Kreis Südwestpfalz Kein Porno in Kreisliga
Im Saarland ist es seit Tagen Gesprächsthema, zuletzt griff die RHEINPFALZ am SONNTAG die Angelegenheit auf: Der Saarländische Fußballverband (SFV) hat dem Fußball-Kreisligisten SV Oberwürzbach das Tragen seines neuen Trikot-Satzes verboten. Der Verband stört sich an der Brustwerbung: Denn die verweist auf eine Porno-Darstellerin.
Beim umstrittenen Werbepartner der Kicker aus dem St. Ingberter Ortsteil handelt es sich um Porno-Sternchen Lena Nitro, deren „Künstler“-Name samt Internet-Kontaktadresse, die den Weg zu ihren Filmchen weist, auf den aktuellen Trikot-Oberteilen prangt. „Die Idee dazu kam auf einer Abschlussfahrt – aus einer Laune heraus“ erzählt Klaus Rohe, der Zweite Vorsitzende des Vereins. Längst wurden die neuen Trikots fix und fertig beflockt und an den SV Oberwürzbach ausgeliefert – doch der Saarländische Fußballverband, in dem auch die Oberwürzbacher Kicker organisiert sind, erhebt ernste Einwände und erlaubt den Fußballern nicht, mit diesen Trikots aufzulaufen. Als Begründung, so Rohe, seien „moralische Probleme“ genannt worden sowie die Befürchtung, dass Kinder dadurch animiert werden könnten, die Webseite der Porno-Dame zu besuchen. „Dabei ist die Anmeldung auf dieser Internetseite kostenpflichtig“, weiß der Vize-Vorsitzende: „Also könnten Kinder da sowieso nicht draufgehen.“ Zudem würden die pikanten Trikots „nur von der ersten Mannschaft und nicht von den Jugendmannschaften getragen“, gibt Rohe zu bedenken. Den Kontakt zu der strohblonden Film-Akteurin, die sich Lena Nitro nennt, habe der Fußballverein über deren Management angebahnt. Und dieses, so berichtet Klaus Rohe, habe sich rasch einverstanden erklärt und bereits drei Tage nach der Anfrage zugesagt. Geplant war, dass sich die Spieler der Ersten Mannschaft des SVO ihre neuen Trikots zu allen Kicks der aktuellen Saison überstreifen. Im Dorf sei die Idee sehr gut angekommen; viele Oberwürzbacher fänden sie „supertoll“ und es habe „von niemandem Beschwerden gegeben“, beteuert Klaus Rohe, der nach eigenen Worten die Entscheidung des Fußballverbands „in keinster Weise nachvollziehen“ könne. Derweil ist Peter Weidmann, dem Ersten Vorsitzenden des SV Oberwürzbach, die Lust gründlich vergangen, sich öffentlich noch zum Thema zu äußern: „Die Presseanfragen sind mir inzwischen zu viel“, zeigt er sich kurz angebunden. Erinnerungen werden wach an jenen berühmten Fall, der sich vor 30 Jahren ebenfalls im Saarland zutrug: In der Saison 1987/88 untersagte der Deutsche Fußballbund (DFB) dem damaligen Erstbundesligisten FC Homburg die Trikotwerbung mit dem Schriftzug der Kondom-Marke London. Witterte der DFB hier doch seinerzeit einen Verstoß gegen Moral und Ethik. Damals durften die grün-weißen Kicker vorerst nur noch mit einem schwarzen Balken über dem Sponsoren-Schriftzug spielen. Doch als das Landgericht Frankfurt die Anordnung des DFB dann für nichtig erklärte, durfte die Werbung wieder offen gezeigt werden.