Lemberg
Den Wunsch-Camper selbst geschaffen
Bevor ihr Traum vom eigenen Camper Wirklichkeit wurde, musste Johanna Jahn einige Hürden überwinden. „Der Ausbau ist eigentlich kein Hexenwerk, wenn man etwas Geschick mitbringt“, erklärt Johanna Jahn. Bevor es damit aber losgehen konnte, stand die 20-Jährige vor einer anderen Herausforderung: Ein passendes Fahrzeug musste gefunden werden. Und das sei momentan gar nicht so leicht. „Der Markt ist durch die Corona-Pandemie ziemlich schwierig“, erklärt die 20-Jährige. Ständig habe sie Kleinanzeigen durchstöbert, bis sie dann im März auf den Renault Master in der Größe L2H2 gestoßen ist. Ungefähr 5,5 Meter lang und 2,7 Meter hoch ist das Fahrzeug, das Johanna auf den Namen „Hugo“ getauft hat.
Innen fast alles selbst gemacht
„Den Innenausbau habe ich bis auf die Elektrik komplett selbst gemacht“, sagt Johanna. Viel habe sie sich über Videos und das Internet beigebracht. Das nötige handwerkliche Talent bringe sie mit. Das sei ihr während ihres „Work and Travel“-Aufenthaltes in Irland bewusst geworden. Dort hat sie geholfen eine Kunstgalerie auszubauen und konnte sich damit viel handwerkliches Geschick antrainieren. Wegen des schlechten Wetters konnte sie in diesem Sommer nur wenig an dem Fahrzeug arbeiten. Denn ein überdachter Stellplatz sei teuer. Geparkt ist „Hugo“ deshalb in der Einfahrt des Elternhauses. „Außerdem habe ich noch ein Pflegepraktikum gemacht“, erzählt Johanna. Nach acht Stunden Arbeit sei sie oft zu müde gewesen, um abends noch an ihrem Camper zu arbeiten. Momentan sei deshalb noch nicht alles perfekt. Zum Wegfahren reicht es aber definitiv.
Die erste Fahrt mit „Hugo“ führt nach Frankreich
Ihre erste Reise hat Johanna mit ihrem Camper bereits gemacht. Gemeinsam mit zwei Freundinnen ist sie nach Frankreich ans Meer gefahren. „Da haben wir dann schon gemerkt, was funktioniert und was vielleicht doch nicht so clever war“, berichtet die 20-Jährige. Klar sei, dass man auf einen gewissen Komfort verzichten muss. Eine Dusche ist zwar geplant, momentan aber noch nicht fertig ausgebaut. Für den Notfall gibt es eine Campingtoilette an Bord, die im besten Fall aber nicht benutzt werden muss, sagt Johanna.
Ihre Lebensmittel hält sie in einer Kühlbox frisch und gekocht wird auf einem Campingkocher. Auf ihre selbst gebaute Küchenzeile ist sie besonders stolz. Dort befindet sich ein Wasser- und Abwassertank sowie eine kleine Spüle. Strom bekommt Johanna zum einen von der Solaranlage auf dem Dach, der eingebauten Batterie, die sich über Landstrom laden lässt und während der Fahrt von der Lichtmaschine. Somit kann ihr Camper für einige Tage völlig autark stehen. „Wir machen es aber immer so, dass wir zeitweise auf den Campingplatz fahren“, meint Johanna. Dort gebe es reichlich Wasser, Toiletten und Duschen. Ansonsten findet die 20-Jährige ihre Stellplätze mit der App „park4night“.
Völlige Freiheit als größter Pluspunkt
Prinzipiell empfehlen würde Johanna das Camperleben nicht jedem. „Man muss wissen, worauf man sich einlässt“, erklärt sie. Da müsse jeder selbst wissen, welchen Anspruch auf Luxus er in seinem Urlaub hat. „Für mich war es aber auf jeden Fall die richtige Entscheidung“, sagt die 20-Jährige. Zum einen habe ihr der Ausbau riesigen Spaß gemacht, zum anderen sei ihr diese Art von Reisen am liebsten. Am Camperleben gefällt Johanna besonders gut, dass sie völlige Freiheit hat. Sie ist kein Fan davon, einen ortsgebundenen Urlaub zu machen. „Mit dem Camper habe ich die Welt vor der Haustür“, sagt sie.
Nächstes Ziel: Skandinavien
Und wie geht es in Zukunft weiter für Johanna und ihren Camper? Geplant ist eine Reise in die skandinavischen Länder. Dort ist Wildcampen nämlich erlaubt. Das heißt, dass Johanna an jeder beliebigen Stelle mit „Hugo“ zum Übernachten stehen bleiben darf. Bevor die nächste Expedition aber stattfindet, geht es für die 20-Jährige erst einmal nach Ulm. Dort beginnt sie zum Wintersemester ihr Medizinstudium.