Herschberg Frische Milch am Automaten

Täglich sorgt Johannes Bohl für Nachschub von frischer Milch und Vorrat an Flaschen für die „Milchtankstelle“.
Täglich sorgt Johannes Bohl für Nachschub von frischer Milch und Vorrat an Flaschen für die »Milchtankstelle«.

Frischer kann man Milch eigentlich nicht kaufen, wenn der Transportweg zwischen der Kuh im Stall und der Ausgabestelle nur wenige Meter beträgt. Seit letzter Woche ist das in Herschberg möglich, wo an einem Milchautomaten direkt an der Durchgangsstraße rund um die Uhr frische Rohmilch angeboten wird.

Geöffnet ist diese „Milchtankstelle“ an sieben Tagen in der Woche. Solche Möglichkeiten gibt es in der Südwestpfalz bisher nur ganz vereinzelt. In einem kleinen, schützenden Holzhäuschen haben Monika und Johannes Bohl direkt an der Einfahrt zum Bauernhof, Hauptstraße 33, den Automaten aufgestellt, welcher 150 Liter Milch enthält. Diese wird täglich nach dem Melken frisch aufgefüllt und bei einer gleichbleibenden Temperatur von vier Grad Celsius angeboten. In einem mitgebrachten Gefäß oder einer bereitstehenden Glasflasche können Kunden die gewünschte Menge Milch erwerben und dies am Display eingegeben. Die Rohmilch kostet einen Euro pro Liter, die Glasflaschen ebenfalls einen Euro. Der Automat hält auch Wechselgeld vor, aber füttern kann man ihn nur mit Münzen. Es wird außerdem deutlich darauf hingewiesen, dass die erworbene Rohmilch unbedingt abgekocht werden soll.

Sohn führt Betrieb fort

Seit dem Tod ihres Mannes bewirtschaftete Monika Bohl zunächst allein den Pielinger Hof in Herschberg, der schon mehrere Generationen im Familienbesitz ist. Nach Fachschule und Lehre ist dann Sohn Johannes in den Betrieb eingestiegen. Der 25-jährige ist einer der jüngsten Vollerwerbsbauern auf der Sickingerhöhe und hat nach eigener Angabe Spaß an diesem Beruf. Neben der Milchviehhaltung werden auch Schlachttiere aufgezogen und Getreidefelder bestellt.

Noch vier Milchbauern im Ort

Noch insgesamt vier Milchbauern gibt es in Herschberg, während es gleich nach dem Krieg sage und schreibe fast 60 waren, welche ihr Produkt in der örtlichen Molkerei abgeliefert haben. Aber nicht nur im Dorf auf der Höhe ist diese Entwicklung zu beklagen. 55.000 Betriebe mit Milchviehhaltung gibt es noch in Deutschland, aber zu Beginn dieses Jahrhunderts waren es fast drei Mal so viele. Hochburgen der Milcherzeugung sind Bayern und Niedersachsen, gefolgt von Nordrhein-Westfalen. Rheinland-Pfalz liegt im Ranking der Bundesländer im unteren Drittel. 80 Prozent der Milch wird in den alten Bundesländern erzeugt.

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