Kreis Südwestpfalz Kommt kein Vogel geflogen

„Im Südwesten machen sich die Meisen rar“ – das schrieb die RHEINPFALZ am Dienstag auf ihrer Südwestseite. Und am Tag nach den Weihnachtsfeiertagen hieß die Überschrift „Die Nachfrage ist gleich null“. 150 Leser hatten sich gemeldet, weil bei ihnen dieses Jahr weit weniger Vögel die Futterstellen besuchen als gewohnt. Auch im Zweibrücker Land machen Vogelfreunde diese Beobachtung.
Schon Mitte November hat Bertram Schlachter aus Contwig an seinem Vogelhaus im Garten die sonst übliche Anzahl von Meisen, Sperlingen, Amseln, Buchfinken und Grünlingen vermisst. Er hegte zunächst die Vermutung, dass die Vögel vielleicht in der Nachbarschaft Futter angeboten bekommen, das ihnen besser schmeckt. Denn die Vögel können die Futterqualität durchaus unterscheiden. Als auch an den kalten Tagen keine Vögel kamen, suchte er Rat bei den Vogelfreunden des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) im Zweibrücker Land. Dass dieses Jahr die Singvögel am Futterhaus ausbleiben, hat vielfältige Gründe, die nicht nur mit dem Jahr 2016 zusammenhängen. Hans Göppel, zweiter Vorsitzender des Nabu im Zweibrücker-Land, und sein Mitstreiter Peter Spieler bestätigen, dass die Bruten der Gartenvögel im Frühjahr einschließlich vieler Zweitbruten fast ein Totalausfall waren. Genau zur Aufzucht der Jungvögel war es kalt, und es regnete viel. Die Vogeleltern konnten ihre noch weitgehend nackten Jungvögel mit ihren nassen Federn nicht wärmen, sodass zahlreiche Nestlinge erfroren. Das unpassende Wetter bis in den Frühsommer hat zudem dazu geführt, dass es viele Schädlinge in den Gärten und auf den Feldern gab. Deshalb wurde mehr gespritzt, und die Jungvögel wurden mit Raupen und Insekten gefüttert, die giftige Spitzmittel in sich trugen, was zum schnellen Tod der Brut führte. Dass die Artenvielfalt dramatisch abnehme, liegt für Göppel aber an einer deutlichen Verschlechterung der Lebensräume bei den Vögeln und an einem gravierenden Mangel an geeigneten Nistmöglichkeiten. Schon vor drei Jahren hat Göppel bemerkt, dass es weniger Insekten gibt, da die Windschutzscheiben der Autos im Sommer längst nicht mehr so verklebt seien wie früher. Hatte früher noch jede Tankstelle Wassereimer und Bürste, um die Scheiben von den toten Insekten zu reinigen, so gibt es heute kaum mehr diesen Service an der Tankstelle, da er oft nicht mehr gebraucht wird. Heinrich Müller von der Knopper Mühle im Wallhalbtal sieht die Elstern und Rabenkrähen sowie herrenlose, streunende und verwilderte Katzen als großes Problem für die heimischen Vögel und Tiere. Die Katzen würden nur den Jagdtrieb ausleben, aber benötigten die Beute nicht, um satt zu werden. Er freut sich jedes Jahr, wenn die Schwalben zur Mühle zurückkehren, um hier ihren Nachwuchs großzuziehen. Dies gelinge jedoch immer schlechter, sodass der Mühlenbesitzer am liebsten zur Flinte greifen möchte, wie dies noch sein Großvater als Waidmann konnte. Ist die Schwalbenbrut hoch oben unter dem Dachvorsprung der Scheune geschlüpft, dann fliegen die Elstern an und rauben die Jungvögel der Mehlschwalbe sogar aus dem Nest. Sie zerstören dabei teilweise die vorhandenen Nester, sodass sie für eine weitere Brut nicht mehr zu gebrauchen sind. Die Rauchschwalbe im Stall hatte vier Junge, die sich nach ihrem ersten Jungfernflug gerne auf der Stromleitung unterhalb der Mühle sonnten. Doch dies war ein schwerwiegender Fehler, erzählt Müller. Der Sperber, ein pfeilschnell jagender Räuber, habe dies sofort ausgenutzt. Er flog im Rücken der unerfahrenen Jungschwalben an und löschte in drei Tagen den gesamten Nachwuchs aus. Auch Gerhard Kau aus Battweiler bestätigt, dass die Elstern den Mehlschwalben an seinem Haus zusetzen, die in den letzten Jahren in ihrer Anzahl schon stark geschrumpft sind. Selbst wenn er in seinem Garten oder im Hof steht, kämen Elstern und holten Jungvögel, ärgert sich Kau. Den Ruf des Kuckucks wünscht sich Edwin Laborenz aus Battweiler im neuen Jahr. Die 93-jährige Elfriede Engel aus Battweiler berichtet, dass man den Kuckuck in ihrer Jugendzeit immer im Mai auf der Gemarkung hören konnte. Hierzu erläutert Peter Spieler vom Nabu im Zweibrücker Land, dass dem Kuckuck seine Wirtsvögel wie Sumpfrohsänger, Grasmücken, Heckenbraunelle und Rotkehlchen ausgehen, in deren Nester er Eier legt, um sie ausbrüten zu lassen. Der Kuckuck sei in vielen Gebieten auf dem Weg, sich zu ganz verabschieden, glaubt Spieler und sieht dies als weiteren Beweis, dass sich die Lebensräume deutlich verschlechtert haben. Elfriede Engel hat die Bilder noch genau vor Augen, wenn ihr Vater Otto Laborenz, ein großer Vogelfreund, in den 70er Jahren auf der Wiese hinterm Haus in der damals langen Winterzeit die Vögel gefüttert hat. Er streute Spreu, Heublumenreste und ein Gemisch aus Kartoffeln und Schrot aus. An diesen großen Futterplatz seien mehr als 100 Spatzen gekommen, ebenso viele Stare, Buchfinken, zahlreiche Goldammern, Amseln, Rotkehlchen, Spechte, Weidenmeisen, Zaunkönige, Heckenbraunellen, Blau- und Kohlmeisen in großer Zahl. Den Garten mit einigen alten Obstbäumen gibt es noch, aber so viele Vögel kommen längst nicht mehr, bedauert Elfriede Engel. |hac