Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Der Karnevalsorden ist der Lohn für die in der Fasnacht Aktiven

Karnevalsorden sind auch Sammelobjekte.
Karnevalsorden sind auch Sammelobjekte.

Fasnacht oder Fasching? Viele Namen und Bezeichnungen gibt es für die närrische Zeit. Wie in der Südwestpfalz gefeiert wird und was es mit so manchem Brauchtum auf sich hat.

Oft wird die Zeit von Jahresbeginn bis Aschermittwoch die „fünfte Jahreszeit“ genannt. Die Karnevalszeit hat im Jahr 2025 dem närrischen Volk so viele fröhliche Wochen wie selten gegönnt. Gefeiert wird in der Pfalz allerdings die Fasnacht, darauf legen die Hüter des Brauchtums in den vielen Vereinen und Gesellschaften in der Region großen Wert.

Insgesamt gibt es 5300 davon unter dem Dach des „Bundes Deutscher Karneval“ (BDK). Der schon 1953 gegründete BDK beheimatet 35 Regionalverbände von der Nordseeküste bis zum Bayerischen Wald. So unterschiedlich wie die Landschaften sind auch die Bezeichnungen für das Brauchtum, das dort gepflegt wird.

Fasnachter lehnen das Wort Fasching eher ab

Fasnacht oder Fastnacht – mit Abwandlungen wie Fasnet, Fassenacht oder Faasend – sagt man vor allem in Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg, im Saarland und im Schwäbischen. Im Kölner Raum spricht man mundartlich auch von Fastelovend oder Fasteleer, während im Hochdeutschen fast ausschließlich von Karneval die Rede ist. In Deutschland ist der Begriff erstmals Ende des 17. Jahrhunderts nachweisbar.

Fasching sagt man zu diesem alten Brauchtum hauptsächlich in Bayern, Teilen Baden-Württembergs, Thüringen und Österreich. Auch in der Pfalz ist der Begriff neuerdings zu hören, oft in Zusammenhang mit Veranstaltungen von Wirten oder in Diskotheken. Viele Fasnachter lehnen das Wort Fasching jedoch ab und sind der Meinung: Wir kaufen auch keine „Semmeln“, wenn wir „Weck“ haben wollen.

Wo das Wort Rosenmontag herkommt

Die Karnevalssession beginnt immer am 11. November, dem 11.11. Die Länge hängt vom beweglichen Datum des Osterfestes ab. Der Aschermittwoch fällt auf den 46. Tag vor Ostersonntag und damit frühestens auf den 4. Februar oder spätestens auf den 10. März eines Jahres: Das ergibt einen möglichen Unterschied von 33 Tagen für die Länge der Kampagnen. Mit 114 Tagen gehört die Fasnachtszeit 2025 zu den längeren.

Natürlich ist die Weihnachtszeit frei von karnevalistischen Veranstaltungen. Den Höhepunkt erreicht die Fasnacht zwischen dem „Schmutzigen Donnerstag“ – auch Weiberfasnacht genannt – und dem Dienstag vor Aschermittwoch. In den letzten Fasnachtstagen finden überall große und kleine Umzüge statt, besonders am Rosenmontag in den Hochburgen am Rhein. Dabei bezog sich das Wort „Rosen“ ursprünglich nicht auf die Blumen, sondern auf das Tätigkeitswort „rasen“ – im Sinne von „toben, ausgelassen feiern“. Der bekannteste Umzug in der Westpfalz findet am Fasnachtsdienstag in Ramstein-Miesenbach statt: der Westricher Fasnachtsumzug.

Wefa ist älteste Gemeinschaftsveranstaltung

Der zweitgrößte Landesverband im BDK ist die Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine mit Sitz in Speyer. Ihr gehören fast 400 Vereine und Gesellschaften in den vier Bezirken Mittel- und Nordbaden sowie Vorder- und Westpfalz an. Nur rund 40 Karnevalsvereine gibt es im kleinsten Bezirk Westpfalz. Doch gibt es viele gemeinsame Veranstaltungen, guten Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung.

Keine Gesellschaft gleicht der anderen, jede hat ihre Eigenheiten, aber alle eint die Motivation, Spaß an der Freude zu verbreiten. Die alljährlich seit 62 Jahren an jeweils anderen Orten ausgerichtete „Westricher Fasnacht“ – kurz Wefa genannt – gilt als die älteste Gemeinschaftsveranstaltung in der Deutschen Karnevalslandschaft.

13 offizielle verbandsangehörige Vereine sind in der Südwestpfalz einschließlich der Städte Pirmasens und Zweibrücken zu Hause. Weitere Hochburgen des Frohsinns sind Dahn, Herschberg und Waldfischbach, wo es jeweils leistungsfähige Jugendabteilungen mit flotten Tanzgarden gibt. Auch in Donsieders, Fischbach und Hauenstein kann man unterhaltsame Prunksitzungen mit bunten Programmen erleben. Fast alle Gesellschaften sind Nachkriegsgründungen, nur den Karneval-Verein Zweibrücken gibt es seit 1883.

Ehrenamtlich für die Fasnacht aktiv

Die Fasnacht wird in unserer Region nahezu komplett von Amateuren ehrenamtlich bestritten. Vereinzelt werden sogenannte Büttenkanonen mit einem Fahrtkostenersatz oder Ähnlichem bedacht: Da es immer weniger Büttenredner gibt, treten Garanten für Lachsalven oft an einem Abend gleich auf mehreren Prunksitzungen auf.

Der Lohn für die vielen Aktiven in den Vereinen – Tänzerinnen und Trainerinnen, Sänger, Redner, Elferräte sowie Helfer bei der Organisation – ist einzig nur der Jahresorden.

Der Karnevalsorden hat eine 200-jährige Tradition. Seine Geschichte begann mit dem organisierten Karneval in Köln. Ursprünglich als Persiflage auf staatliche und militärische Auszeichnungen gedacht, ist er heute meist eine Erinnerung an fröhliche Stunden und bei vielen Fasnachtern auch ein Sammelobjekt. Oft zieren das Jahresmotto der Gesellschaft sowie Themen aus Politik und Ortsgeschichte die bunten Metallgebinde.

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