Kreis Südwestpfalz „Man lernt die kleinen Dinge schätzen“

Josephine Schmidt (links) und Luise Dering im Hobbitdorf, das für die Verfilmung von Tolkiens „Herr der Ringe“ genau so aufgebau
Josephine Schmidt (links) und Luise Dering im Hobbitdorf, das für die Verfilmung von Tolkiens »Herr der Ringe« genau so aufgebaut wurde, wie im Roman beschrieben. Für die beiden Abiturientinnen und Filmfreunde war das einer der Höhepunkte der Reise.

Im Herbst 2018 brachen Luise Dering und Josephine Schmidt für ein knappes halbes Jahr auf, um Neuseeland zu erkunden. Unter anderem besichtigten sie das Hobbitdorf, das extra als Kulisse für die Verfilmung von Tolkiens Roman „Der Herr der Ringe“ gebaut wurde. Die Reise führte die Zweibrückerin und ihre Freundin aus Althornbach an Orte, von denen viele Menschen träumen. Denn von Europa aus gesehen kann man kaum weiter weg von Zuhause sein als in Neuseeland. Heimgekommen sind die Freundinnen ganz überraschend. „Wir sind am Morgen des 26. Februars in Frankfurt gelandet, ohne dass unsere Familien das wussten. Celine Sauter, die früher von Neuseeland nach Hause geflogen ist, hat uns am Flughafen abgeholt. Dann sind wir nach Hause gefahren und haben an den Türen geklingelt“, berichtet Luise Dering vom stillen Ende einer wahrlich abenteuerlichen Reise. In Neuseeland arbeiteten die jungen Abiturientinnen zuerst auf Farmen (wir berichteten am 24. Dezember), um sich Geld für die restlichen Urlaubswochen zu verdienen. Doch was hat die Reise nun eigentlich gekostet – samt Flügen, dem Aufenthalt auf beiden neuseeländischen Halbinseln, der Besichtigung von Sehenswürdigkeiten und dem Kauf eines Autos? „Ich bin mit knapp 4000 Euro hingeflogen“, verrät Josephine Schmidt. „Auf der Farm habe ich umgerechnet 1300 Euro verdient und bin mit rund 1500 Euro wieder heimgekommen“, rechnet sie aus. „Wir sind auch ziemlich günstig nach Hause gekommen“, ergänzt Dering. Während ihrer Zeit auf der Südhalbkugel seien die beiden ziemlich aktiv gewesen. An Silvester haben die Freundinnen eine Kajaktour in Angriff genommen, „den Abend haben wir dann am Strand verbracht“, berichtet Dering. Die Natur sei atemberaubend. Und es gibt in Neuseeland Strecken, an denen es über 150 Kilometer keine Tankstellen gibt. Wer mit leerem Tank stehen bleibt, muss sich den Sprit bringen lassen. Neben der unvergleichlichen Natur ist bei den Fans von „Der Herr der Ringe“ vor allem der Besuch am Filmset, wo die ganzen Hobbitszenen entstanden sind, in Erinnerung geblieben. „Man wir mit dem Bus bis an das Set gefahren. Dort gibt es eine Führung, die ultracool ist“, schwärmt Schmidt. Fasziniert waren die beiden jungen Frauen vor allem von der Mühe, die man sich dort gemacht hat, um die Größenverhältnisse zwischen Mensch und kleinem Hobbit richtig darzustellen. „Im Buch zum Herrn der Ringe steht, dass Zauberer Gandalf bei seiner Ankunft bei den Hobbits spielende Kinder unter einem Pflaumenbaum sieht. Pflaumenbäume sind aber relativ groß. Deshalb wurden dort an deren Stelle Apfel- und Birnbäume gepflanzt – ganz kleine. Alle Äpfel und Birnen wurden abgemacht und stattdessen künstliche Pflaumen an den Baum gehängt. Als Gandalf zu Bilbo kommt, sind alle Szenen, die Gandalf von hinten vor der Hütte zeigen, am Set gedreht. Diejenigen, die Gandalf von vorne zeigen, aber im Studio. Um die Größenunterschiede darstellen zu können. Bis auf den Baum über Bilbos Hütte, sind alle Pflanzen in Hobbiton echt“, erzählt Dering. „Man fühlt sich, wie im Film“, schwärmt Schmidt. An die 15 000 Kilometer sind die Reisenden mit ihrem Auto gefahren, um die Nord- und Südinsel samt Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Was haben sie denn von dieser Reise für sich im Herzen bewahrt? „Ich nehme die Freundlichkeit der Menschen in Neuseeland mit. Wir wurden von drei, vier Menschen in Christchurch angesprochen die gesagt haben: Ihr seht so verloren aus. Kann man euch helfen?“, staunt Schmidt über so viel Hilfsbereitschaft. „Man lernt die kleinen Dinge schätzen. Dass dein Nachbar nicht dein Feind ist. Das sollte unter gar keinen Umständen so sein. Nachbarn sollten die besten Freunde sein. Ich habe auch mitgenommen, dass die Welt viel kleiner ist, als man sich das vorstellt. Wir waren quasi am Ende der Welt – und die Menschen freundlich. Das ist nicht selbstverständlich. Die Kassiererin an der Kasse fragte zum Beispiel, was man am Tag noch macht. Das hat man sich dann gegenseitig erzählt und sich einen schönen Tag wünscht. In Deutschland würden die Meisten auf diese Frage antworten: ’Das geht Sie nichts an’“, meint Dering.

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