Dellfeld
Erste Pfälzer Schule bekommt Sportunterricht mit dem Computer
Die Mitglieder des Verbandsgemeinderates Zweibrücken-Land hatten am Mittwochabend viel Spaß: Sie durften das Computerprogramm der kanadischen Firma Lü testen, das Lee Vogel aus Aachen mitgebracht und aufgebaut hatte und das in die Dellfelder Schulturnhalle eingebaut werden soll. Eine halbe Stunde lang durften die Ratsmitglieder Bälle auf eine Wand werfen, auf der Landkarten zu sehen waren, Hasen Rechenaufgaben stellten, und wo es galt, passende Bilder zu Wörtern zu finden und Basketballkörbe zu treffen. Danach stimmte der Rat gegen die Stimmen von Thorsten Sefrin und Franz Marterer (beide CDU) und Tim Scherer (Grüne) und bei einer Enthaltung von Reiner Hohn (FDP) dafür, das System zu bestellen.
Dabei handelt es sich um ein Computerprogramm mit Kameras, Projektoren, Lautsprechern und Mikrofon, für das knapp 50 Lernprogramme angeboten werden. Die Projektion wird auf eine leere Wand geworfen, und die Kinderbekommen Aufgaben gestellt. Sie können beispielsweise Bälle auf die Wand werfen oder schießen und müssen bestimmte Flächen treffen, oder sie können Felder antippen. Neben Sportprogrammen gibt es Apps für andere Fächer. Das System wird in 1500 Schulen in über 30 Ländern eingesetzt. In Rheinland-Pfalz wird Dellfeld der Vorreiter.
Erste Reaktion: „Das ist der größte Quatsch“
Die Idee mit dem digitalen Sportunterricht in Dellfeld hatte Verbandsbürgermeister Björn Bernhard, der sehr davon überzeugt ist. Das geht nicht allen so. Nicht nur, dass der Verbandsgemeinderat schon vor einem Jahr sehr lange und sehr kontrovers über das Thema diskutierte, auch die Geldgeber mussten erst überzeugt werden. Denn die Verbandsgemeinde bekommt einen Zuschuss vom Land. „Der Erste, den ich am Telefon hatte, hat gesagt: ,Das ist der größte Quatsch, das brauchen wir nicht’“, erzählte Bernhard am Mittwoch im Verbandsgemeinderat. Nun wird Dellfeld nicht nur die erste Schule in Rheinland-Pfalz, die das System anbietet, sondern das Land gibt sogar 40.000 Euro dazu und übernimmt damit 90 Prozent der Kosten von 45.000 Euro.
Dass Dellfeld ausgewählt wurde, liegt daran, dass dort gerade die Turnhalle kernsaniert wird. Wie Björn Bernhard am Donnerstag im Gespräch mit der RHEINPFALZ sagte, sind Dach, Fenster und Estrich bereits fertig, derzeit seien die Gipser am Werk. Ende des Jahres soll die Halle fertig sein. Da das System nicht nur für den Sportunterricht taugt, sondern auch externe Quellen angeschlossen werden können, dient es auch als Beschallungsanlage und Projektor. So kann die Dellfelder Turnhalle auch zum Veranstaltungsort werden, etwa für Aufführungen oder Neujahrsempfänge.