Niederhausen
Maschinen- und Betriebshilfsring wählt und zieht Bilanz
„Wir schauen nach vorne“, sagte Hans-Dieter Bißbort, Vorsitzender des Maschinen- und Betriebshilfsrings (MBR) Südwestpfalz-Kaiserslautern, bei dessen Jahresversammlung in Niederhausen. Es bringe nichts, sich wegen gravierender politischer Fehlentscheidungen frustriert daheim hinzusetzen. Um Einkommen zu sichern, werde der Ring weiterhin attraktive Angebote machen.
Geschäftsführerin Christiane Seegmüller rief die Aktivitäten des vergangenen Jahres in Erinnerung. Am Tag des Neujahrsempfangs habe der Winter begonnen, sodass manche Landwirte sich auf ihre Schlepper setzten, um Winterdienst zu leisten. Fast den ganzen Januar über sei Salz gestreut und Schnee geräumt worden. Zusammen mit Thomas Schoch vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Westpfalz in Münchweiler an der Alsenz habe der Ring Infoveranstaltungen zur Maiszünslerbekämpfung und Düngerbedarfsermittlung sowie einen Güllefeldtag durchgeführt. In Verbindung mit dem Landesverband sei im März begonnen worden, ein Netzwerk von Sencrop-Wetterstationen aufzubauen. Zehn Stationen, die als digitales Werkzeug die Arbeit der Landwirte enorm unterstützten, seien bisher im Einsatz. Seegmüller: „Je mehr Daten zur Verfügung stehen, umso größer ist der Nutzen der am Wetter-Netzwerk Beteiligten.“
386 Mitglieder bewirtschaften 21.595 Hektar
Seegmüller präsentierte auch einige Daten. 40 Dienstleister – von Weilerbach bis Pirmasens, von Blieskastel bis Heltersberg – hätten im Jahr 2023 an 66 Objekten 471 Tonnen Salz gestreut. Sieben Landwirte hätten 6500 Kubikmeter Klärschlamm aus sieben Kläranlagen abgefahren. Elf Landwirte hätten sich an sieben Plätzen um das Grüngut gekümmert. „Zu Jahresende hatte der Ring 386 Mitglieder, die 21.595 Hektar Fläche bewirtschafteten“, informierte die Geschäftsführerin. Es habe 18 Austritte und vier Eintritte gegeben. Die beiden hauptberuflichen Betriebshelfer Hermann Oberer und Lukas Schehrer seien 3392 Stunden im Einsatz gewesen, die vier nebenberuflichen 631.
Für die gewerbliche Tochter des MBR, die Agrar Service Dienstleistungen Landwirtschaft und Umwelt GmbH (ASDLU), wurden rund 2,5 Millionen Euro verbucht. Die Haupteinnahmen stammten aus dem Verkauf von Diesel, Heizöl und Betriebsstoffen mit rund 1,361 Millionen Euro, dem Winterdienst mit 621.669 Euro, der Grüngutverwertung mit 351.000 Euro und der Verwertung von Klärschlamm mit 128.113 Euro. Die Schleppervermietung brachte 14.500 Euro, der Rapsölverkauf 8681 und die Grünpflege 4369 Euro ein. Im Jahr 2020 ist der Maschinenring 50 Jahre alt geworden. Coronabedingt musste die Feier ausfallen. „Wir werden nun den 55. Geburtstag gebührend feiern“, kündigte Bißbort an.
Gastreferent war Peter Pickel, Leiter des John Deere European Technology Innovation Centers (ETIC) in Kaiserslautern. Er erläuterte, dass E-Mobilität bei landwirtschaftlichen Maschinen noch in den Kinderschuhen steckt. Forschung und Entwicklung seien schon deshalb notwendig, weil die Land- und Forstwirtschaft jährlich zwei Milliarden Liter Diesel verbrauche, was rund fünf Prozent des gesamten Dieselkraftstoffverbrauchs ausmache. Dadurch würden im Jahr rund sieben Millionen Tonnen Treibhausgase emittiert. Unter anderem durch die Verbesserung der Maschineneffizienz und den Einsatz regenerativer Energieträger ließen sich die Emissionen verringern.
Traktor am Stromkabel
Das größte Problem bei der Elektrifizierung sei, die Energie auf die Fahrzeuge zu bringen. Ausdauer bei voller Leistung sei bei diesen gefragt, doch dem seien Grenzen gesetzt. Ein 250-PS-Traktor müsste eine zehn Tonnen schwere Batterie mitführen, um bei Schwerarbeit acht Volllaststunden ohne Nachladung zu bewerkstelligen. John Deere habe den Gridcon-Traktor entwickelt. Energie erhalte dieser nicht von einem Akku, sondern per Kabel. Das bis zu 1000 Meter lange Kabel wird bei der Fahrt automatisch geführt sowie ab- und aufgerollt. John Deere plane, im Jahr 2026 ein vollelektrisches Traktor-Modell auf den Markt zu bringen.
Da Emissionsreduzierung durch Elektrifizierung noch Zukunftsmusik sei, gelte es, sich Gedanken über dieselähnliche Biokraftstoffe zu machen – beispielsweise Biodiesel, hydriertes Pflanzenöl (HVO) oder reines Pflanzenöl (PPO). Bei einer Produktionsfläche von 16 Millionen Hektar würden 1,1 Millionen Hektar der landwirtschaftlichen Nutzfläche ausreichen, um genügend Rohstoffe zu produzieren, um den gesamten Kraftstoffbedarf an Biodiesel, HVO oder PPO decken zu können. John Deere forsche mit mehreren Partnern an sogenannten Multi-Fuel-Motoren, die mit Diesel und mit den Kraftstoffalternativen gefahren werden können. Eine Hürde sei die Gesetzgebung. Dieselmotoren würden nicht mit anderen Kraftstoffen zertifiziert. Auch andere Firmen forschten intensiv im Bereich alternativer Antriebsenergie. Mitbewerber New Holland habe einen Traktor mit Gasmotor entwickelt. Die Idee: Nach Trocknung und Entschwefelung soll er mit Gas aus der Biogasanlage fahren. Pickel: „Was kommt, kann niemand vorhersagen. Sicher ist, dass vieles von der Politik abhängt.“
Neuwahlen
Christian Glahn (Mörsbach) kandierte auf eigenen Wunsch nicht mehr als Stellvertreter. Marco Schnurr (Bottenbach) tritt an seine Stelle. Als Beisitzer wiedergewählt wurden Michael Haack (Martinshöhe) und Jürgen Mekelburger (Contwig). Neu im Vorstand ist von Lohnunternehmerseite Alexander Braun (Henschtal). Weiterhin gehören dem Vorstand neben dem Vorsitzenden Hans-Dieter Bißbort (Rieschweiler-Mühlbach) Stefan Fischer (Ramstein-Miesenbach), Ulrich Kohl (Spesbach), Frank Schäfer (Wallhalben) und Rolf Lehmann (Contwig) an.