Schmalenberg / Geiselberg / Steinalben
Klimawandel: Wie sich die Wälder im Holzland verändern
Die Unterschiede zeigten sich ganz deutlich in den vergangenen Wochen, als Förster Christoph Wagner, der als Revierleiter die drei kommunalen Wälder betreut, die Forstwirtschaftspläne für die drei Gemeindewälder vorlegte. Dabei sind die Rahmenbedingungen zunächst einmal gleich. Alle Gemeinden haben das, was jeder gerne hätte: einen Mischwald mit unterschiedlichen Baumarten. Der Fichtenanteil ist eher im unteren Bereich angesiedelt, bei 15 bis 20 Prozent, überschlug Wagner. Das ist wichtig, weil der Borkenkäfer dem Forst in den vergangenen drei Jahren große Probleme bereitete: Er machte vielen Fichtenbeständen den Garaus oder schädigte sie zumindest massiv. Auch in den drei Gemeindewäldern im Holzland hat der Käfer seine Spuren hinterlassen. In seinem gesamten Revier, zu dem noch der Gemeindewald Waldfischbach-Burgalben und die Hembach gehören, habe er rund 5700 Festmeter Schadholz einschlagen müssen, berichtete der Förster, bei etwa 12.000 Festmeter Gesamteinschlag. Also war knapp die Hälfte Schadholz. „Und damit sind wir im Vergleich zu anderen noch halbwegs gut davongekommen“, bilanzierte Wagner.
Mit Ahorn und Wildkirsche aufforsten
Dennoch kam er nicht umhin, größere Schadflächen direkt wieder aufzuforsten. Mit Blick auf den Klimawandel geschah das vornehmlich mit Laubbäumen wie Ahorn, Wildkirsche oder Esskastanie. Wobei der Förster darauf hinwies, dass sich erst in einigen Jahren oder Jahrzehnten zeigen werde, ob die Entscheidung richtig war. Die Pflanzungen haben sich, trotz Zuschüssen, die bereits geflossen sind oder in diesem Jahr rückwirkend ausgezahlt werden, nicht positiv auf das Ergebnis der Forsthaushalte ausgewirkt. „Das kostet Geld“, sagte Wagner und ergänzte: „Aber diese Ausgaben sind sicher im Sinne aller. Wir wollen den nachfolgenden Generationen einen tollen Wald hinterlassen.“
Bei der Witterung gibt es keine großen Unterschiede in den drei Kommunen: Wenn es regnet, regnet es überall. Das Problem der Trockenheit, das den Käferbefall begünstigt hat, eint alle. Auch die Marktbedingungen sind identisch: Alle vermarkten ihr Holz in Eigenregie über den Holzweckverband Schmalenberg. Die Preisentwicklung betraf die drei Gemeinden im gleichen Rahmen. „Die Preise sind bekanntermaßen bei Fichte und Kiefer im freien Fall gewesen“, zeigte Wagner auf. Für Fichte in Bauholzqualität wurden 2017 noch 90 Euro pro Festmeter bezahlt. Im zweiten Halbjahr 2020 waren es 30 Euro. Für Fichte, die nur für die Spanplattenproduktion taugt, sank der Preis von 35 auf 14 Euro pro Festmeter, und im Sog der Fichte fielen auch die Preise für Kiefernholz. Von 65 unter 30 Euro pro Festmeter, da beide Baumarten in gleichen Marktsegmenten gefragt sind.
Holzpreise teils kaum vorhersehbar
Aus wirtschaftlicher Sicht sei es dennoch erfreulich, dass es die Nachfrage nach dem Sägeholz gibt. So wird das Käferholz verarbeitet, es wird nichts für die Waldlager produziert. Das hat auch mit dem Export zu tun: Der Holzmarkt ist ein globaler. „China hat sehr viel Käferholz aufgenommen“, erzählte Wagner. Auch die USA haben enorme Holzmengen in Deutschland gekauft. Weil die Nachfrage ungebrochen ist, „sind die Preise zwischenzeitlich wieder gestiegen“. Fichte liege bei 70 bis 80 Euro pro Festmeter, „und auch die Kiefer zieht jetzt mit, bewegt sich bei etwa 50 Euro pro Festmeter“, erläuterte der Revierleiter den Gremien. Die Preisentwicklung längerfristig zu prognostizieren, sei kaum möglich. Das hänge unter anderem davon ab, wie sich die Käferpopulation in diesem Jahr entwickelt.
Nadelholz ist gefragt. Für Douglasie werden pro Festmeter über 100 Euro bezahlt. Beim Holz der Buchen und Eichen aus den drei Gemeindewäldern sind die Preise relativ stabil.
Kritik fußt oft auf Liebe zum Wald
Und doch hatten die nahezu identischen Rahmenbedingungen im Holzland unterschiedliche Folgen. „Geiselberg und Schmalenberg hat es am heftigsten getroffen“, bilanzierte Wagner, der seit 2009 im Revier ist und zum ersten Mal ein Minus im Forst verkünden musste. Dass Steinalben mit einem Plus abschloss, „war letztlich den eingeschlagenen Baumarten geschuldet. Hier gab es noch einen relativ hohen Eicheneinschlag. Und das Holz wurde sehr gut bezahlt“, skizzierte Wagner.
Das zeige, dass es ganz schwierig ist, pauschale Urteile über den Wald zu treffen. Dies gelte auch für einzelne Einschläge, die immer mal wieder in der Kritik stehen. Oft fußend auf allgemeinen Aussagen oder emotionalen Bindungen zum Wald. Wenn es Kritik gibt, „dann sollen mir die Leute das sagen“, unterstrich Wagner. Er sei gerne bereit, Auskunft zu geben, zu erklären, warum was wie gemacht wurde. Grundsätzlich sei klar, dass niemand ein Interesse daran hat – wie manchmal unterstellt werde – den Wald kaputt zu machen. Das zeige sich auch daran, dass zum Beispiel die Gemeinden als Waldeigentümer bereit seien, ein Minus in Kauf zu nehmen. Aber man müsse sehen, dass es eine Nachfrage nach Holz gibt, und eines von vielen mit dem Wald verbundenen Zielen sei es, Holz zu liefern.
Schmalenberger Forst in Zahlen
Schmalenberg schloss das vergangene Forstjahr mit einem Minus von rund 42.000 Euro ab. Hauptgrund: Pro Festmeter Holz, der verkauft wurde, wurden acht Euro weniger erlöst als geplant. Wagner hatte bei der Planung vorsichtig kalkuliert und musste die Zahl trotzdem nach unten korrigieren. 2021 sorgt die Bundeswaldprämie, die für den zertifizierten Schmalenberger Wald in Höhe von etwa 60.000 Euro fließt, dafür, dass die Gemeinde wohl wieder mit einem Plus rechnen kann. Das könnte sich bei etwa 30.000 Euro bewegen. Die Einschlagsmenge wird sich im Bereich von 4200 Festmetern bewegen. Darin ist einkalkuliert, dass wieder Käferholz aufgearbeitet werden muss. 1300 Festmeter Käferholz waren es 2020.
Steinalber Wald
Steinalben konnte 2020 einen Gewinn von 5400 Euro im Forst verbuchen. Rund 1000 Festmeter Holz wurden eingeschlagen, 300 mehr als geplant. 2021 kalkuliert der Revierleiter mit einem Minus von 16.000 Euro. Kommt es so, könnte auch die Bundeswaldprämie, die in Steinalben etwa 10.000 Euro beträgt, das Minus nicht ausgleichen.
Wald in Geiselberg
Geiselberg hatte 2020 ein Minus von 31.000 im Forst zu Buche stehen. Es wurden 3000 Festmeter Holz eingeschlagen. Geplant waren 2000 Festmeter. Das war dem Borkenkäferbefall geschuldet. 2021 kann wohl, auch dank der Bundeswaldprämie, die für den Geiselberger Wald rund 27.000 Euro beträgt, zumindest wieder mit einer schwarzen Null gerechnet werden.