Schmalenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Hirsch-Trophäenschau im Pfälzerwald: Einblicke in alte Jagdtraditionen

So sehen Geweihe aus, die hoch bewertet werden: Der Hirsch, der Klasse eins, trug eine sogenannte Becherkrone und schaffte 171 W
So sehen Geweihe aus, die hoch bewertet werden: Der Hirsch, der Klasse eins, trug eine sogenannte Becherkrone und schaffte 171 Wertungspunkte. Das reicht für eine Bronzemedaille.

Im Pfälzerwald ist der Hirsch selten zu sehen, doch bei der Trophäenschau in Schmalenberg ist seine Präsenz allgegenwärtig. Die Ausstellung ist eine alte Jagdtradition.

Der Hirsch ist ein scheues Tier. In größeren zusammenhängenden Waldgebieten wie dem Pfälzerwald fühlt er sich wohl. Hier hat er Rückzugsmöglichkeiten, was zur Folge hat, dass ihn Waldbesucher selten zu Gesicht bekommen. So selten ist der Hirsch im Pfälzerwald aber nicht. Das zeigt sich bei der ersten Trophäenschau des Hegeringes Pfälzerwald-Nord in Schmalenberg. Die Geweihe von 30 Hirschen bestimmter Altersklassen, die im Bereich des Hegerings im Jagdjahr 2024/25 erlegt wurden, sind ausgestellt.

Von August bis Ende Januar dürfen Hirsche gejagt werden. In den übrigen Monaten gilt die Schonzeit. „Die Wahrscheinlichkeit, im Pfälzerwald als Wanderer oder Radfahrer einen Hirsch zu sehen, ist nicht viel größer als die Wahrscheinlichkeit, im Lotto einen Sechser zu erzielen“, sagt Sebastian Kemmer schmunzelnd. Kemmer kümmert sich im Forstamt Johanniskreuz verstärkt um das Thema Jagd und hat die ausgestellten Trophäen mitbewertet, die aus Geweih und dazugehörigem Unterkiefer bestehen.

Der Oscar der Jägergemeinschaft

Was dem Schauspieler der Oscar, dem Athleten die Medaille, das ist für den Jäger die Trophäe. „Die Trophäenschau ist eine alte jagdliche Tradition“, erklärt Christoph Wagner, der Geschäftsführer des Hegeringes. Es gab Zeiten, in denen sie Pflicht war. Die sind vorbei. Aber: „Der Wunsch, mal eine Trophäenschau zu veranstalten, wurde schon geraume Zeit an uns herangetragen“, sagt Wagner. Die Rotwildhegegemeinschaft Pfälzerwald-Nord wurde 2013 gegründet, reicht von Waldfischbach-Burgalben über Kaiserslautern bis nach Neustadt. 35 Jagdreviere liegen innerhalb des Gebietes, das eine bejagbare Fläche von etwa 35.500 Hektar ausweist. Mit 14.000 Hektar ist die Regiejagdfläche des Forstamtes Johanniskreuz die größte in diesem Gebiet und in der fühlt sich der Hirsch durchaus wohl. Das Ziel, das die Gemeinschaft verfolgt, ist ein Bejagungskonzept, das dazu beiträgt, dass es einen den Gegebenheiten angepassten gesunden und bejagbaren Rotwildbestand gibt. Das heißt: Zwischen Wald und Wild soll das Verhältnis stimmen. Deshalb darf ein Hirsch nicht einfach geschossen werden. Es gibt jährlich einen Abschussplan. Im Schnitt zwischen 150 und 190 Hirsche dürfen im Bereich der Hegegemeinschaft erlegt werden. Die werden auch noch aufgeteilt in Schmalspießer – das sind die Einjährigen– und in weitere verschiedene Klassen, von jungem bis reifem Tier. Im abgelaufenen Jagdjahr wurden 199 Hirsche erlegt. Einer der Kronenträger hatte Pech: Kollision mit einem Auto. Eine Begegnung, auf die Hirsch und Autofahrer gerne verzichtet hätten. Im neuen Jagdjahr stehen 190 Hirsche im Abschussplan.

Die Resonanz bei der Trophäenschau ist groß. Zur jagdlichen Stimmung tragen die Aschbachthaler Jagdhornbläser bei. „Es wird nicht die letzte Trophäenschau gewesen sein“, ist sich Wagner angesichts des Zuspruchs bei der Premiere sicher. Kemmer erläutert an vier Trophäen deren Besonderheiten, und erklärt, was sie preiswürdig macht. Um festzustellen, wie wertvoll eine Trophäe ist, wird sie gemessen und gewogen. Was wiegt das Geweih? Wie lange ist die Hauptstange? Welchen Umfang haben die Stangen? Wie viele Enden gibt es? All das und vieles mehr wird bepunktet.

Gewinner des Klimawandels

„Der Hirsch ist der König der Wälder“, sagt Kemmer. Einen Hirsch zu erlegen, der laut Abschussplan freigegeben ist, erfordere oft viel Geduld. Natürlich ist mit jedem Geweih und jedem Unterkiefer – die Zähne geben gute Auskunft über das Alter eines Hirschs – eine Jagdgeschichte verbunden. Wie und wo der Hirsch erlegt wurde, das ist Thema bei der Schau. Die Trophäen zeigen aber auch, dass es bei den Hirschen, wie auch bei den Menschen, höchst unterschiedliche Typen gibt. Dünnes Geweih, dickes Geweih – und trotzdem gleich alt.

Der Hirsch sei durchaus ein Gewinner des Klimawandels, bestätigt Kemmer. Durch den Klimawandel habe sich der naturnahe Waldumbau beschleunigt. Das komme dem Hirsch im Pfälzerwald zugute. Christoph Wagner, Revierleiter im Bereich des Zweckverbandes Holzland, zu dem die Gemeindewälder Schmalenberg, Geiselberg, Steinalben, Waldfischbach-Burgalben und die Hembach-Genossenschaft gehören, setzt seit vielen Jahren auf den naturnahen Waldumbau. Bei diesem ist, neben der Vielfalt der Baumarten, auch wichtig, dass die einzelnen Schichten des Waldes wieder entstehen, erläutert Kemmer. Von der Krautschicht profitiert zum Beispiel der Hirsch, „weil er genügend Futter findet“, sagt Wagner. Positive Folge: „Ich habe im Prinzip keine Schälschäden mehr an den Bäumen“. Bei einer Trophäenschau geht es also um Jagderfolge, aber auch um den Pfälzerwald als Lebensraum.

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