Herschberg
Der Hase und die blaue Welle sind immer im Blick
Start ist an der Bürgerhalle am Ortsausgang der Straße in den Schlosswald. Auf dem Fuß- und Radweg führt die Strecke über der Feldflur über dem Walterstaler Berg und Tempel vorbei. Von dieser Anhöhe hat man freien Blick bis zum Reifenberger Kapellchen. Nach gut einem Kilometer folgt die Gruppe dem Feldweg am Brandweinkopf. Dort beginnt bereits die erholsame Waldlandschaft.
Bei der historischen Weihermühle beginnt eine ausgeschilderte Familientour rund um die Mühle und zum Wasserschaupfad. Sie für Kinder angenehmer und kann auch mit einem Kinderwagen fürs Gelände erwandert werden. Heckrinder in der Talaue, Ponys und ein Spielplatz im Umfeld der Mühle sind die ideale Ergänzung für einen Familienausflug. Deshalb kann man die Wanderung auch bei der Weihermühle beginnen. Die Familientour mit dem Naturerlebnis im „Kessel“ des Wasserschaupfades ist mit einem Hasen auf kleinen Schildern markiert, der Rundweg geht über fünf oder sieben Kilometer.
Nun zieht es unseren Wanderführer am Berghang am Brandweinkopf entlang und schon bald talabwärts an die Weiher des Wasserschaupfades. An den Heckrindern in der Talaue vorbei führt Alina Stephan die Wandergruppe mit Denni Bossert, Max Stoffel und Christoph Brenner in Richtung wildromantisches Odenbachtal. Die letzten 200 Meter auf dem schmalen Pfad beim Bachlauf öffnen den Blick zu den bizarren Felsformationen im Kessel. So bezeichnen die Bewohner aus den Dörfern seit Generationen dieses Naturschauspiel. Über einen schmalen Pfad und Holzstege kommt man bis zum Wasserfall.
Ein richtiger Wasserfall an der Felsplatte
„Trotz des so heißen und trockenen Sommer plätschert das Wasser noch in das ausgespülte Sandsteinbecken, was ich nicht mehr erwartet hätte. Lediglich ein Tröpfeln von der mächtigen Felsplatte hätte ich vermutet“, sagt Brenner. Richtig frisch sei es unmittelbar hinterm Wasserfall, findet Alina Stephan. Für Bossert und Stoffel ist es ein idealer Ort bei Mittagshitze zur Rast.
Wer sich im Kessel den Blick von der Talsohle gönnt oder von hoch oben über dem Wasserfall, der bekommt einen guten Eindruck welche Spuren die Urgewalt des Wassers hier in den vergangenen Jahrhunderten hinterlassen hat. Diese wilde und fast unberührte Landschaft lieben die Herschberger Jungwanderer. Sie würden viele der schönen Wanderwege im Wallhalbtal bis zum Rosendorf Schmitshausen kennen. Sogar im gesamten Landkreis seien sie auf den Premiumwegen immer wieder zu Fuß unterwegs. Sie hätten alle gemeinsam Spaß an der Naturerholung.
Nun geht es zwei Kilometer flach hinaus aus dem Taleinschnitt des Wasserschaupfades bis man den Forstweg nach Schauerberg und Weselberg erreicht. Beim Blick nach rechts kommt jedoch die größte Freude auf, denn jetzt sind die Möglichkeiten für eine willkommene Rast an der Weihermühle oder der „Kleinen Mühle“ mit Spielplatz nur noch weniger als 300 Meter entfernt. Bei der Weihermühle führt an der Hangkante ein Pfad hoch zum Brandweinkopf und zurück nach Herschberg. Auf diesem Pfad hat man am Hang noch einen selten schönen Blick auf die historische Weihermühle.
An dieser Stelle des Hangaufstieges halten zwei Autos mit Freiburger Kennzeichen angefahren. Die Insassen mit Kindern suchen den Wasserschaupfad. Sie erhalten eine umfassende Erläuterung, wie sie den Wasserfall finden, der mit einer blauen Welle ausgeschildert ist. Zudem gibt es eine Familientour, die den Wasserschaupfad einschließt, markiert mit einem Hasen auf kleinen Schildern.
Häufig wählt Brenner die Variante über den steilen Feldweg nach dem Herschberger Sportplatz und der tief gelegenen Kurve vor Saalstadt, um auf dem Pfad über dem Wasserfall den Kessel zu erreichen. Dort müsse er immer wieder staunen, was die Natur für einen Anziehungspunkt geschaffen hat. Oft sei er mit seinem Mountainbike im weiten Umfeld der Weihermühle unterwegs, da es viele geeignete Wege außerhalb der Wanderpfade bis nach Schauerberg, Weselberg und Höheinöd gäbe, um seine Muskelkraft zu testen.
Spuren von Natur- und Heimatgeschichte
Dort, wo Wald, Wasser und bizarre Felsgebilde des Karlstaler Sandsteines, eine einmalige Wanderung auf den Spuren der Erdgeschichte ermöglichen, hat die Gemeinde Herschberg 1978 ihren Wasserschaupfad eröffnet. Auf der kleinen Rundtour begegnet der Wanderfreund so manchem Naturschauspiel, das der Odenbach im Laufe von einer Million Jahre geschaffen hat. Hauptsächlich während den Eiszeiten hat der Odenbach sein heutiges wildromantisches Tal geformt. Diese und andere Eigentümlichkeiten hat Hubert Heitele, der ehemalige Fachmann des Geologischen Landesamtes in Mainz, bei seinen Untersuchungen festgestellt.
Unmittelbar neben dem Wanderweg entlang des Odenbaches lagern harte, massige Sandsteinbänke. Diese auch als „Kugelfelshorizont“ bezeichneten Felsbänke sind dadurch gekennzeichnet, dass in ihnen rundliche, häufig von Eisen-Mangan-Oxid-Häutchen umkleidete, bis faustgroße Kugeln vorkommen. Die Kugeln sind häufig herausgewittert, sodass bei den meisten Felsaufschlüssen nur noch ihre Hohlformen zu beobachten sind, erläutert Heitele. Durch den Volksmund ist überliefert, dass Ritter Franz von Sickingen einst in diesem Tal die faustgroßen Kugeln für seine Kanonen gesammelt habe.
Mit der Einrichtung des ersten Wasserschaupfades in Rheinland-Pfalz, auf Anregung des damaligen Verbandsbürgermeisters Karl Heinz Feik und freiwilliger Helfer aus der Ortsgemeinde, ist es Herschberg schon früh gelungen, diese schützenswerte Natur zu erhalten. Weitere freiwillige Helfer hatten sich durch die Vermittlung der Verbandsgemeinde gefunden, um die gerne besuchten Wanderstrecke zu erneuern. So sind die Wanderer erfreut über die gute Begehbarkeit der Touren rund um den Wasserschaupfad, der von der ungewöhnlichen Waldlandschaft zwischen den Talauen geprägt ist.
Die untergegangene Siedlung Bebenhausen
Wo sich die Gemarkungen von Saalstadt, Schauerberg und Herschberg berühren, da entspringt oberhalb des „Kessels“ der Odenbach. Sein Wasser speist den Wasserfall. Nach den Forschungen des Heimatkundlers und Verfassers der Dorfchronik Herschberg, Klaus Juner, lag am Quellfluss des Odenbach die untergegangene Siedlung Bebenhausen. In der Grenzbeschreibung des Wallhalber Weißthums von 1531 sei der Name Bebenhausen ebenfalls verzeichnet.
Die Entstehung der Weihermühle im Odenbachtal, einst auch Tal des Ottenbach genannt, wird zwischen 1400 und 1450 vermutet. Die Leininger Grafen legten an der „Furth über den Ottenbach“ einen Fischweiher an. An dieser Stelle führt der Weg von Herschberg nach Höheinöd vorbei. Einige Zeit später wurde nicht weit von diesem Platz die „Odenbacher Mühle“, die heutige Weihermühle, errichtet. Seit 1928 wird in der ehemaligen Mahlmühle eine Gastwirtschaft betrieben. Von 1926 bis 1943 war die Weihermühle im Besitz der Forstverwaltung. Die Mühle und der Wasserschaupfad liegen mitten in dem großen Waldgebiet des Staatsforstes, der einst das Jagdgebiet der Leininger Grafen war.
Aus einem alten Kirchenbucheintrag soll hervorgehen, dass in dem Gemarkungsteil „Brandweinkopf“, eine Branntweinhütte zu Beginn des 18. Jahrhunderts nahe bei der Mäusemühle gestanden hat. Wozu dieser Branntwein in jener Zeit notwendig war ist in den Unterlagen nicht genannt. Der Heimatforscher Juner glaubt, dass aus der Weismühle mundartlich Meismiel oder Weißmiehl wurde. Möglich, dass die Mühle auch von Mäusen geplagt war, was für die Mühlen bei ihrem beliebten Futterangebot für die kleinen Nager immer ein Problem war.