Kreis Südwestpfalz Eine Rose ist ein Lied ist ein Gemälde

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BOTTENBACH. Floristikmeister Steffen Teuscher kommt aus Bottenbach, aber er ist international erfolgreich. Blumen sind für ihn mehr als dekoratives Beiwerk. Sein hoher intellektueller und künstlerischer Anspruch taucht den Beruf des Floristen in ein neues Licht.

Dass das Berufsbild des Floristen weit mehr zu bieten hat als das Binden traditioneller Sträuße und Trauerkränze hat Steffen Teuscher schon mit der Ausstellung „Mythos und Symbolik um die Rose“ bewiesen, die zum 100-jährigen Bestehen des Zweibrücker Rosengartens Mitte Juni im Foyer des Festhalle zu sehen war: „Ich wollte keine normale, abgelutschte Rosenshow zeigen, bei der möglichst viele verschiedene Rosensorten kommentarlos nebeneinandergestellt werden, sondern ein eigenes, unvergleichbares Konzept realisieren“, erzählt er. Zusammen mit drei ehemaligen Schülern, die mittlerweile ebenfalls auf internationalem Parkett erfolgreich sind, hat er sich – passend zu dem historischen Datum 100 Jahre Rosengarten – für einen kulturhistorischen Ansatz entschieden, erklärt der Bottenbacher, der im Laufe seiner beruflichen Tätigkeit bereits Ausstellungen und Fachpräsentationen von Lateinamerika bis Asien organisiert hat und an der Floristikmeisterschule in Straubing lehrt. Als Ausgangspunkt wählte er die griechische Antike – „eine der ersten Hochkulturen, in der Blumen eine wichtige Rolle spielen“ – und führte die Besucher dann durch die verschiedenen Epochen. Im Fokus stand dabei der Bedeutungswandel, den die Rose über die Jahrhunderte erfuhr. Dies gelte vor allem für den Übergang von der Antike zum Christentum, „in dem die Rose von einem erotischen zu einem religiösen Symbol wird und beispielsweise für die Gottesmutter Maria, für Reinheit und Unschuld, steht“. Als Endpunkt wählte er das Jahr 1914, in dem der Rosengarten in Zweibrücken gegründet wurde. „Es war eine wirklich schöne Zusammenarbeit. Außerdem war es sehr reizvoll, dieses Konzept in der Festhalle umzusetzen, die Architektur des Gebäudes und der regionalen Gegebenheiten einzubeziehen und so ein Spannungsverhältnis zu erzeugen“, erläutert Teuscher, den die Liebe zu den Pflanzen bereits seit frühster Kindheit begleitet. „Meine Mutter hat in einer Gärtnerei gearbeitet und immer wieder Blumen mit nach Hause gebracht. Der gestalterische Bereich hat mich schon immer gereizt. Während meiner Schulzeit habe ich ein Praktikum bei einem Floristen gemacht, und dann war mein Berufswunsch klar“, erinnert er sich. Nach seiner Ausbildung in Eppenbrunn hat er von Düsseldorf bis Wien die verschiedensten Stationen durchlaufen. „Ich suchte nach einer eigenen gestalterischen Sprache. Viele können sich nicht vorstellen, dass die Arbeit mit Pflanzen mehr sein kann als das Binden von Sträußen. Mich hat immer interessiert, was man alles daraus machen kann. Ich rede auch lieber von Naturgestaltung. Das ist eine ganz eigene Kunstform, ganz genau wie die Musik, die Architektur oder die Malerei“, findet Teuscher, der bereits viele Wettbewerbe gewann und seine Anregungen in der ganzen Welt findet: „Ob in Asien oder Mittelamerika, die deutsche Floristik genießt weltweit ein hohes Ansehen. Man merkt, wie gut unser Ausbildungssystem ist. Deshalb wird man oft eingeladen. Es ist eine ganz besondere Herausforderung, die eigene Floristik mit fremden Materialien und fremder Technik umzusetzen. In Guatemala gibt es zum Beispiel exotische Pflanzen in Hülle und Fülle, aber die technischen Voraussetzungen fehlen. Dann muss man improvisieren und sich überlegen, wie man zum Beispiel den Bindedraht ersetzen kann“, erklärt der Floristenmeister, der bei seinen Reisen auch viel über die fremden Kulturen und ihr Verhältnis zur Blume erfahren konnte: „In Japan hat die Natur einen ganz anderen Stellenwert. Pflanzen werden viel mehr geschätzt, als es bei uns der Fall ist. Ich vermute, das liegt daran, dass die meisten Menschen dort in Großstädten leben.“ Japan liegt Teuscher, der zusammen mit seiner Frau Diana den floristischen Betrieb „Natur Form Gestalter“ in Landau betreibt, ganz besonders am Herzen. Eines seiner liebsten künstlerischen Projekte war den Opfern des japanischen Seebebens im März 2011 gewidmet. Im historischen Ambiente der Jugendstilhalle in Landau initiierte Teuscher gemeinsam mit 14 internationalen Spitzenfloristen und der Karlsruher Musikhochschule die Benefizveranstaltung „Flowers in concert – ein Abend für Japan“: „Wir haben die Naturkatastrophe in Japan künstlerisch verarbeitet. In floristischer und musikalischer Gestaltung. Eine Art Verschränkung der Künste“, so Teuscher über den Charity-Abend, der mit fast 950 Besuchern ausverkauft war. Für Teuscher befruchten sich die verschiedenen Kunstformen: Seine Schüler in Straubing sollen beispielsweise Zitate wie „Ora et labora“ floristisch umsetzen. „Das geht auch mit Gemälden. Da ist dann auch mal Picassos ,Guernica’ darunter. Außerdem geht es um Regionalität und Nachhaltigkeit. Manchmal dürfen die Schüler nur Materialien verwenden, die sie in der Natur finden. Klee, wilde Möhren, Kornähren, eben alles, was auf den Feldern und am Wegesrand so wächst. Oft ist es das Einfache, das begeistert“, erklärt der Naturliebhaber, für den Blumen vor allem Charakter haben müssen: „Rosen vom Discounter oder überzüchtete Sonnenblumen mit dicken Stängeln mag ich nicht. Ein Strauß muss auch keine zwei Wochen halten. Blumen sind Lebewesen und sie verändern sich. Die Natur der Blumen kommt am besten zur Geltung, wenn man ihren natürlichen Lebenszyklus beobachten kann. Das Aufgehen, Blühen und Vergehen.“ Ein Wunschprojekt des international tätigen Floristenmeisters: „Ich würde gerne einmal im jüdischen Museum in Berlin arbeiten. Dort verschränken sich Geschichte und Architektur zu einer Aussage. Die Floristik könnte sie ergänzen und kommentieren, in Kommunikation treten und Bedeutung vermitteln statt nur zu dekorieren“, so Teuscher, der noch einen praktischen Tipp auf Lager hat: „Das Wichtigste im Umgang mit Schnittblumen ist die Vase. Sie muss absolut sauber sein, am besten sogar desinfiziert. Außerdem müssen die Blumen immer angeschnitten werden und zwar mit dem Messer, nicht mit der Haushaltsschere.“

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