Kreis Südwestpfalz Babysitten, reiten, Abitur machen

KLEINBUNDENBACH. Sie ist mit Freunden unterwegs, schlendert mit der Mutter über das Zweibrücker Stadtfest und absolvierte gerade ihren Realschulabschluss mit Bravour: Larissa Groel meistert ihr Leben trotz einer starken Sehbehinderung.
Blind ist sie nicht. Auf diese Unterscheidung legt die 17-jährige großen Wert. „Wenn ich unterwegs bin, ist meistens jemand dabei“, meint sie und zuckt die Schultern. Kennt sie die Umgebung nicht, dann haken ihre Freunde oder jemand aus der Familie sie unter. Zuhause und in der Schule braucht sie keine Hilfe. Sie läuft frei, ohne sich irgendwo festzuhalten. Viel Licht hilft ihr bei der Orientierung. Larissa Groel hat gerade ihren Realschulabschluss an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Schönenberg-Kübelberg/Waldmohr gemacht. Mit einem Notendurchschnitt von 1,6 ist sie Klassenbeste. Nach den Sommerferien wechselt sie auf die IGS Thaleischweiler, um das Abitur zu machen. Ein bisschen aufgeregt ist sie schon bei dem Gedanken an die neue Umgebung und die vielen fremden Gesichter. „Ich versuche, da ganz ruhig zu bleiben“, sagt sie und lacht. An ihrer bisherigen Schule wird es erst für den nächsten Jahrgang die Möglichkeit geben, Abitur zu machen, erzählt Larissa. An der IGS Schönenberg-Kübelberg habe sie sich sehr wohl gefühlt. Die Schüler und Lehrer haben viel getan, um sie zu unterstützen. „Die Lehrer waren sehr hilfsbereit, und meine Freundinnen haben mich immer begleitet, zum Beispiel in den Pausen“, sagt sie. Und Integrationshelferin Marion Staudner war zur Stelle, wenn die Schülerin etwas nicht allein bewältigen konnte. „Es ist schade, dass die Zeit dort schon vorbei ist“, seufzt Larissa Groel, lächelt dabei aber: Das neue Abenteuer Oberstufe lockt. Die junge Frau kann mithilfe einer Braillezeile lesen. Dabei handelt es sich um ein Gerät, das an den Computer angeschlossen wird. Die Braillezeile stellt den Text, der auf dem Bildschirm erscheint, in Punktschrift dar, sodass Larissa die Worte erfühlen kann. Ist es nicht mühsam, jeden Buchstaben einzeln zu erfühlen? Nein, meint sie, sie sei so sehr daran gewöhnt, dass sie den Text eher wortweise erfasse. „Ein bisschen langsamer als normales Lesen geht es aber schon“, meint sie. Die Brailezeile zeige immer nur eine Zeile nach der anderen an. Über Steuertasten könne die nächste oder vorherige Zeile aufgerufen werden. Es gibt ein neues Computerprogramm, dass es Blinden und Sehbehinderten einfacher machen soll, auch im Internet Texte zu lesen. „Bisher ist das schwierig wegen der ganzen Werbung. Manchmal steht die Werbung sogar über dem eigentlichen Text, sodass ich den gar nicht lesen kann“, sagt sie. In der Schule hat Larissa ihren Laptop immer dabei. Mitschreiben ist kein Problem: „Das mache ich mit der Computertastatur“. Das Zehn-Finger-Schreiben, das Sekretärinnen, Bürokaufleute und andere Berufsgruppen sich oft als Erwachsene mühsam aneignen, lernte Larissa schon in der fünften Klasse, damals noch auf der Förderschule in Lehberg. „Inzwischen ist sie fast perfekt“, sagt Larissas Mutter Petra Groel stolz. Larissas Lieblingsfächer sind Mathe und Physik. Auch Sozialkunde gefällt ihr gut. Außerhalb der Schule hat die 17-Jährige viele Interessen. Das ist zum Beispiel ihr dreijähriges Patenkind Mara, um das sie sich gerne kümmert. Mit Kindern kommt sie besonders gut zurecht. So übernimmt sie bei Bekannten im Dorf auch häufig Babysitterdienste. „Die ältesten Kinder sind sechs Jahre alt, ich hab mich aber auch schon um Babys gekümmert“, erzählt Larissa. Reiten ist ein weiteres Hobby. Sie hofft, dass sich diese Freizeitaktivitäten mit der neuen Schule vereinbaren lassen. In der IGS Schönenberg-Kübelberg hat sie im Chor gesungen. Gerne hört sie Lieder aus den Charts, von Ed Sheeran, Birdy oder Emeli Sandé. Und Musik aus Bollywood. Auch die typische Faschingsmusik mag sie. Die fünfte Jahreszeit hat es ihr angetan. Ob als Hexe, Prinzessin oder Cheerleaderin verkleidet, an Fasching ist Larissa immer unterwegs. Nach der Schule würde sie gerne einen sozialen Beruf erlernen. „Auf jeden Fall möchte ich etwas mit Menschen machen“, sagt sie. Mit Jugendlichen zu arbeiten, fände sie toll. Als Lehrerin an einer Förderschule zum Beispiel. „Da könnte ich meine eigenen Erfahrungen weitergeben, das wäre spannend“, sagt Larissa. Wer könnte sich besser in blinde oder sehbehinderte Kinder hineinversetzen ?