Waldfischbach-Burgalben RHEINPFALZ Plus Artikel Isolierer-Handwerk in der digitalen Welt

Die Computertechnik hält in jedem Handwerkszweig Einzug. Wolfgang Spang (links) und Sohn Rainer haben in ihrem auf Dämmung sowie
Die Computertechnik hält in jedem Handwerkszweig Einzug. Wolfgang Spang (links) und Sohn Rainer haben in ihrem auf Dämmung sowie Brand- und Schallschutz spezialisierten Betrieb in eine moderne, computergesteuerte Blechschneidemaschine investiert, die passgenau komplexe Blechteile zuschneiden kann.

Was vor Jahren noch undenkbar schien, wird Realität: In Handwerksbetrieben hält immer mehr die digitale Welt Einzug. Ein weiteres Beispiel dafür ist der Isolierer-Betrieb von Wolfgang Spang. Computertechnik unterstützt dort traditionelles Werkzeug.

Als Wolfgang und Anja Spang vor Jahren eine Fachmesse besuchten, „habe ich zum ersten Mal so eine Maschine gesehen und nie im Leben geglaubt, dass sie mal bei mir in der Firma stehen wird“, sagt der Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutzisolierermeister (WKSB) aus Waldfischbach-Burgalben. Jetzt steht eine computergesteuerte Blechschneidemaschine in seiner Werkstatt. 100.000 Euro hat die Firma Spang investiert.

„Auch das WKSB-Isoliererhandwerk hat sich enorm gewandelt“, sagt der Inhaber der Firma W. Spang. Handwerk 4.0 – das steht für digitales Handwerk – ist auch bei den Isolierern angekommen. Die Digitalisierung gewinnt an Bedeutung, weiß Spang, der Obermeister der WKSB-Innung ist, die ihren Sitz in Trier hat.

Traditionelles Werkzeug und Computertechnik

Messer, Zollstock, Blechschere, Hammer und Schraubenzieher waren über Jahrzehnte die Standardwerkzeuge im Isoliererhandwerk. Sind sie heute noch, aber längst hat auch die Computertechnik Einzug gehalten. Sie unterstützt die Kernkompetenzen des Handwerksmeisters. „Ich muss immer noch wissen, was ich mache, was ich brauche, aber die Maschine liefert mir exakt das und spart mir eine Menge Zeit“, sagt Spang.

Von der EFM/Schwartmann, so heißt die Maschine, sind laut Hersteller insgesamt 250 Maschinen im Einsatz, eine davon in Rheinland-Pfalz, in Waldfischbach-Burgalben. Herzstück ist ein leistungsstarkes Softwarepaket, das speziell für die Isolierbranche geschrieben wurde und nach Bedarf erweitert werden kann. Das ermöglicht es, genau die Zuschnitte und Stanzungen vorzugeben, die benötigt werden. Rainer Spang, der Juniorchef und designierte Betriebsnachfolger im Familienbetrieb, den Tochter Anja im kaufmännischen Bereich komplettiert, gibt über einen großes Display ein, welche Blechformen benötigt werden, wo Löcher erforderlich sind, damit die Blechteile anschließend perfekt um das zu isolierende Teil angebracht werden können.

Zeit und Material einsparen

„Ich habe hier ein 3-D-Modell auf dem Bildschirm, das ich noch mal genau kontrollieren kann“, erläutert Rainer Spang. Passt alles, startet er das Programm. Das große Schneidewerkzeug fährt an, schneidet die Bleche exakt zu und setzt Löcher genau dort, wo sie benötigt werden. „Das war bisher alles Handarbeit“, erläutert Wolfgang Spang. Da brauchte es die Erfahrung des Isolierers und viel Geschick. Ein weiterer Vorteil der Maschine sei, „dass sie so effizient arbeitet, dass kaum Restblech anfällt und so der Blechverbrauch reduziert wird“, sagt Spang. In Zeiten knapper und teurer Materialien wichtig. Mit der Maschine können zum Beispiel Lüftungsteile hergestellt werden oder Bleche für Spengler.

Eine stabile und leistungsfähige Internetverbindung ist jetzt auch im Isoliererbetrieb in der Lindenstraße erforderlich. Zum Beispiel für die Fernwartung der Maschine. Der nächste Entwicklungsschritt werde sein, dass benötigte Bleche bereits auf der Baustelle erfasst werden, die Daten online an die Maschine in der heimischen Werkstatt übertragen werden.

Isolierung gewinnt an Bedeutung

Dass sich sein Beruf mal so entwickeln würde, habe er nicht erwartet, bekennt Spang. Das Isoliererhandwerk, „ist eher ein Nischenhandwerk, das immer wichtig war, und immer wichtiger wird“, sagt er Gerade mit Blick auf das Thema Klimaschutz. Der fachgerechten Isolierung kommt unter dem Gesichtspunkt der Energieeinsparung zum Beispiel eine immer höhere Bedeutung zu. „Isolierung ist aktiver Klimaschutz“, unterstreicht Rainer Spang. Isolierungen sind auch notwendig, um den Geräuschpegel von Maschinen zu senken, auch das schützt die Umwelt. Isoliert wird mit synthetischem Kautschuk. Der ist schwer entflammbar, flexibel, temperaturbeständig und widerstandsfähig. Aluminiumbleche, Edelstahl oder einfaches Blech, dient in der Regel als Schutz für die Isolierung.

In Rieschweiler-Mühlbach hat Spang das Handwerk gelernt. 1992 machte er sich in Waldfischbach-Burgalben in der Höheinöder Straße selbstständig. Anfangs waren Büro sowie Lager und Werkstatt getrennt. Es folgte der Umzug in die Hauptstraße, ins Alfa-Gebäude. 2002 kaufte Spang die ehemalige Schreinerei Feller in der Lindenstraße und begann zu sanieren. „Das war eine Menge Arbeit, teils sehr schwierig“, sagt er. 2013 konnten Lager und Werkstatt sowie das Büro endgültig unter einem Dach untergebracht werden. Das dazugehörige Wohngebäude ausbauen, „wird unsere nächste Investition sein“, sagt Spang.

Tätig in vielen Bereichen

Die Firma arbeitet für Privatkunden, isoliert zum Beispiel Heizungsrohre, dämmt Dächer oder übernimmt den Innenausbau, denn auch der Trockenbau gehört zum Leistungsspektrum. Vor allem aber ist die Firma im Industriebereich tätig. Ein großer Auftraggeber aus Frankfurt, „war mit der entscheidende Auslöser, um die Investition in die Maschine zu tätigen. Für diese Firma bauen wir spezielle und komplexe Blechformen ein, die wir nun selbst herstellen können“, sagt Rainer Spang.

Zu den Kunden gehört unter anderem die Hager Group. Brandschutz ist hier ein wichtiges Thema. Um den ging es auch beim Großprojekt Pamina Schulzentrum Herxheim oder bei der Kreissparkasse in Pirmasens. Ob Alten- oder Pflegeheim, eine Stadthalle, eine Autobahnraststätte oder reine Industrieanlagen, „wir sind in allen Bereichen tätig“, sagt Wolfgang Spang. Auch die an Brauereianlagen oft sehr speziellen Formen gehören zum Repertoire des Handwerksbetriebs. Was ihm wichtig ist: Qualität. „Ich sage immer, wer billig baut, baut zweimal“, sagt Wolfgang Spang.

Schwierige Suche nach Lehrlingen

Ein weiterer Grund zur Anschaffung der Maschine war, dass ein Monteur eingespart werden kann. Den würde die Firma gerne beschäftigen, aber: „Wir finden keine Lehrlinge“, bedauert der Inhaber. Das Isoliererhandwerk habe Zukunft und werde noch stärker gefragt sein, sind sich Wolfgang und Rainer Spang einig. Auch deshalb hat sich Rainer Spang, von Haus aus Betriebswirt, entschieden, in den Betrieb einzusteigen. Der Beruf habe sich enorm entwickelt, werde attraktiver. „Es kommt moderne Technik zum Einsatz, die Dämmstoffe sind viel besser geworden und auch die Bezahlung ist deutlich besser geworden“, skizziert Wolfgang Spang die Entwicklung.

890 Euro verdient ein Auszubildender im ersten Lehrjahr, 1230 Euro im zweiten Jahr und 1495 Euro sind es im dritten Lehrjahr. Was ein Lehrling mitbringen sollte: räumliches Vorstellungsvermögen und die Grundrechenarten sollte er beherrschen. Spezialisten im Isolier- und Brandschutzbereich, „sind gefragt“, sagt Rainer Spang. Wer Interesse habe, „kann sich sofort bei uns melden“.

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