Wirtschaftsleben RHEINPFALZ Plus Artikel Das erschwert die Suche nach Physiotherapeuten

Sandra Heinrich führt seit 2002 eine Praxis für Osteopathie und Physiotherapie in Waldfischbach-Burgalben. Seit Ende 2023 unterh
Sandra Heinrich führt seit 2002 eine Praxis für Osteopathie und Physiotherapie in Waldfischbach-Burgalben. Seit Ende 2023 unterhält sie eine Filiale in Hermersberg.

Sandra Heinrich betreibt in Waldfischbach-Burgalben eine Praxis für Physiotherapie. Sie würde gerne zwei weitere Therapeuten einstellen. Die sind aber Mangelware.

Seit 2002 betreibt Sandra Heinrich in Waldfischbach-Burgalben ihre Physiotherapie-Praxis. Ende 2023 kam eine Zweigstelle in der Hermersberger Hauptstraße dazu. Wer als neuer Patient kurzfristig einen Termin haben möchte, hat mitunter Pech. Denn das Terminbuch der Praxis ist voll. „Mittlerweile ist es so, dass wir Patienten sogar ablehnen müssen“, sagt Sandra Heinrich. Das ist etwas, das der Praxis-Chefin unangenehm ist. Sie würde gerne mehr Patienten betreuen. Das ist aber nicht möglich. Denn sie bräuchte noch mindestens zwei Therapeuten. Die Suche läuft schon länger, bislang ohne Erfolg. Physiotherapeuten sind Mangelware.

Das hat auch Auswirkungen auf das Angebot von Hausbesuchen. „Wir sind im Moment nicht in der Lage, Patienten so zu versorgen, wie es der Bedarf spiegelt“, sagt Heinrich. Dabei geht sie angesichts der Altersstruktur in der südwestpfälzischen Bevölkerung davon aus, dass der Bedarf für Hausbesuche steigen wird.

Abschreckende Faktoren

Zwei Gründe macht Heinrich für den Mangel an Physiotherapeuten verantwortlich: Der Beruf ist körperlich anspruchsvoll, die Bezahlung ist nicht gut. Das schreckt vor dem Beginn einer Ausbildung ab. Ein Grund für die schlechte Bezahlung ist, dass in allen Heilmittelbereichen in den ambulanten Praxen eine große Einkommenslücke im Vergleich zu den Verdiensten der Therapeuten im Öffentlichen Dienst besteht. Das liegt an den Vergütungssätzen, die die Krankenkassen bezahlen und die weit unter den Erfordernissen der Praxen liegen.

Zum Jahresbeginn ist die Vergütung physiotherapeutischer Leistungen nach zähen Verhandlungen um 6,44 Prozent gestiegen. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, wäre laut eines Gutachtens ambulanter Therapiepraxen eine Steigerung um 30 Prozent erforderlich. „Einem Praxisinhaber ist es nicht möglich, zeitgemäße Löhne zu zahlen, gleichzeitig müssen wir alle Preissteigerungen zahlen“, sagt Heinrich mit Blick auf die Folgen von Inflation und Energiekrise.

Abwerbeversuche untereinander

Der Therapeutenmangel führe dazu, dass potenzielle Interessenten „klare Forderungen an ihre künftigen Arbeitgeber stellen können“, bemerkt Heinrich. Und es komme zu Abwerbeversuchen anderer Praxen. „Es ist schon eine große Konkurrenz um Therapeuten entstanden“, berichtet sie.

Sandra Heinrich ist froh, dass sie ein „topmotiviertes Team“ in ihrer Praxis hat, bei dem es auch zwischenmenschlich passt und zu dem acht überwiegend junge Therapeuten mit unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen gehören. Dafür bietet sie über die eigentliche Gehaltszahlung hinaus ein bisschen mehr. „Es gibt Urlaubs- und Weihnachtsgeld, die Inflationsausgleichsprämie wurde in voller Höhe bezahlt, es gibt Zuschüsse zu den vermögenswirksamen Leistungen“, zählt sie die monetäre Seite auf. Es gibt aber auch die fachliche Seite. Ihr sei wichtig, dass sich ihre Mitarbeiter ständig fortbilden. Das fördere sie. Gemeinsame Unternehmungen des Teams stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl. „Wir haben ein gutes Einzugsgebiet, die Verkehrsanbindung ist gut, wir haben Parkplätze vor dem Haus und jeder Therapeut hat seinen eigenen Raum“, sagt sie mit Blick auf die großzügigen Praxisräumlichkeiten in einem zweistöckigen, ehemaligen Bauernhaus in der Waldfischbacher Friedhofstraße.

Wirtschaftliche Mischkalkulation

Trotz der wirtschaftlichen Zwänge sieht sich Heinrich mit ihrem therapeutischen Angebot gut aufgestellt. „Die meisten Kollegen sind Manualtherapeuten“, sagt sie. Die Therapeuten wirken also auf Muskeln, Gelenke und Sehnen des Patienten ein, um diesen zu mobilisieren, um eine bessere Beweglichkeit zu erreichen und Blockaden zu lösen. Zum Leistungsspektrum gehören Kiefergelenksbehandlungen, Lymphdrainage, Massage und Fango, Heißluft und Kryotherapie. Ein Schwerpunkt ist die Sportphysiologie, hier kooperiert die Praxis mit dem Sportverein Hermersberg.

„Was den Bereich Physiotherapie betrifft, sind wir schon über der Norm aufgestellt“, sagt Heinrich. Während sie in diesem Bereich Patienten aus der Region betreut, ist das Einzugsgebiet ihres osteopatischen Angebots größer. Heinrich ist Heilpraktikerin und ausgebildete Osteopathin, sie behandelt Patienten, die aus Frankreich, Kusel und Grünstadt zu ihr kommen. Dieses Standbein ermöglicht eine wirtschaftliche Mischkalkulation, um eine Gehaltsstruktur zu erreichen, die annehmbar ist. Davon sollen auch die noch zu findenden Therapeuten profitieren.

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