Kreis Südwestpfalz Notabflüsse offen halten
Bei einem der letzten Starkregen kam das Wasser bei einer Kleinsteinhauser Familie aus den Steckdosen. Daran erinnert sich Bürgermeisterin Martina Wagner vor der Bürgerversammlung zum Hochwasserschutz, zu der am Donnerstag Abend mehr als 30 Bürger in die Mehrzweckhalle kamen. Sie hörten einen Vortrag des Ingenieurbüros Dilger aus Dahn zum Hochwasserschutz in Kleinsteinhausen und diskutierten, was jeder einzelne tun kann, wenn das Wasser die Straßen heruntergeschossen kommt.
Bei Stromleitungsverlegearbeiten in Kröppen sei ein Arbeiter auf sie zugekommen, weil er glaubte, er habe eine Wasserleitung angebohrt. Klares Wasser sei aus der Erde geschossen. „Aber da war keine Wasserleitung“, erinnert sich Wagner. „Bei uns ist nur eine dünne Lehmschicht, und dann kommt der Fels“, berichtete sie Martin Rutschmann vom Ingenieurbüro Dilger. Dort sammle sich das Wasser und hat offensichtlich Druck. Kleinsteinhausen plant ein kleineres Neubaugebiet. Dort müsse jeder Bauherr selbst Vorsorge treffen. Günstig wäre es dort, sagt Rutschmann, wenn man einen 20 Meter breiten Ackerstreifen in Grünland umwandeln würde, einen Wulst aufschütte und den mit Hecken bepflanze. Der nehme schon viel Wasser auf, so Rutschmann. Durch Bepflanzung könne man im Faktor zehn Wasser aufnehmen lassen. So könne man schon viel erreichen. Denn oft könne der Kanal im Ort die Wassermengen, die von oben herunterschießen, nicht aufnehmen. Dann laufen die Keller voll. An einer Straße hatte die Gemeinde deshalb Querungen zur Klamm hin geplant. Doch die seien von der Kommunalaufsicht wieder einkassiert worden, berichtet Wagner. Während und nach dem Vortrag wurden auch Engstellen im Ort identifiziert und festgestellt, dass viele Abflussmöglichkeiten über die Jahre zugebaut wurden. Bei einer Engstelle machte Rutschmann darauf aufmerksam, dass sie keinesfalls zugebaut werden dürfe. Von dem Wirtschaftsweg oberhalb der Frankenstraße rauscht immer das Wasser runter, die Straße auf die das Wasser trifft, muss als Notabfluss offengehalten werden. Das müsse durch Baugenehmigungen geregelt werden, mahnte Rutschmann. Wagner äußerte Bedauern, „dass nicht alle, die betroffen waren, da sind.“ Niemand aus dem stark in Mitleidenschaft gezogenen Dusenbrücker Weg war da. Es sei in diesem Jahr schon dreimal ein 20-jähriges Ereignis über Kleinsteinhausen niedergegangen, so Rutschmann. „Der Klimawandel ist da, der lässt sich nicht mehr wegdiskutieren“. Bei solchen Ereignissen seien die Kanäle zu klein. Doch alle Kanäle ließen sich nicht austauschen. Häufig seien Straßenbauer nicht unbedingt in Wasserwirtschaft bewandert, gab Rutschmann zu bedenken. Starkregen könne auch schon relativ weit oben am Hang Probleme machen. Wenn das Gras gesättigt ist, kann es nichts mehr aufnehmen, so Rutschmann. Nur Schlamm und Geröll kämen dann weniger runter als aus einem Acker. Die Landwirtschaft könne mithelfen, indem Untersaat unter den Mais gesät werde. In so trockenen Sommern wie diesem sei die Untersaat nicht zu halten, wandte ein Landwirt ein. Er fragte auch, wer die zusätzliche Untersaat bezahlen solle. Zur Hochwasserversicherung sagte Rutschmann, mittlerweile müsse jedes Grundstück versichert werden. Früher konnten besonders gefährdete Grundstücke von den Versicherungen abgelehnt werden. Das geht heute nicht mehr. Doch wenn die Prämien zu hoch werden, müsse man sich überlegen, ob man nicht mechanisch den gleichen Schutz erreichen könne. Er zeigte Bilder von hochklappbaren Sperren und Rolltoren, die man zum Hochwasserschutz anbringen könne. Bei der Diskussion wurde auch klar, dass ein nagelneuer Stromverteilerkasten mitten in der Schusslinie des Wassers steht. Eine Terrasse soll sich beim letzten Starkregen wie eine Badewanne mit Wasser gefüllt haben und musste ausgepumpt werden. Die Hinweise der Bürger sollen nun in die genauere Bestandsaufnahme einfließen.