Ruppertsweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Nato-Bunker: Atombombensicher, aber geschlossen

Bis zu 120 Meter unter dem Fels des Arius liegen die Stollen, die das US-Militär in den 1980er Jahren anlegte.
Bis zu 120 Meter unter dem Fels des Arius liegen die Stollen, die das US-Militär in den 1980er Jahren anlegte.

Im Zuge des Ukraine-Krieges gab es auch Drohungen mit einem Atomschlag. Die Angst vor russischen Atomwaffen führt zu Fragen nach Schutzeinrichtungen und hier fällt der Blick gleich auf den größten, atombombensicheren Bunker in der Region bei Ruppertsweiler, der sogar einen Volltreffer überstehen soll. Seit acht Jahren ist der Bunker verschlossen.

Mehr als zwei Kilometer lang sind die teilweise 120 Meter unter dem Fels des Arius liegenden Stollen, die in den 1980er Jahren mit viel Geld und unzähligen Sprengungen vorangetrieben wurden. Die Nato hatte in Ruppertsweiler ihr Hauptquartier „Airnorth“ für die Luftstreitkräfte und hätte im Ernstfall von Ruppertsweiler aus den Einsatz von Atomwaffen befehligt. Die tatsächlich genutzten Stollen stammten jedoch noch aus Wehrmachtszeiten. Ein kleinerer Stollen wurde 1938 für den Nachschub bei einem Angriff auf Frankreich gebaut.

„Ruppertsweiler Underground Facility“, abgekürzt „Ruf“, nannte sich die Anlage später, die 650 Meter lang ist und für Manöver durchaus mit 500 Mann und 600 Computern bestückt wurde, was entschieden zu eng war, weshalb „Ruf 2“ gebaut werden sollte. Weitere 1,5 Kilometer mit Hallen von zehn Metern Höhe und einer Fläche von 125 mal 85 Metern, genannt „der Dom“. Dieser Bunker hatte einen eigenen Brunnen und wäre für 1000 Mann vorgesehen gewesen. Einen Volltreffer von einem Atomsprengkopf, der eine Zerstörungskraft von einer Megatonne hat, hätte die Anlage überstehen sollen.

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Bau 1992 gestoppt

1992 wurde der Bau von „Ruf2“ gestoppt. 2003 verabschiedete sich die Nato aus Ruppertsweiler, die Bunker wurden verschlossen, bis 2010 die Idee eines Hochsicherheitsrechenzentrums aufkam und vier Jahre lange Behörden und die Öffentlichkeit beschäftigte. In einem Tal am Arius wurde ein Nebeneingang der Bunkeranlage für die Planer wieder geöffnet. Der provisorisch verschlossene Eingang wurde aber regelmäßig aufgebrochen. Im Internet kursierten Fotos von Lichtkünstlern, die sich in der Anlage ausgetobt hatten. Allerdings finden sich auch Aufnahmen von dem vielen Müll, der offenbar unter Tage belassen wurde. 2014 war Schluss mit dem Traum vom Rechenzentrum. Der Seiteneingang wurde wieder mit viel Beton verplombt und mit Erde bedeckt. Dem Anschein nach scheint seitdem auch niemand mehr versucht zu haben, dort einzudringen. Die Fläche ist zugewachsen. Einzig Wildschweine hatten dort kürzlich den Boden aufgewühlt.

Keine Nutzung beabsichtigt

Das wird auch noch lange so bleiben. „Hinsichtlich der Nutzung der Bunkeranlage in Ruppertsweiler gibt es immer mal wieder unverbindliche Anfragen, die aber bisher zu keinen weiteren Verhandlungen geführt haben“, erklärte auf Anfrage das Mainzer Ministerium für Umwelt, das auch für den Forst zuständig ist und deshalb offiziell der Besitzer des Bunkers ist. Ob die Bundeswehr oder andere Militärs oder der Zivilschutz wieder Interesse an der immerhin dereinst für 35 Millionen Euro ausgebauten Anlage haben, kann das Bundesamt für Infrastruktur der Bundeswehr beantworten und auch dort heißt es: „Weder bei der Bundeswehr noch bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben werden Überlegungen angestellt, dieses Objekt in irgendeiner Weise wieder zu nutzen.“

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