Südwestpfalz
Hausärzte: Großer Andrang, wenig Impfstoff
„Wir hatten schon vor der Aufhebung der Impfpriorisierung sehr viele Anfragen und großen Ansturm erlebt“, erklärt Allgemeinmediziner Wolfgang Leidecker, der im MVZ-Südwest in Waldfischbach-Burgalben praktiziert. Er selbst halte sich noch an die Priorisierung, wie er sagt. „Die Prio-Gruppe drei ist noch nicht durchgeimpft. Dann können wir andere nicht bevorzugen.“ Im Moment stünden insbesondere Zweitimpfungen an, bei den Erstimpfungen gehe es nur bescheiden voran, was laut Leidecker auf den allgemeinen Impfstoffmangel zurückzuführen ist. In dieser Woche habe das MVZ mit seinen fünf Ärzten am Standort Waldfischbach-Burgalben nur 21 Dosen für Erstimpfungen erhalten. Bei anderen Ärzten sei die Situation jedoch ähnlich, so der Allgemeinmediziner.
Leidecker weist derweil noch auf ein anderes Problem hin: „Ich verstehe ja, dass man sich an verschiedenen Stellen anmeldet, um einen Impftermin zu bekommen. Jedoch kann ich nur appellieren, bei den anderen Stellen abzusagen, wenn man anderswo einen früheren Termin bekommen hat.“ Es stelle ein großes Problem für die Logistik dar, wenn die Leute zu ihren Terminen nicht kommen ohne abzusagen, erklärt der Arzt.
Terminmanagement stresst
Ähnliches weiß auch Peter Deliargyris, Allgemeinmediziner in Thaleischweiler-Fröschen, zu berichten. „Das Hinterhertelefonieren ist wirklich ein Problem. Einige sagen nicht ab, wenn sie schon geimpft sind. Was die Mädels leisten, ist wirklich enorm.“ Das Terminmanagement sei aus seiner Sicht der größte Stressfaktor. „Theoretisch könnten wir ein Mädel nur für Termine und zum Impfen einstellen“, sagt er. Immer mittwochs werde in seiner Praxis geimpft, in der vergangenen Woche seien so 200 Spritzen gesetzt worden. „Die ganze Zeit ist nur wenig Impfstoff nachgekommen“, erzählt er. „Wenn wir 18 Dosen bestellt haben, sind beispielsweise nur sechs tatsächlich angekommen.“ Die Situation habe sich nun jedoch verbessert. „Um Pfingsten herum waren viele Praxen zu, das war unser Vorteil. Da haben wir mehr Dosen erhalten, als bestellt waren. Das hat uns bis jetzt geholfen.“
Viele Anfragen
Der Mediziner berichtet, dass er sich anfangs streng an die Priorisierung gehalten habe. Jetzt, wo diese aufgehoben ist, gehe Deliargyris weiterhin nach Warteliste vor. Etwa 400 Impfwillige hat die Liste laut dem Mediziner anfangs umfasst, diese habe er aber bereits stramm abgearbeitet.
Einen großen Unterschied bezüglich des Ansturms seit Aufhebung der Priorisierung stellt Deliagyris nicht fest. „Wir hatten auch schon vorher viele Anrufe. Außerdem konnten wir viele schon bedienen.“ So habe sein Team in den vergangenen Wochen bereits mehrere Feuerwehren aus dem Zweibrücker Land und Teilen des Landkreises geimpft, erzählt der Mediziner.
Viele Impfungen hat auch Allgemeinmedizinerin Karin Kliegel-Jenet, die eine Praxis in Dahn betreibt, bereits vornehmen können. Sie berichtet von vielen Nachfragen seitens der Patienten, etwa dazu, ob eine Biontech-Zweitimpfung bedenkenlos auf eine Astrazeneca-Erstimpfung folgen kann oder eine eigene Wahl des Impfstoffs möglich ist. Kliegel-Jenet gibt an, sich weitestgehend an die Priorisierung gehalten zu haben. Da sie ihre Patienten kenne, habe sie jedoch sehr darauf geachtet, wer besonders gefährdet ist, erzählt sie. „In der Prio drei unterscheide ich beispielsweise, wer sich impfen lassen will, weil er krank ist, oder weil er im Steuerbüro arbeitet.“ Kranke ziehe sie auch jetzt noch vor. „Wenn es irgendwo fehlt, schaue ich, wer erreichbar ist. Das klappt so ganz gut“, sagt die Medizinerin. Um die 70 Impfwillige stünden zur Zeit auf ihrer Warteliste. Zwar seien die meisten Spritzen, die aktuell in ihrer Praxis gesetzt werden, Zweitimpfungen. Jedoch reiche der Impfstoff für 20 bis 28 Erstimpfungen pro Woche aus.