Waldfischbach-Burgalben
Kita St. Elisabeth soll jetzt doch erhalten bleiben
In einem Schreiben, das an alle Ratsmitglieder ging, weisen Pfarrer Matthias Leineweber, Kindergartenleiterin Christine Wagner, Werner Bold vom Verwaltungsrat, Dominik Weidler (Elternausschuss Kita), Fabian Germann (Gemeindeausschuss St. Joseph) und Tobias Allendorf (Pfarreirat) darauf hin, „dass es schade wäre, wenn alle diese Vorteile der Kita St. Elisabeth der Gemeinde Waldfischbach-Burgalben verloren gingen“. Deshalb schlage man der Ortsgemeinde einen Erhalt der Kita am bisherigen Standort vor. Das Gebäude könnte saniert werden oder am Standort könnte neu gebaut werden. Das Grundstück könne der Ortsgemeinde dazu unentgeltlich überlassen werden. In diesem Falle würde die Pfarrei gerne die Trägerschaft für die Kindertagesstätte behalten.
Das Hermersberger Modell
Das wäre ähnlich dem aktuellen Vorgehen in Hermersberg. Dort ist die Pfarrei gleichfalls Träger der Kita, der einzigen im Ort. Die politische Gemeinde erweitert derzeit den bestehenden Kindergarten und bezahlt diese Baumaßnahme. Das Gelände für die notwendige Erweiterung war der Gemeinde von der Kirche zum symbolischen Preis von einem Euro verkauft worden. Die Kita-Trägerschaft bleibt bei der Pfarrei. Es wurde ein Kindergartenausschuss gegründet, der paritätisch mit Mitgliedern von kirchlicher und gemeindlicher Seite besetzt ist und sich um die Einrichtung kümmert.
Die Kita in Hermersberg ist ein Modell, das sich die Unterzeichner des Schreibens an die Ratsmitglieder in Waldfischbach-Burgalben auch für die Einrichtung St. Elisabeth vorstellen könnten. Dass sie sich jetzt noch mal an den Gemeinderat wenden sei der Tatsache geschuldet, dass viele Menschen im Ort sich in den vergangenen Wochen für einen Erhalt der Kita St. Elisabeth am bisherigen Standort stark gemacht haben und deren Erhalt fordern. Aus verschiedenen Gründen, die die Ratsmitglieder abwägen sollten.
Die Kita St. Elisabeth, die 80 Plätze bietet und über ein Hortangebot verfügt, gehöre seit 90 Jahren zum Ort. Der Besuch der Einrichtung sei für viele Menschen wichtig gewesen, hier hätten sie erste Erfahrungen fürs Leben gesammelt. Junge Eltern wüssten es zu schätzen, dass sie in Waldfischbach-Burgalben, bedingt durch drei vorhandenen Kindertagesstätten – gemeindlich, protestantisch, katholisch – eine Wahlfreiheit beim jeweiligen pädagogischen Konzept hätten. Eine christliche Kita könne bewusst gewählt werden, weil hier wichtige christliche Werte wie Nächstenliebe, Akzeptanz und Toleranz gelehrt würden. Es gehöre für die katholischen Kita-Kinder dazu – sofern Corona das nicht unmöglich macht – zum Beispiel bei älteren Menschen am Geburtstag vorbeizuschauen und zu gratulieren.
Positiv zu werten sei auch der Verbund mit den weiteren Kitas der Pfarrei. Neben Hermersberg sind das die Kindergärten in Horbach und Weselberg. Die Einrichtungen helfen sich gegenseitig. Durch die Regionalverwaltung in Pirmasens seien die Bearbeitung der Themen Finanzen und Recht gewährleistet, so dass man sich in der Einrichtung stark auf die pädagogische Arbeit konzentrieren könne. Die Einrichtung ist zertifiziert, „und gehört zu den angesehensten Kitas in der gesamten Diözese Speyer“, schreiben die Unterzeichner. Das Team habe sich eine hohe Qualifikation erarbeitet, entwickele das pädagogische Konzept seit 25 Jahren kontinuierlich weiter und arbeite schon lange zusammen. Bei einem Trägerwechsel bestehe die Gefahr, dass das Kita-Team auseinanderbreche.
All das bitten die Unterzeichner zu bedenken. Zumal der jetzige Kita-Standort auch den Vorteil biete, dass alle Einrichtungen des Sozialraums, die für die Kinder wichtig sind – Kirche, Grundschule, IGS, Bücherei, Bürgerhaus, Geschäfte – fußläufig erreichbar sind. Das werde genutzt. Auch die Parksituation spreche für den jetzigen Standort. Der vorgesehene Standort in Burgalben könne mit dieser räumlichen Nähe zu den Einrichtungen nicht aufwarten, und die Verkehrssituation dort sei nicht abschließend geklärt.
Neue bauliche Anforderungen
Was auf Kirchenseite die Diskussion um das Thema Kindertagesstätte ausgelöst hat, ist die bauliche Substanz der Einrichtung. Auf aufkommende Probleme war die Ortsgemeinde frühzeitig immer mal wieder hingewiesen worden. 2018 hatte die Pfarrei die Kindertagesstätte vom vormaligen Träger, dem Elisabethenverein, übernommen. Mehrere zehntausend Euro seien damals ins Gebäude investiert worden. Eine Generalsanierung sei bei dem Gebäude, an das angebaut wurde, unumgänglich. Zumal das ab Juli geltende neue Kindertagesstättengesetz im Land, Kindern einen Rechtsanspruch auf täglich sieben Stunden Betreuung garantiert, was baulich neue Anforderungen mit sich bringe.
Fakt ist, das bestätigen die Unterzeichner des Schreibens, dass die Kirchengemeinde weder eine Generalsanierung noch einen Neubau finanzieren kann, und die Diözese das nicht mehr leiste. In der Diözese soll, so sehen es die derzeit diskutierten Sparpläne vor, der Trägeranteil für katholische Kindertagesstätten von aktuell 21 Millionen jährlich ohnehin auf fünf Millionen reduziert werden (bis 2024).
Der Gemeinderat hat seine letzten Entscheidungen auf der Basis getroffen, dass es mittelfristig keinen katholischen Kindergarten mehr in dem Gebäude gibt. Von protestantischer Seite war signalisiert worden, dass man die protestantische Kita am jetzigen Standort erhalten will. Im Oktober hatte der Rat den Grundsatzbeschluss gefasst, dass in Burgalben gegenüber dem gemeindlichen Kindergarten, der baulich auch auf Vordermann gebracht werden müsste, ein neuer Kindergarten gebaut wird – für sieben bis maximal acht Gruppen. Dieser Kindergartenneubau kostet mehrere Millionen Euro. Schon die die Architektenleistung muss europaweit ausgeschrieben werden. Mit dem Landesjugendamt wurde geklärt, dass es unter einem Dach keine zwei Einrichtungen mit unterschiedlicher Leitung/Trägerschaft und unterschiedlichen Konzepten geben kann. Beides muss eindeutig geregelt sein. Für eine bis zu acht Gruppen umfassende Einrichtung kann die Kirchengemeinde diese nicht übernehmen.
Erfahrungen hätten auch gezeigt, dass es in so großen Einrichtungen bezüglich Leitung und Pädagogik erhebliche Schwierigkeiten geben könne. Auch das ist für die Pfarrei ein Grund, die politischen Gemeindevertreter noch einmal zum Überdenken der Kita-Lösungen zu bitten.