Kreis Südwestpfalz Giftigen Elektroschrott bis nach Afrika verfolgt

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Vier Journalisten aus Norddeutschland sind dem illegalen Export von Elektronik-Schrott auf der Spur. Bis nach Afrika haben sie zwei ausgediente Fernsehgeräte verfolgt. Möglich machte diese Jagd eine Erfindung aus Kaiserslautern.

„Follow the money“ (Folge dem Geld) nennen die freien Wirtschaftsjournalisten Carolyn Braun, Marcus Pfeil, Felix Rohrbeck und Christian Salewski ihr Projekt. Sie wollen globale Kapital- und Warenströme aufspüren, verfolgen und deren Auswirkungen vor Ort aufdecken. Zurzeit wollen sie zeigen, wo illegal aus Deutschland exportierter Elektroschrott landet und was damit passiert. Ende Februar kamen die Journalisten auf die Lauterer Firma Viamon zu. Das vor einem Jahr gegründete Unternehmen hat ein Hightech-Gerät entwickelt, das ein Signal aussendet, wenn es bewegt wird und via Mobilfunk und GPS auch seinen Standort angibt. Dabei meldet sich der Viamon-Diebstahlschutz auf dem Computer als E-Mail. Das GPS- und das Funksignal können aber auch via App auf einem Smartphone vor Ort empfangen werden, erläutert Viamon-Geschäftsführer Oliver Strecke. Die Lauterer Erfindung erschien den Journalisten gut geeignet, um den Weg des Elektroschrotts aus Deutschland bis nach Afrika oder Asien zu verfolgen. Also baute das Viamon-Team das Modul in vier ausgediente Röhrenfernseher ein, erzählt Strecke. Da das Elektronikteil nur einige Zentimeter groß ist, ließ es sich leicht im TV-Gehäuse verstecken. MDS (Mobile Devise Server) heißt das Modul von Viamon. Es sei ein kleiner Computer, erklärt Entwicklungschef Thomas Faul. Er verfüge über einen speziellen Bewegungsmelder, ein GPS-Modul wie in einem Navi, eine Simkarte für das weltweite M2M-Mobilfunknetz und einen besonders starken Akku. Das Gerät funktioniere wochenlang. Die Journalisten nahmen die präparierten Schrott-Fernseher mit nach Hamburg und gaben sie Anfang März bei Entrümplern ab. Da Elektroschrott aus Gründen des Umweltschutzes nicht aus Deutschland exportiert werden darf, deklarieren die Schrottschieber die Geräte als Gebrauchtware und verschiffen sie nach Asien oder Afrika. Dort müssen oft Kinder den teils giftigen Elektroschrott auseinandernehmen. Bei Viamon in Kaiserslautern kamen bereits nach kurzer Zeit die ersten Signale an. Zwei der Fernseher gelangten von Hamburg nach Antwerpen. Dann herrschte Funkstille. Doch Anfang Mai blinkte der Computer bei Viamon: Zwei Module meldeten sich aus Westafrika. Die Schrott-Geräte waren in Containern auf zwei Schiffen dorthin gelangt. Nummer eins landete in Lagos in Nigeria, Nummer zwei in Ghanas Hauptstadt Accra. Einer der beiden Fernseher reiste weiter und erreichte nach 250 Kilometern einen Ort am Volta-Stausee in Ghana. „Selbst im tiefsten Busch sendet unser Modul“, sagt Entwicklungschef Thomas Faul: „Wir können als Erste den exakten Weg von zwei kaputten Geräten bis Westafrika nachweisen.“ Die Verfolgung der ausgedienten Flimmerkisten in Afrika gehe weiter. Der Diebstahlwächter von Viamon werde zurzeit vorwiegend in größeren Fotovoltaik-Anlagen eingesetzt. Denn es grassiere der Diebstahl von Solarmodulen. 2014 peilt die Firma einen Umsatz von 500 000 Euro an.

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