Herschberg RHEINPFALZ Plus Artikel Ein besonderer Brieföffner bewahrt die Erinnerung

 Diesen Brieföffner aus einem Bombensplitter hat Schmiedemeister Karl Schmitt aus Herschberg für seinen Neffen Karl Schneider al
Diesen Brieföffner aus einem Bombensplitter hat Schmiedemeister Karl Schmitt aus Herschberg für seinen Neffen Karl Schneider als Erinnerung an die Bombardierung 1945 angefertigt. Der Brief dazu fand sich in einem »Geheimfach« an der Unterkante des Brettchens .

Es sollte eine bleibende Erinnerung sein an gemeinsam erlebte Stunden voller Angst und Lebensgefahr im März des Jahres 1945: Aus einem Bombensplitter hat Karl Schmitt rund 20 Jahre später für seinen Neffen Karl Schneider einen außergewöhnlichen Brieföffner angefertigt. Jahre später kam dieses Andenken wieder ans Tageslicht.

Bei einer durch Wasserschaden verursachten Aufräumaktion im damaligen Wohnhaus in Petersberg kam das ganz besondere Andenken vor einigen Jahren wieder ans Tageslicht und befindet sich inzwischen bei Schneiders Tochter Sabine Springer in Speyer.

Kurz vor Kriegsende 1945 hatte es Herschberg tatsächlich noch erwischt, als amerikanische Piloten einige Fliegerbomben über der Sickingerhöhgemeinde abgeworfen haben. Der damals zwölfjährige Karl Schneider hielt sich nicht weit von seinem Elternhaus entfernt bei Onkel und Tante auf, als das Inferno über den Ort hereinbrach. Dabei wurde auch die Schmiede von Karl Schmitt stark beschädigt und auf dem Grundstück klaffte nach Aussagen von Karl Schneiders Bruder Hans ein über fünf Meter tiefer Bombentrichter. Zum Glück blieben sowohl der Neffe als auch Onkel und Tante unverletzt, während im Nachbarhaus der Tod des Großvaters zu beklagen war.

Bombensplitter in der Tür zur Werkstatt

Als sichtbares Zeichen dieses Angriffs steckte danach ein zehn Zentimeter langer Splitter einer Bombe in der Holztür zur Schmiedewerkstatt, den Karl Schmitt instinktiv aufbewahrt hat. Rund zwei Jahrzehnte später, nach Wiederaufbau und geschäftlichem Erfolg, hatte der künstlerisch begabte Schmiedemeister die Idee, das böse „Überbleibsel“ einem neuen Zweck zuzuführen. Er fertigte daraus einen 24 Zentimeter langen Brieföffner, mit dem er seinem Neffen dann zu Weihnachten eine Freude und zugleich Erinnerung bescherte. Dazu hat er in den Griff das Datum des schrecklichen Ereignisses eingraviert. Ganz originell fand sich ein Brief zu diesem Geschenk – klein gefaltet – in einem „Geheimfach“ an der Unterkante des Holzbrettes, auf dem Karl Schmitt sein Kunstwerk angebracht hatte. Etwa zur gleichen Zeit hat er übrigens auch den vergoldeten Wetterhahn auf dem Turm der Herschberger Kirche gefertigt.

Brief noch in Sütterlin-Schrift verfasst

Das ungewöhnliche Andenken aus Karl Schneiders Jugendzeit hat seine Ehefrau Gisela nach dessen frühem Ableben und ihrem Wegzug aus Petersberg dann ihrer einzigen Tochter in Speyer anvertraut. Bei aller Freude über die Erinnerung an ihren Vater hatte Sabine Springer allerdings Probleme mit dem beigefügten Brief des Großonkels. Der 1903 geborene Schmiedemeister hatte diesen noch verfasst in alter deutscher Schrift (Sütterlinschrift), welche die junge Frau nicht entziffern konnte. Mit Hilfe eines Bekannten wurde der Text schließlich übersetzt: „Lieber Karl, das Geschenk habe ich dir angefertigt, als einziges Andenken und Erinnerung an den Tag – 18.3.1945 – wo es dich, deine Tante und mich gemeinsam das Leben hätte kosten können …..“

x