verkehrsinsel die Ideen nicht aus. Dafür sorgen auch immer wieder Ablegerspenden von lieben Menschen aus Rieschweiler und Höhmühlbach, die gepflanzt werden müssen.

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