Rumbach
Die Nacht wird wieder dunkel
Der Gemeinderat hat im August beschlossen, dass nachts zwischen Mitternacht und 5 Uhr die Straßenlampen aus bleiben sollen. Zum einen Teil aus Spargründen, aber auch zum Gesundheitsschutz und zum Schutz der nachtaktiven Insekten. Weil die Straßenlampen von den Pfalzwerken pfalzweit geschaltet werden, müssen die Verbandsgemeindewerke zunächst Zeitschaltuhren in den Schaltschränken einbauen, damit die Ortsgemeinden ihre Abschaltzeiten individuell regeln können. Die Kosten belaufen sich pro Zeitschaltuhr auf 300 Euro, die die Gemeinde investieren muss. Das Einsparpotenzial liegt laut Bürgermeister Ralf Weber etwa bei 500 Euro im Jahr (Preise von 2021). Weil im August Urlaubszeit war und die Teile auch erst bestellt werden mussten, rechnete man im Ort mit einer Abschaltung nicht vor November.
Ortsbürgermeister Ralf Weber staunte daher nicht schlecht, als er am Nachmittag des 28. September aus dem Fenster auf einen der zwei Rumbacher Schaltkästen blickte. Ein Mitarbeiter der Werke war gerade dabei, die Zeitschaltuhr einzubauen. So erfuhr der Ortschef zufällig, dass schon in der kommenden Nacht die Lichter ausbleiben würden. „Ich war ehrlich gesagt freudig überrascht, dass die Werke das so schnell hinbekommen haben, aber es blieb natürlich keine Zeit mehr, die Bürger zu informieren“, erinnert sich Weber.
Die meisten Einbrecher kommen tagsüber
In der jüngsten Ratssitzung nutzten die Ratsmitglieder daher die Gelegenheit, die Fragen und Sorgen der Bürger zu diesem Thema noch mal auf den Tisch zu bringen. Viele Bürger sorgten sich, dass es nachts mehr Einbrüche geben werde, wenn es ganz dunkel ist, sagte Weber. Allerdings belegten die Statistiken, dass die meisten Einbrüche tagsüber stattfinden. Einige Ratsmitglieder hatten Bedenken wegen der Verkehrssicherheit. „Es gibt gesetzlich kein Recht auf Straßenbeleuchtung, die Haftungsfrage ist ausreichend geklärt“, hielt der Ortschef dem entgegen.
Weber versteht die Aufregung nicht wirklich. „Im Elsass, beispielsweise in Wingen, haben sie das schon seit Jahren und selbst in Woerth, das ja kein kleiner Ort ist, funktioniert es. Auch in Bayern gibt es Regionen, wo es nachts schon lange dunkel ist, so wie auch in den Orten rund um den Bodensee oder auf den Nordseeinseln“, zählt er auf. „Es ist doch auch weithin bekannt, dass eine dunkle Nacht besser ist für die Gesundheit und dass wir damit nachtaktive Insekten vor dem sicheren Tod bewahren“, so Weber weiter.
Ein Schlüssel für Ausnahmefälle
Rumbach wurde 2021 als eine der ersten Gemeinden in der Pfalz mit der Auszeichnung „Gemeinde unter den Sternen“ bedacht – „die Dunkelheit in der Nacht wieder herzustellen ist somit für uns ein logischer Schritt zur Bekämpfung der Lichtverschmutzung“, stellt Weber fest. Man werde für die Schaltkästen einen Schlüssel erhalten, so dass es möglich sei, beispielsweise am Kerwewochenende die Beleuchtung nachts anzulassen. Ratsmitglied Thomas Steigner wünschte sich einen Schlüssel auch für die Feuerwehr – „damit wir, wenn wir nachts einen Einsatz haben, das Licht anschalten können“.
