Südwestpfalz
Brennholz: Wie die Forstämter vorgehen
Natürlich bekommt Florian Kemkes die aktuelle Situation mit. „Aber wir haben keine Glaskugel“, sagt der Leiter des Forstamtes Westrich im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Entsprechend könne er nicht vorhersagen, wie hoch die Nachfrage nach Brennholz in diesem Jahr ist. „Aber mutmaßlich wird sich die Anruferzahl erhöhen“, ergänzt Kemkes. Der Bestellzeitraum für Brennholz hat gerade erst begonnen und läuft im Westricher Forstamt bis Ende Oktober. Eine anvisierte Zahl an Raummetern Brennholz gebe es nicht. „Wir fahren auch nicht gezielt in den Wald, um Brennholz zu holen“, erklärt der Forstamtsleiter.
Vielmehr würden im Wald Pflegearbeiten nötig sein, bei denen dann auch Holz zum Verbrennen anfalle. „Das können zum Beispiel Arbeiten in der Krone der Eiche oder Verjüngungsarbeiten sein“, sagt Kemkes. Im Zeitraum von Juli 2021 bis Juli 2022 seien rund 5800 Festmeter Brennholz vom Westricher Forstamt aus dem Staats- und Gemeindewald bereitgestellt worden. Die Pflegearbeiten beginnen im Herbst, die Auslieferung des bestellten Holzes laufe dann bis ins Frühjahr 2023 hinein.
Stoffliche vor energetischer Verwertung
Auf einer Fläche von rund 2000 Hektar arbeitet das angrenzende Forstamt Hinterweidenthal. Hier beginnt die Bestellphase aller Voraussicht nach am 15. August und läuft bis Ende September. Die Forstämter arbeiten nach einem Zehn-Jahres-Plan, der vorgibt, wie viel Holz auf welcher Fläche geschlagen werden kann, informiert der stellvertretende Forstamtsleiter Richard Schwarz. „Es gibt verschiedene Sortimente Holz. Neben dem für die energetische Verwertung gibt es Industrieholz für die stoffliche Verwertung“, führt Schwarz aus. Daraus würden dann beispielsweise Tempotaschentücher hergestellt. Die Maßgabe des Landes sei klar: „Stoffliche Verwertung vor energetischer, denn dort hängen Arbeitsplätze hintendran.“ Natürlich habe die Industrie ihre Berechtigung, doch das Forstamt versuche, auch alle Kleinkunden mit Energieholz zu beliefern.
„Aber die Bereitstellung von Brennholz ist begrenzt“, merkt auch Schwarz an. Auch Unternehmen, die das Holz weiter aufbereiten, stünden auf der Belieferungsliste. Je nach dem, wie hoch die Nachfrage nach Brennholz in diesem Jahr sei, könne es sein, dass nicht alle Bestellungen ausgeliefert werden könnten.
Es muss für den Wald verträglich sein
„Das ist auch eine Frage der Nachhaltigkeit“, betont Ulrike Abel, die das Forstamt Wasgau in Dahn leitet. „Wir können die Menge an Brennholz nicht beliebig steigern, sondern nur in dem Maße, in dem das für den Wald auch verträglich ist.“ Dies sei das oberste Gebot.
Ein anderer Punkt ist die Verfügbarkeit von Arbeitern für die Pflegearbeiten im Wald. „Wenn es wie im Hunsrück einen Borkenkäferbefall gibt und Arbeiter ins Schadgebiet müssen, dann haben wir sie nicht hier“, sagt Schwarz. „Wenn es nass ist, können wir nicht fahren, weil wir sonst die Böden schädigen“, führt Schwarz’ Amtskollege Kemkes einen weiteren Grund an, der die verfügbare Brennholzmenge reduzieren könnte.
Abgabemenge pro Haushalt wird begrenzt
Um mehr Kunden mit Brennholz versorgen zu können, begrenzen die Forstämter die Abgabemenge pro Haushalt. Das Forstamt Westrich auf 10, das Forstamt Hinterweidenthal auf 15 und das Forstamt Wasgau auf 20 Festmeter pro Haushalt. „Damit sollte man locker einen Winter hinkommen“, sagt Forstamtsleiter Kemkes. „Wir bitten die Leute, möglichst nur zehn Festmeter zu bestellen. Wenn viele Leute weniger kaufen, reicht es für mehr“, ergänzt Abel.
Auch Brennholz ist teurer geworden
Alle Forstamtsleiter betonen allerdings, dass das jetzt gekaufte Holz ohnehin noch nicht in diesem Winter verfeuert werden könne. „Es muss mindestens ein Jahr trocknen. Besser wären zwei Jahre“, sagt Kemkes. Und natürlich hänge die benötigte Menge von mehreren Faktoren ab. So sei es etwa entscheidend, wie groß das Haus des Brennholzkunden ist. Die Preise für Brennholz liegen in diesem Jahr bei 68 Euro pro Festmeter, im vergangenen Jahr waren es laut Kemkes 55 Euro. „Die Preissteigerung ist nicht annähernd so hoch wie beim Gas“, so Kemkes.
Üblicherweise sei die Rotbuche, die sich sehr gut spalten lasse und einen guten Heizwert habe, als Brennholz sehr gefragt. „Wir müssen aber die Brennholzpolter mischen, es können auch Anteile von Eiche und Birke darunter sein“, sagt Kemkes. Die Polter, große Stapel von Stämmen am Rande von Straßen, könnten von Kunden mit entsprechender Lizenz zum Führen einer Motorsäge und Ausrüstung wie Schnittschutzhose in Meterstücke geschnitten werden, erklärt Forstamtsleiterin Abel. „Stehendes Holz darf nur von Profis bearbeitet werden“, betont sie.