Dellfeld / Bechhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Der Wehrleiter ist nicht rundum glücklich mit den neuen Feuerwehrautos

Über 200 000 Euro hatte Staatssekretärin Nicole Steingaß (vorne rechts) dabei. Sie übergab Verbandsbürgermeister Björn Bernhard
Über 200 000 Euro hatte Staatssekretärin Nicole Steingaß (vorne rechts) dabei. Sie übergab Verbandsbürgermeister Björn Bernhard den Bescheid. Dahinter von links: Marc Pirmann (Feuerwehr Dellfeld), Lukas Mannschatz (Feuerwehr Bechhofen), die Kreisbeigeordnete Martina Wagner, Dellfelds Bürgermeisterin Doris Schindler und Wehrleiter Thorsten Preyer.

Über 200 000 Euro für zwei Feuerwehrautos für Bechhofen und Dellfeld bekam die Feuerwehr am Donnerstag. „Man kann damit kein Feuer löschen“, sagte Wehrleiter Thorsten Preyer über das Dellfelder Auto, das er als „rollenden Baumarkt“ bezeichnete. Dass er trotz der beiden Autos für fast 850 000 Euro nicht rundum glücklich war, liegt aber an Vorschriften, die er für nicht so sinnvoll hält.

Die Autos sind bereits da und schon im Einsatz: Der Rüstwagen (RW) für Dellfeld, der hauptsächlich für die technische Hilfe gedacht ist, und das HLF 10/10, ein Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug für die Bechhofer Wehr, standen am Donnerstag vor der Dellfelder Feuerwache. 217 000 Euro übergab Staatssekretärin Nicole Steingaß Verbandsbürgermeister Björn Bernhard als Zuwendungsbescheid. Immerhin kosteten beide Fahrzeuge zusammen knapp 835 000 Euro.

Nicht mal 1000 Kilometer und schon in der Werkstatt

Trotzdem war Verbandsgemeinde-Wehrleiter Thorsten Preyer nicht rundum glücklich, was besonders an den Abgasvorschriften für Feuerwehrautos aus dem Innenministerium liegt. „Der HLF war schon in der Werkstatt, da hatte es noch keine 1000 Kilometer drauf. Die Kontrollleuchte ,Abgasreinigung’ hat geleuchtet“, so Preyer. Dies liege an der empfindlichen Abgas-Reinigungstechnik der neuen Feuerwehrautos auf Mercedes-Artego-Basis. Die müssen seit neustem bei der Neubeschaffung nämlich die Euro-6-Norm erreichen, was laut Preyer beispielsweise bedeutet, dass dem neuen Dellfelder Rüstwagen im Kofferraum nahezu ein Viertel Kubikmeter Platz fehlt. Denn dort ist statt Werkzeug die Abgasreinigung untergebracht. Und die ist bei Lastwagen für Langstrecken ausgelegt.

Da die Feuerwehr aber selten Langstrecken fährt, kommt es bei den neusten Modellen immer mal wieder vor, dass die Abgasreinigung spinnt, Wartung braucht oder sogar ausfällt. „Warum kann man nicht Euro-5-Modelle anschaffen? Das macht doch bei der Feuerwehr viel mehr Sinn“, fragte Wehrleiter Preyer in kleiner Runde, nachdem Staatssekretärin Nicole Steingaß schon auf dem Weg zum nächsten Termin war. Allerdings hatte er sie auch zuvor auf das Problem angesprochen.

Auch wünschte sich Preyer, dass die Politik das Ehrenamt attraktiver macht für die Ehrenamtlichen, aber auch deren Arbeitgeber. Denn diese müssten die Wehrleute nicht nur für Einsätze, sondern auch für Ausbildungen freistellen, was nicht immer reibungslos funktioniere.

Bernhard: Feuerwehr hat sich im letzten Jahrzehnt verändert

Dennoch freute Preyer sich wie seine Feuerwehrkameraden aus Dellfeld und Bechhofen und wie Verbandsbürgermeister Björn Bernhard über die neuen Autos. Bernhard erklärte, dass sich im letzten Jahrzehnt das Anforderungsprofil der Freiwilligen Feuerwehr generell verändert habe. „Aus der Mannschaft, die Brände löscht, ist eine universelle Task-Force-Einheit geworden, die fachkundig unterschiedliche Gefahrensituationen bewältigt und für schnelle Hilfe sorgt“, sagte er. „Aus diesem Grund verfolgen wir auch sehr genau unser Fahrzeugkonzept für Feuerwehrfahrzeuge in unserer Verbandsgemeinde, und man muss auch sagen, nicht nur in Fahrzeuge, sondern auch in die Ausrüstung und Ausstattung haben und werden wir sehr viel Geld investieren“, so Bernhard.

Die Verbandsgemeinde brauche weiterhin die Unterstützung des Landes: „Dieses Jahr kommt noch die Drehleiter in Hornbach dazu, und wir bestellen noch drei Kleingruppenlöschfahrzeuge. Außerdem werden die Autos auch immer größer, somit bleibt auch nicht aus, dass in die Gebäude investiert werden muss“, schloss er.

Die neuen Autos

  • Der neue Rüstwagen der Feuerwehr Dellfeld kostete 475 000 Euro. Das Innenministerium in Mainz gibt 133 000 Euro dazu. Das Auto mit drei Sitzplätzen, das Wehrleiter Thorsten Preyer als „rollenden Baumarkt“ bezeichnete, ist seit 1. April in Betrieb. Es ersetzt einen 35 Jahre alten Rüstwagen, der ausgemustert wurde, und hat vom Hammer über Holzbohlen zum Unterbauen und ein Plasma-Schneidgerät bis zum hydraulischen Rettungsgerät alles an Bord, um technische Hilfe leisten zu können. Das Fahrzeug hat eine Einsatzzeit von 20 Minuten zwischen Alarm und Eintreffen am Einsatzort und ist hauptsächlich deshalb in Dellfeld stationiert, weil die Dellfelder Feuerwehr unter anderem für die Autobahn zwischen Outlet und Höhfröschen sowie die Landesstraßen 600 und 700 zuständig ist. „Man kann damit kein Feuer löschen“, stellte Preyer klar, denn außer einem Feuerlöscher sind keinerlei Löschvorrichtungen an Bord.
  • Das Bechhofer Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug beerbt das Löschfahrzeug 8/6 aus den 90er Jahren und führt als kombiniertes Hilfeleistungs- und Löschfahrzeug bis zu 1200 Liter Wasser für den Erstangriff bei Bränden mit. Atemschutzgeräte, Spreizer, Schere und die sonstigen üblichen Werkzeuge kommen hinzu, außerdem Sitzplätze für neun Feuerwehrleute. Das imposante Fahrzeug wurde am 1. Januar in Dienst gestellt und hat die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land 360 000 Euro gekostet. Das Land fördert die Anschaffung mit 84 000 Euro.

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