Kreis Südwestpfalz IGS mit Zweibrücken wäre teurer

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Hohe Energiekosten, zwei Hausmeister, mehr Putzfrauen: Dass ein Teil der Integrierten Gesamtschule (IGS) Contwig in der ehemaligen Hauptschule Nord in Zweibrücken untergebracht wird, ist keineswegs sicher. Denn so wie es aussieht, kann der Landkreis dadurch nichts sparen. Gestern stellte das Ludwigshafener Architekturbüro Sander und Hofrichter im Kreistag verschiedene Kostenberechnungen vor. Entschieden wurde noch nichts.

Die Contwiger IGS hat Raumnot und soll angebaut werden. Die Frage ist, in welcher Größenordnung: Denkbar ist ein großer Anbau, der allen Schülern − auch der künftigen Oberstufe − Platz bietet. Oder ein kleiner Anbau, was bedeutet, dass zusätzlich Schüler in Zweibrücken untergebracht werden. Dann wäre die IGS eine so genannte dislozierte Schule, eine Schule mit zwei Standorten. Als zweites Schulgebäude ist die ehemalige Hauptschule Nord in der Zweibrücker Hofenfelsstraße im Gespräch. Sie ist mittlerweile Teil der Zweibrücker Herzog-Wolfgang-Realschule plus. Die Realschule plus gibt diesen Standort allerdings auf: Diese Woche verlassen die letzten Schüler die Schule. Es wäre also Platz für Schulkinder der IGS. Ob das tatsächlich so kommt, ist nach der gestrigen Kreistagssitzung aber fraglich. Denn eine Auslagerung nach Zweibrücken käme den Landkreis Südwestpfalz gar nicht so günstig, wie zunächst vermutet: In einer Berechnung geht das Architekturbüro sogar davon aus, dass die kleine Lösung teurer wird als der große Anbau. Gerechnet über 20 Jahre, stehen sich Gesamtkosten von 24,7 Millionen Euro (kleiner Anbau in Contwig plus Auslagerung nach Zweibrücken) und 20,8 Millionen Euro (großer Anbau in Contwig) gegenüber. Die große Lösung wäre somit rund vier Millionen Euro billiger. Die große Lösung, also ein Neubau an der IGS, sieht einen rund 4300 Quadratmeter großen Anbau vor. Der kleinere Neubau wäre etwa tausend Quadratmeter kleiner, aber an derselben Stelle: unterhalb des jetzigen Hauptgebäudes, etwa ein Geschoss tiefer liegend. Vorgesehen ist bei beiden − übrigens barrierefreien − Varianten, das jetzige Gebäude an den Neubau anzubinden. Es ist geplant, im Anbau neben Aufenthalts- und Mehrzweckraum auch Bibliothek, Speiseraum und diverse Klassensäle unterzubringen, auch naturwissenschaftliche Räume. Bei der kleinen Lösung ist alles etwas kompakter; beispielsweise würde dann die Bibliothek im Altbau statt im Neubau untergebracht, „Mir kommt das vor wie ein Fabrikgebäude“, kritisierte der pensionierte Hauensteiner Lehrer Bernhard Rödig (FDP) die Pläne. „Ich habe zehn Jahre in so etwas unterrichtet, und es war grauenvoll.“ Die Flure seien, in beiden Varianten, viel zu dunkel geplant. Es fehle Tageslicht, „das ist wenig förderlich für den täglichen Unterricht“. Architekt Stefan Peters entgegnete, es seien Oberlichter vorgesehen, und die Flur-Enden seien offen geplant. „Das reicht nicht aus“, antwortete Rödig. „Ich bin nicht ganz unschuldig dabei“, schaltete sich Landrat Hans Jörg Duppré ein. Er habe „strengste Zurückhaltung bei den Kosten“ angeordnet. „Also net de Mercedes, sondern de VW“, merkte der Hornbacher Reiner Hohn (FDP) an. Geplant sei eine „einfache Ausstattung, kein Luxus, wie wir sie in Schulen brauchen“, erklärte Architekt Jens Rieksmeier. Der Käshofer Fred Konrad (Grüne) sprach sich für ein größeres Lehrerzimmer aus, das jetzige sei „sehr übersichtlich“. Es gebe übers Gebäude verteilt zusätzlich „dezentrale Lehrerstützpunkte“, antwortete Peters. Anna Silvia Henne (SPD) schlug verglaste Aufenthaltsräume vor. „Die Frage ist, wie viel Glas man sich leisten kann. Eine komplette Verglasung wäre wünschenswert, aber das ist in diesem investiven Rahmen nicht möglich“, sagte Peters. Sein Kollege Jens Rieksmeier stellte die Kosten vor. Für die große Lösung nannte er Investitionskosten von rund 13,6 Millionen Euro, für die kleine von 11,1 Millionen Euro. Zieht man die Zuschüsse des Landes ab, müsste der Landkreis 7,8 beziehungsweise 7,1 Millionen Euro stemmen. Der große Neubau käme den Kreis also lediglich rund 700 000 Euro teurer. Dabei sind jedoch die Energie- und Betriebskosten noch nicht berücksichtigt. Weil die Zweibrücker Schule alt und schlecht gedämmt ist, würde bei der kleinen Lösung zweieinhalbmal so viel Erdgas verbraucht wie bei der großen Lösung. Dazu kämen unter anderem noch Personalkosten für Verwaltung, Hausmeister und Reinigungskräfte − die höher ausfallen, wenn zwei Standorte zu betreuen sind. „Der Energieverbrauch in Zweibrücken ließe sich ja reduzieren, indem die Stadt ihren Altbau energetisch aufrüstet“, merkte Duppré an. Doch würde sich das auch bei der Miete bemerkbar machen, die der Kreis der Stadt zahlt, wenn er die Contwiger Unterstufe in der alten Hauptschule unterbringt. Eine weitere Überlegung ist, das Zweibrücker Domizil nur für zehn Jahre zu mieten − doch dann würde es auch schwieriger, die Stadt Zweibrücken zu einer Investition zu bewegen. Die einzelnen Kreistagsfraktionen werden nun über die verschiedenen Modelle beraten. In der nächsten Sitzung − möglicherweise während der Sommerpause − soll das Thema erneut auf den Tisch kommen. Wobei der Kreistag nicht allein entscheiden kann, wie die IGS ihr Raumproblem löst. Die Schulaufsicht werde einer Schule mit zwei Standorten nur zustimmen, wenn sich ein „deutlicher wirtschaftlicher Vorteil“ nachweisen lässt, erinnerte Duppré. Und danach sieht es bei der Zweibrücker Lösung nicht aus.

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